Frische Brise nach der Krise
Weltweit stehen Airline-Startups in den Startlöchern

Die Aufstellung für den künftigen Flugmarkt gleicht in der Coronakrise einem Pokerspiel. Vollservice-Anbieter hoffen auf eine Konsolidierung und halten sich bei der Angebotsplanung zurück. Airline-Startups weltweit wittern hingegen Morgenluft. Eine Übersicht.

Tausende qualifizierte Mitarbeiter, billige und schnell verfügbare Flugzeuge, reichlich Slots und günstige Flughafengebühren: der Luftfahrtmarkt gibt Anfang 2021 her, was noch vor einem Jahr niemand für möglich gehalten hätte. Einige Wettbewerber weltweit haben im Zuge der Krise die Tore geschlossen, andere hoffen, unter dem Schutzschirm wieder Aufwind zu bekommen. Große Airlines ächzen unter dem Schuldenberg, den sie sich mit staatlichen Hilfszahlungen aufgebürdet haben – und der sie zugleich in der Luft hält.


Auf Norwegians Spuren

Findige Unternehmer sehen in dieser Ausgangslage ideale Voraussetzungen, hier Boden wettzumachen: von Norwegen bis Ecuador, von Vietnam bis Südafrika kündigen neue Airlines ihren Start noch in diesem Jahr an. Dabei sticht insbesondere die norwegische Flyr hervor, die ihr Glück mit einem Geschäftsmodell versuchen will, an dem sich Norwegian verhoben hat. Mit zunächst 28 bis 30 Boeing 737 will die Airline ab Juni Inlandsrouten anbieten und später von Norwegen aus in die Welt starten – das alles im Low-Cost-Sektor. Das Interesse privater Investoren ist laut Gründer Erik Braathen groß, die nötige Summe beinahe zusammen.



Flyr

Flyr aus Norwegen wagt sich an ein Geschäftsmodell, an dem sich bereits Norwegian verhoben hat.

Island, Dänemark, Deutschland

Auch die isländische Play steht in den Startlöchern: den ursprünglich für den Winter 2019 geplanten Markteintritt der Quasikopie von WOW Air wollen Arnar Mar Magnussen und Sveinn Ingi Steinporsson nun im zweiten Quartal 2021 wagen. Ebenfalls günstig sollen sechs Flugzeuge 14 Ziele in Europa und den USA anfliegen. In Dänemark wird Airseven mit zwei Boeing 737-400 und jeweils 168 Sitzen Charterflüge anbieten und bei entsprechender Nachfrage zusätzliche Flugzeuge hinzuleasen. Die laufenden Kosten will das Management niedrig halten, indem sie soviel wie möglich davon an Dritte auslagert – das bedeutet auch, Personal über Zeitarbeitsfirmen anzustellen.In Deutschland setzt Lufthansa mit Eurowings Discover das Ocean-Konzept um: Ferienflüge über das Drehkreuz Frankfurt.


Spanien und Lateinamerika

In Spanien tritt die Hotelkette Iberostar an, um mit einer eigenen Airline namens World2Fly Gäste in einer A350 in die Karibik und nach Lateinamerika zu fliegen. Auch dort werden andere Marktteilnehmerinnen sich auf neue Wettbewerber einstellen müssen: in Brasilien streckt das Busunternehmen Itapemirim seine Fühler in die Luftfahrt aus und plant, mit Ita Linhas Aereas zunächst 17 Routen von Sao Paulo, Rio de Janeiro, Brasília und Vitória aus zu bedienen. Wie “aerotime.aero” berichtet, will das Management damit auf 3.000 Flüge pro Monat kommen. Auch ausländische Investoren haben das Angebot der Regierung Jair Bolsonaros gerne angenommen, bis zu 100 Prozent in eine Airline zu investieren: Nella Linhas Aéreas hat seit November 2020 die Starterlaubnis und soll bis zu 78 Inlandsrouten bedienen. In Kolumbien peilt der Billigflieger Ultra Air laut seinem Gründer William Shaw einen Zielwert von 29 Inlands- und 15 internationalen Routen an. Kunden soll ein Flug in den A320 und 737 MAX 8 der Airline mit Preisen schmackhaft gemacht werden, die bis zu 20 Prozent unter dem Marktdurchschnitt liegen. In Ecuador machen ecuadorianische und US-amerikanische Investoren Ecuatoriana Airlines startklar, damit sie ab dem ersten Quartal 2021 Inlandsrouten von Quito aus bedienen kann.




Torsten Maiwald (GFDL 1.2)

In Ecuador soll der einstige Flag Carrier Ecuatoriana wiederauferstehen. Regierung und Investoren arbeiten daran.

Neustarts in Asien und Nordamerika

In Vietnam hat Vietravel Airlines ihren ersten Airbus A321 in Empfang genommen und laut “aerotime.aero” bereits rund 200 Piloten sowie Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter eingestellt. Vom Phu Bai International Airport aus will die Airline sowohl Süd- und Nordostasien als auch den Mittleren Osten anfliegen. In Südkorea hat Aero K, an deren Gründung die deutsche Intro Aviation beteiligt war, Ende Dezember ihr AOC erhalten. Sie will Ziele im Inland, aber auch in Japan, China, Taiwan und Vietnam anfliegen. In Südafrika absolvierte LIFT ihren Jungfernflug im Dezember 2020. Mit zunächst drei Airbus A320 soll die Airline laut ihren Gründern Jonathan Ayache und Gidon Novick die Strecken Kapstadt und Johannisburg sowie Johannisburg-George bedienen. In Nordamerika schließlich kommt David Neeleman mit seinen Plänen für Breeze Airways voran. Der Airlineseriengründer will mit Breeze an Erfolge von Jetblue Airways ankünpfen – und für eine frische Brise im US-Direktverkehr sorgen, mit Airbus A220-300 soll sich Breeze später aber auch einen Platz über dem Nordatlantik sichern.



Breeze

Breeze Airways will im US-Direktverkehr für frischen Wind sorgen. Flugzeug der Wahl ist der Airbus A220.

Schnellere Erholung?

Rückenwind erhalten die Planer von Prognosen, nach denen sich der Flugmarkt Mitte 2021 fangen könnte. Der Flugzeugvermieter Avolon geht inzwischen “von einer schnelleren Erholung als gemeinhin erwartet” aus – Airlines demnach mehr als die 50 Prozent des vom Linienluftfahrtverband IATA erwarteten Vorkrisenniveaus erreichen, ist man sich bei Avolon sicher. Die Leasingfirma rechnet 2021 mit 30 Markteintritten neuer Airlines. Alles in allem deutet die Entwicklung nicht auf die Marktbereinigung und die Gesundung der Preisentwicklung hin, von der Airline-CEOs in der gegenwärtigen Krise gerne laut träumen.


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