Die European Union Aviation Safety Agency (EASA) hat am Mittwoch der Boeing 737 MAX die Wiederfreigabe zum gewerblichen Einsatz erteilt. Damit beenden die Europäer das Grounding der Zweistrahler. Wie die FAA verlangt die EASA dafür Modifikationen am Flugzeug und ein verbessertes Pilotentraining.

“Wir haben einen wichtigen Meilenstein entlang eines langen Weges erreicht”, sagte EASA-Chef Patrick Ky. “Nach ausgiebiger Prüfung haben wir entschieden, dass eine Rückkehr in den Liniendienst sicher ist. Zu dieser Überzeugung sind wir unabhängig von Boeing und der FAA gelangt. Es gab auch keinen politischen oder wirtschaftlichen Druck. Wir haben schwierige Fragen gestellt, bis wir die Antworten erhielten. Dann haben wir Lösungen verlangt, bis unsere Sicherheitsvorgaben erfüllt waren. Wir haben eigene Flugtests und Simulatorflüge durchgeführt und uns dabei nicht auf andere verlassen”, sagte der Behördenchef.


EASA-Chef: “Reise endet noch nicht”

“Lassen sie mich es klar sagen, diese Reise endet hier noch nicht”, so der EASA-Leiter. “Wir sind vollständig überzeugt, dass das Flugzeug sicher ist. Dennoch werden wir dessen Betrieb genau beobachten. Auf unsere Anforderung wird Boeing außerdem das Flugzeug mittelfristig verbessern, so dass es noch sicherer wird.”


Damit spielt Ky auf ein drittes Anstellwinkelsystem für alle MAX an, das Boeing mit der nächsten Version 737 MAX 10 einführt und dann auf die anderen Versionen überträgt. Der dritte Anstellwinkelwert wird als “synthetischer” Vergleichswert aus den Borddaten erzeugt, so dass kein dritter, mechanischer Anstellwinkelgeber eingebaut werden muss. Trotzdem hilft der dritte Wert, die Daten der beiden physischen Anstellwinkelgeber an Bord zu prüfen.


Änderungen als Bedingung

Bei zwei MAX-Abstürzen in Indonesien und Äthiopien hatten gestörte Anstellwinkelgeber die Bordcomputer so verwirrt, dass das Trimmsystem MCAS eine nicht mehr beherrschbare Fluglage bewirkte. Seitdem werden immer beide Anstellwinkelgeber verglichen und die Automatik MCAS wurde entschärft und deren Abschalten wird trainiert.


Vor einer Wiederindienststellung verlangt die EASA für alle Boeing 737 MAX folgende Änderungen:


  • Software-Updates, auch für das System MCAS und für Warnungen vor Messefehlern der Anstellwinkelgeber
  • die Verlegung und räumliche Trennung elektrischer Leitungen für den Trimmmotor des Höhenleitwerks.
  • verbesserte Flughandbücher mit neuen Verfahren und strengeren Betriebsgrenzen für diverse Störungsszenarien
  • verbessertes Pilotentraining, sowohl bei der Einweisung als auch bei der Wiederholung
  • Tests für das Anstellwinkel-Messsystem
  • jeweils einen Probeflug ohne Passagiere zur Sicherstellung des Einbaus aller Änderungen und zur Verhinderung von Standschäden.

Die FAA, Transport Canada und Brasiliens Luftfahrtbehörde ANAC hatten die Boeing 737 MAX mit ähnlichen Änderungen bereits freigegeben. Anders als die FAA erlaubt die EASA, dass die sogenannte “Stick Shaker”-Strömungsabrißwarnung für die Piloten bei längerer Warndauer abschaltbar gemacht wird. Dadurch soll eine Ablenkung der Piloten vermieden werden. Außerdem sind bestimmte Arten von Schlechtwetteranflügen mit der 737 MAX seitens der EASA bisher noch nicht wieder gestattet. Die Behörde erwartet hier aber eine Freigabe nach einer Übergangszeit.


UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/zivil/einsatz-erst-nach-erfolgten-aenderungen-easa-gibt-boeing-737-max-frei/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder. Für die Inhalte ist der UAV DACH e.V. nicht verantwortlich.