Akbar Al Baker will höchstens fünf der zehn A380 von Qatar Airways wieder in Dienst stellen – wenn überhaupt. Dass der Qatar-Chef kein Fan des Superjumbos ist, ließ er bereits mehrfach durchblicken. Dabei hat er die A380 einst selbst bestellt – und war voll des Lobes.

Zu groß, zu schwer, zu unrentabel: Qatar Airways-Chef Al Baker ließ in der Vergangenheit kaum eine Gelegenheit aus, um gegen den Airbus A380 zu schießen. Das war schon vor Corona so – die Krise gab der ablehnenden Haltung des Top-Managers, der seit 1997 Präsident von Qatar Airways ist, jedoch viel neue Nahrung. Auf einer Online-Konferenz des Branchendienstes CAPA zog Al Baker einmal mehr gegen den Superjumbo vom Leder: Die A380 sei für ihn “eines der schlechtesten Flugzeuge am Himmel, wenn es um Emissionen geht.” Der größte Passagierjet der Welt steht bei Qatar deswegen auf der Abschussliste. Man habe bechlossen, die A380 “auf absehbare Zeit nicht zu betreiben”, so Al Baker weiter. “Und selbst wenn wir sie wieder betreiben, werden wir nur die Hälfte der Flotte reaktivieren.”




Airbus

“Handover” im September 2014: Akbar Al Baker nimmt vom damaligen Airbus-Chef Brégier in Hamburg die erste von zehn A380 entgegen. Da war die Welt noch in Ordnung…

Nur fünf von zehn kehren zurück

Mit anderen Worten: Von den zehn A380, die Qatar Airways besitzt, werden maximal fünf in den Passagierdienst zurückkehren. Und auch das nur, wenn es gut läuft. Wenn jemand interessiert wäre, eins der Flugzeuge zu kaufen, “werde ich es Ihnen verkaufen”, ulkte der CEO auf der CAPA-Konferenz. Offenbar würde Al Baker seine A380 lieber heute als morgen vom Hof haben – und stattdessen auf die kleinere, sparsamere A350 setzen. Von diesem Muster besitzt Qatar mittlerweile 53 Stück und ist damit größter Nutzer des Airbus-Zweistrahlers. Schon Ende 2019 hatte Al Baker prophezeit, man werde die A380 “an ihrem zehnten Geburtstag” ausmustern.




Qatar Airways

Vor der Corona-Krise bediente Qatar auch Frankfurt täglich mit der A380. Die jüngste in der Flotte ist erst drei Jahre alt.

Al Baker und die A380

Al Baker Tiraden gegen den Superjumbo haben allerdings einen Beigeschmack. Nicht nur, weil die Qatar-A380 mit einem Gesamtdurchschnittsalter von unter sechs Jahren eher zu den jüngeren Vertretern ihrer Spezies zählen. Al Baker hat die Bestellung des Jets einst selbst verantwortet – zwei Exemplare orderte Qatar 2003, drei 2007 und fünf weitere 2011, mit Optionen auf weitere drei. Als die Katarer im September 2014 in Toulouse die erste A380 übernahmen, war der Chef höchstpersönlich mit dabei – und voll des Lobes für den Riesenjet: “Die Einführung der A380 eröffnet für uns ein neues Kapitel im beispiellosen Service für die Fluggäste, der das Markenzeichen von Qatar Airways ist”, so Al Baker seinerzeit. Die A380 werde zudem “den Rang von Doha als einer wichtigen Drehscheibe für den regionalen und globalen Flugverkehr festigen”, zitiert ihn die Airbus-Pressemitteilung von damals weiter.


Vom Star der Flotte zu einem der “schlechtesten Flugzeuge” in weniger als sechs Jahren – das dürfte selbst in der nicht unbedingt von Erfolgen gepflasterten Historie der A380 ziemlich einzigartig sein.


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