Nachdem zwei Übungen wegen der Corona-Pandemie ausfallen mussten, ging es Anfang August über dem Joint Pacific Alaska Range Complex, dem größten für die Ausbildung verfügbaren Luftraum der US-Streitkräfte, wieder zur Sache. Red Flag-Alaska 20-3 stand auf dem Plan, diesmal ohne ausländische Beteiligung. Statt acht Monaten war die Vorbereitungszeit nämlich auf sechs Wochen komprimiert. Zudem war dem Personal der externen Einheiten das Verlassen der Basis in den ersten 14 Tagen seines Aufenthalts in Alaska verboten, und es gab nur sehr eingeschränkt bis gar keine Interaktionen mit den ständig hier stationierten Soldaten und Zivilangestellten.


Hochwertige Kampffähigkeiten

“Die Übung lief erstaunlich gut. Wir hatten viele Herausforderungen, die größte davon war COVID-19, aber wir waren in der Lage, sie zu meistern”, sagte Oberstleutnant Gregory Hunger, der Kommandeur der 353rd Combat Training Squadron. Die Teilnehmer erhielten wie gewohnt ihre Ausbildung und erlangten die hochwertigen Kampffähigkeiten, derentwegen sie nach Alaska gekommen waren.


Red Flag-Alaska

Schon vor Ort waren dabei die F-35A Lightning II, die zum ersten Mal an Red Flag-Alaska teilnahmen. Zwei Staffeln mit dem neuen Stealth-Fighter der fünften Generation werden derzeit in der Eielson AFB aufgestellt, wobei die 356th Fighter Squadron inzwischen sechs Flugzeuge erhalten hat. Lightning IIs kamen zudem von der 4th Fighter Squadron von der Hill AFB in Utah. Mit dabei waren auch F-22A Raptors von der Joint Base Elmendorf-Richardson im Süden Alaskas bei Anchorage.




USAF

F-35A sind neu in Eielson AFB stationiert, während die F-22A schon länger von Elmendorf aus fliegen.

Kampfszenarien

B-1B Lancer der 37. Bomberstaffel aus der Ellsworth AFB, South Dakota sowie KC-135 Stratotanker der 97th Air Refueling Squadron aus der Fairchild AFB, Washington und der 168th ARS der Alaska Air National Guard unterstützten während der zweiwöchigen Übung die Kampfszenarien. “Jedes Mal, wenn wir die Chance haben, an Red Flag teilzunehmen, ist dies für unsere Ausbildung von entscheidender Bedeutung”, sagte Major Matthew Roland, ein Pilot der 3rd BS. “Wir können mit zusätzlichen Kampfflugzeugen der fünften Generation interagieren und sehen den realistischen Luftkrieg. Er vermittelt uns ein neues Bild, und wir können auf eine realistischere Situation hin trainieren.”


Erstaunliche Größe des Trainingsbereichs

Gerade für jüngere Piloten ist Red Flag eine Herausforderung. “Es war ein wenig überwältigend, allein die schiere Anzahl der Flugzeuge und die Größe des Trainingsbereichs ist schon erstaunlich”, sagte 1st Lt. Alex Best, der erst sechs Wochen vor der Übung den F-35-Grundausbildungskurs abgeschlossen hatte. Das Größte für Best war “das Kaliber aller Piloten, mit denen ich fliege. Das macht mich zuversichtlich, dass wir jeden Kampf gewinnen können”. “Unsere Jets und unser integriertes Einsatz- und Wartungsteam haben phänomenale Leistungen erbracht”, ergänzte Oberstleutnant Joshua Arki, Kommandant der 4th Fighter Squadron.


Einsatzplanung und Nachbesprechung

“Zusammen mit … der F-22 Raptor, Kommando- und Kontrollelementen und Spezialeinsatzkräften am Boden hatte der Feind in den Trainingsszenarien keine Chance.”Die Staffel flog während der Übung an jedem Trainingstag bis zu 16 Einsätze, aber der Flug ist für junge Piloten bei Red Flag nur die halbe Miete. Die eigentliche Bewährungsprobe liegt oft in der Einsatzplanung und Nachbesprechung. Ein typischer Tag beginnt um fünf Uhr morgens und dauert zwölf Stunden. Insgesamt kamen während RF-A 20-3 rund 560 Missionen mit 1500 Flugstunden zusammen.



USAF

Zur Ausstattung der 18th Aggressor Squadron gehören auch zwei F-16D-Doppelsitzer.

“Blue Foxes”

Für die Feinddarstellung sorgten dabei wie gewohnt die Piloten der 18th Aggressor Squadron “Blue Foxes”, die seit 2006 diese Aufgabe erfüllen. Dafür sind sie mit 19 Lockheed Martin F-16C und zwei F-16D-Doppelsitzern des Block-30-Standards ausgerüstet. Die Fighting Falcons tragen nicht das Einheitsgrau der USAF-Kampfjets, sondern verschiedene Tarnschemen, angelehnt vor allem an russische Muster. Im Laufe der Zeit sollen die Jets dem aktuellen Trend zu Splittermustern folgen. Dies ist eines der kleinen, aber wichtigen Details, um die Bedrohung möglichst realitätsnah darzustellen.


Trainingsluftkampf

Das Ziel der 18th AGRS ist es, die gegnerischen Fähigkeiten und Taktiken so genau wie möglich zu kennen, sie den eigenen Piloten ausführlich zu erläutern und sie dann im Trainingsluftkampf nachzuahmen, um einen maximalen Trainingseffekt zu erreichen. Dies geschieht durch schwierige Szenarien, bei denen oft die “Red Air” die Oberhand behält. “Wir sind stolz darauf, alles zu tun, was wir können, um aus den Fehlern unserer ‚guten Jungs‘ Kapital zu schlagen”, so Captain Travis Worden, Waffenoffizier der 18th AGRS.



USAF

Die Landschaft in Alaska ist faszinierend, aber im Winter kann das Wetter auch höchst gefährlich sein.

Weitab der Zivilisation

Dafür sind die etwa 20 Piloten der 18th AGRS nicht nur bei Red Flag-Alaska und anderen Übungen von der Eielson AFB aus im Einsatz, sondern gehen mehrmals im Jahr auch mit Mobilen Trainingteams auf Tour. Bevorzugte Jahreszeit dafür ist der Winter, wenn es im hohen Norden nur noch wenige Stunden hell wird und die eisigen Temperaturen es nicht ratsam erscheinen lassen, über unwirtliche Landschaften weitab der Zivilisation zu fliegen.


Fortschrittlichste Störsender

Eine typische Verlegung führte acht F-16-Piloten der 18. Staffel zum Beispiel im letzten November auf die Nellis AFB bei Las Vegas, wo ihre Kollegen von der 64th Aggressor Squadron ständig stationiert sind. “Wir bringen einige der fortschrittlichsten Störsender mit, um gegen unsere Einsatzstaffeln zu kämpfen”, sagte Captain Daniel Thompson, Direktor der Theorieausbildung bei der 18th AGRS. Während dieser Reise in die Wüste Nevadas agierte die Staffel gegen die Schüler der aktuellen Waffenschulklasse. Die Aggressors flogen gegen F-16, F-15E Strike Eagle, F-22Raptor und F-35A Lightning II.


354th AMXS keeps 18th AGRS flying during RF-A 14-1


USAF

Dank guter Wartung haben die F-16 meist eine hohe Verfügbarkeit.

Verfügbarkeit der Jets

Anfang Januar ging es dann mit einem Dutzend F-16 nach Hawaii und anschließend nach Guam. Dazu musste die Wartungsmannschaft zunächst die Verfügbarkeit der Jets von 65 auf 95 Prozent hochschrauben. Bei Sentry Aloha 20-1 flogen die Piloten der 18th AGRS gegen F-15 der California Air National Guard und F-22A der auf der Joint Base Pearl Harbor-Hickam, Honolulu, stationierten 199th und 19th Fighter Squadrons. Auf der Andersen Air Force Base wiederum waren im Februar bei Cope North 2020 Staffeln aus den USA, Japan (F-15, F-2, C-2, E-2C) und Australien (F-18E/F, E-7A, A330 MRTT) beteiligt.


Siege in der Zukunft

“Jedes Jahr kommen andere Einheiten hierher, um sich zu treffen und voneinander zu lernen, und dieses Jahr sollten wir eine fortgeschrittenere Bedrohung darstellen”, sagte Captain Travis Worden. “Dies erforderte viel mehr Planung und Integration zwischen den internationalen Partnern, um eine passende Lösung zu finden”, was eine gute Vorbereitung auf den Einsatz sei. Schließlich gelte es, “Besatzungen für die Siege in der Zukunft” vorzubereiten.


96th AMXS during BTF Alaska


USAF

Für Bomber-Missionen in der Arktis dient Eielson vermehrt als Zwischenstation.

Stichworte

Die Eielson Air Force Base liegt etwa 40 Kilometer südöstlich von Fairbanks und hat eine Ausdehnung von 255 Quadratkilometern. Die Start- und Landebahn ist mit 4420 Metern die zweitlängste in Nordamerika. Sie wurde in den 1950er-Jahren verlängert, um B-36-Bomber stationieren zu können. 1797 Militärangehörige im aktiven Dienst, 3881 Zivilisten und 648 Angehörige der Air National Guard arbeiten auf dem Flugplatz. Diese Zahl wird mit der Stationierung von zwei Staffeln F-35 deutlich ansteigen.


JPARC: Der Joint Pacific Alaska Range Complex besteht aus dem gesamten Land-, Luft-, See-, Weltraum- und Cyberspace, der für die militärische Ausbildung in Alaska genutzt wird. Er bietet unübertroffene Möglichkeiten für gemeinsame, streitkräfteübergreifende und multinationale Übungen. Der JPARC umfasst etwa 168 350 Quadratkilometer verfügbaren Luftraum, 6450 Quadratkilometer Landfläche mit 1,5 Millionen Hektar Übungsplätze sowie 109 000 Quadratkilometer See- und Luftraum im Golf von Alaska. Am Boden sind 510 Ziele, 23 Bombenabwurfzonen und 43 simulierte Luftabwehrstellungen verteilt.


18th Aggressor Squadron. Die Staffel wurde 1940 aufgestellt und war von 1942 bis 1946 mit der Lockheed P-38 Lightning in Alaska im Einsatz. Nach der Wiederaufstellung 1952 war sie bis 1971 in Minneapolis, Ladd (Alaska), Wurtsmith und Grand Forks stationiert. Die nächste Wiederaufstellung erfolgte im September 1977 mit der F-4 Phantom in Elmendorf, Alaska. 1982 wurde die 18th Fighter Squadron nach Eielson verlegt und mit A-10 Thunderbolt IIs ausgerüstet. Seit 1991 fliegt sie mit der F-16.


F-35 Lightning II. Die 356th Fighter Squadron ist die erste F-35A-Staffel der US Air Force, die im indopazifischen Einsatzgebiet stationiert ist. Die “Grünen Dämonen” wurden im Oktober 2019 reaktiviert, nachdem sie nach ihrem letzten Kampfeinsatz bei Desert Storm A-10A Warthogs in Myrtle Beach, North Carolina, geflogen waren. Die ersten F-35A trafen im April ein. Bis Ende 2021 sollen 54 Maschinen für zwei Staffeln in Eielson stationiert sein.


Distant Frontier ist eine Übung auf Einheitsebene, die es nach Eielson angereisten Staffeln ermöglicht, vor oder nach einer Teilnahme an Red Flag-Alaska im Joint Pacific Alaska Range Complex zu trainieren, scharfe Waffen abzuwerfen und gegen die F-16 Fighting Falcons der 18th Aggressor Squadron sowie gegen Boden-Luft-Bedrohungssimulatoren auf dem Boden zu kämpfen.


Northern Edge, eine alle zwei Jahre stattfindende Großübung des Pacific Command, bereitet die US-Streitkräfte auf die Reaktion auf Krisen in der indisch-asiatisch-pazifischen Region vor. Sie soll vor allem die Kooperation der Teilstreitkräfte verbessern. 2019 waren rund 10 000 Soldaten beteiligt.


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