Dieser Tage will Russlands Luftwaffe ihre erste Suchoi Su-57 aus der Serienfertigung übernehmen – fast elf Jahre nach dem Erstflug des neuen Top-Fighters. Indessen arbeitet Suchoi bereits an weiteren Varianten der Su-57. Auch ein Doppelsitzer ist im Gespräch.

Eigentlich wollten sie in Russland – wie so oft – schon etwas weiter sein: Bereits Ende 2019, so der Plan, hätten Russlands Luft- und Weltraumstreitkräfte das erste Serienexemplar des Stealth Fighters Su-57 übernehmen sollen. Doch der Absturz des Flugzeugs bei einem Testflug an Heiligabend ließ diese Pläne platzen. Ein Jahr später erfolgt nun Versuch Nummer zwei: Noch bevor 2020 zu Ende geht, soll die Su-57 mit der Seriennummer 51002 ihre Erprobung abschließen und an die Luftwaffe übergehen. Bis Ende 2024, so meldet die Nachrichtenangentur TASS, sollen 21 weitere Serienflugzeuge folgen. Insgesamt hat Russland 76 Su-57 bestellt. Deren Auslieferung will Suchoi 2028 abschließen, wobei 2022 die ersten Jets mit den neuen “Izdelije 30”-Triebwerken zur Truppe stoßen sollen.




Russisches Verteidigungsministerium

Serienbau der Su-57 in Komsomolsk am Amur. Die russische Luftwaffe soll bis 2028 insgesamt 76 Exemplare des Stealth-Fighters erhalten.

Eine ganze Familie

Für die Verantwortlichen des Projekts im staatlichen Hersteller-Konsortium UAC, zu dem Suchoi gehört, ist es mit den fest georderten 76 Flugzeugen jedoch längst nicht getan. Wenn es nach UAC-Chef Juri Sljusar geht, soll die Su-57 nämlich kein Einzelkind bleiben, sondern “zur Grundlage einer ganzen Flugzeugfamilie werden, so wie früher die Su-27”. Bezogen auf Russland heißt das, dass Varianten der Su-57 eines Tages die entsprechenden Pendants der Su-27-Familie in deren jeweiligen Rollen ersetzen könnten: als Trägerflugzeug (Su-33), Jagdbomber (Su-34) oder als Abfangjäger (Su-30, sowie MiG-31).




Russisches Verteidigungsministerium

Die Su-57 könnte einst eine ganze Familie von Flugzeugen begründen – so wie es die Su-27 tat. Deren markantester Ableger ist der Jagdbomber Su-34 mit Tandem-Cockpit (Foto).

Doppelsitzer “auf Wunsch des Kunden”?

Um dieser Vorstellung näher zu kommen, denkt UAC auch über die Entwicklung eines zweisitzigen Su-57-Ablegers nach. Das verriet UAC-Vorstandsmitglied Andrei Jelchaninow jüngst in einem Interview mit der Agentur Interfax. Das Erscheinungsbild der Su-57 könne “auf Wunsch des Kunden” entsprechend geändert werden, so Jelchaninow. “Wir sind in der Lage, das zu schaffen.” Dabei hat die Hersteller-Holding nicht nur die eigenen Streitkräfte, sondern verstärkt auch Käufer aus dem Ausland im Blick: Es sei möglich, “dass eine zweisitzige Version dieses Flugzeugs für den Export nachgefragt wird”, erläuterte der UAC-Mann. Das Bedürfnis nach einem Doppelsitzer werde derzeit erörtert – “sowohl von unserem Verteidigungsministerium als auch von potenziellen Kunden”.



Patrick Zwerger

Russland buhlt mit der Su-57 auch im Ausland um Kunden. UAC-Vorstandsmitglied Jelchaninow legt Wert darauf, dass es sich dabei “nicht um eine PR-Aktion” handle, sondern um ein ernsthaftes Unterfangen.

Indien könnte Zweisitzer kaufen

Welche Nationen außer Russland spezielles Interesse an einem Su-57-Doppelsitzer haben könnten, verriet Jelchaninow nicht. Allerdings sind derlei Überlegungen nicht neu: Im Rahmen des sogenannten FGFA-Programms (Fifth Generation Fighter Aircraft) umrissen Suchoi und der indische Flugzeugbauer Hindustan Aeronautics schon vor über zehn Jahren die Machbarkeit einer auf die Bedürfnisse Indiens zugeschnittenen Su-57-Version. Damals hieß der russische Kampfjet noch PAK T-50, doch Indien machte bereits damals klar, dass für die heimische Luftwaffe nur ein zweisitziger Ableger in Frage käme – analog zur Su-30MKI, einer für Indien entwickelten Su-30-Version. Zwar liegt das FGFA-Projekt seit rund zwei Jahren auf Eis, das Interesse Indiens an der Su-57 ist jedoch keineswegs erloschen. Gut möglich also, dass Andrei Jelchaninow neben Russland vor allem Indien als Markt für eine doppelsitzige Version seines Top-Fighters im Blick hat.


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