Die Douglas DC-8 ist heute extrem selten: Weniger als eine Handvoll Exemplare des Vierstrahlers sind noch am Himmel unterwegs. Selbst unter diesen Exoten sticht eine Maschine aus dem Kongo aber noch heraus – und zwar wegen ihrer Triebwerke.

Für Planespotter am Flughafen Johannesburg war es die Sensation des Jahres. Am 13. November 2020 kündigten vier Rauchschwaden am Horizont dort einen ganz besonderen Besucher an: Eine Douglas DC-8, aus Kinshasa kommend, war gerade in den Endanflug eingeschwebt – eine von kaum fünf weltweit, die noch aktiv im Dienst stehen. Sie alle haben ihre originalen Pratt & Whitney-“Räucherstäbchen” längst gegen modernere CFM56-Motoren eingetauscht. Doch diese hier, das sah man schon von Weitem, hatte sich dem Umbau wohl entzogen. Qualmend und kreischend schob sich der Vierstrahler, Nase steil nach unten, Minuten später an den staunenden Zaungästen vorbei, setzte auf, stieß beim Setzen der Reverser noch ein letztes wutentbanntes Brüllen aus – und verschwand danach zum Check für zwei Tage im Hangar.


Mehr als 51 Jahre alt

556 DC-8 baute die Douglas Aircraft Company aus Long Beach zwischen 1958 und 1972. Das Flugzeug, das an diesem 13. November 2020 in Johannesburg landete, rollte vor mehr als 51 Jahren, im Sommer 1969, als DC-8-62 mit der Seriennummer 46110 aus der Halle. Als Passagierjet flog diese “Super 62” ab September 1969 für United Airlines. 1982 ging sie an Arrow Air, wurde 1989 zum einzigen Flugzeug von Antillana de Navegación Aérea aus der DomRep und ließ sich Anfang der 90er-Jahre zum Frachter konvertieren. Über viele Umwege gelangte die 46110 schließlich 2005 nach Afrika. Seit dem 1. Juli 2017 gehört sie der Fracht-Airline Trans Air Cargo Service (TACS) aus der Demokratischen Republik Kongo und trägt das Kennzeichen 9S-AJG.




Patrick Zwerger

Ab Anfang der 80er-Jahre wurden zahlreiche DC-8-62 und -63 mit sparsameren CFM56-Triebwerken ausgestattet. Sie erhielten anschließend die Bezeichnung “Super 70” (DC-8-72/73).

Die wohl letzte ihrer Art

Lange Zeit stand die 9S-AJG untätig auf dem Vorfeld des Flughafens Ndjili nahe Kinshasa herum. Erst zwei Tage vor dem Flug nach Johannesburg erhob sich die DC-8 zum ersten Mal wieder zu einem Testflug in die Luft. Nach allem, was man weiß, ist sie damit die derzeit einzige aktive DC-8 der Welt, die noch mit den alten JT3D-Turbofans fliegt. TACS selbst besitzt zwar noch eine zweite DC-8-62, diese ist allerdings nicht (mehr) flugfähig. Die dritte DC-8 in der TACS-Flotte, ursprünglich ein Exemplar der gestreckten Version -63, wurde bereits 1984 auf den moderneren Standard “Super 70” hochgerüstet – und besitzt demnach Triebwerke von CFM. Selbiges trifft auch auf die DC-8-72 der NASA und das Exemplar der Hilfsorganisation Samaritan’s Purse zu.



Morné Booij-Liewes

Die 9S-AJG war lange in Kinshasa abgestellt. Jetzt fliegt sie wieder – und ist damlt die wohl einzige derzeit fliegende DC-8 mit JT3D-Triebwerken.

Bewährte Lastenesel

Die maximale Nutzlast der DC-8-62F beträgt rund 41 Tonnen und verteilt sich auf das Haupt- und das Unterdeck. Im 174,4 Kubikmeter großen Hauptdeck finden 14 Standard-Container Platz. Die neun Meter längere DC-8-73 schluckt vier Container mehr. TACS nutzt ihre beiden Cargo-Oldtimer laut eigenen Angaben für Charterflüge zu zahlreichen Zielen innerhalb Afrikas und “bietet einen schnellen, effizienten und sicheren Service”, wie es auf der Website des Unternehmens heißt.


Als Partner geben die Kongolesen dort neben Hilfsorganisationen wie Caritas und Unicef auch die Fracht-Airline Cargolux aus Luxemburg an. Die Aufträge sollten TACS so bald also nicht ausgehen. Bleibt nur zu hoffen, dass die raren Lastenesel noch möglichst viele Jahre am Himmel unterwegs sein werden. Schnell und sicher – wenn auch vielleicht doch nicht ganz so effizient.


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