Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat heute – wie erwartet – das Grounding der Boeing 737 MAX aufgehoben. Ab sofort darf Boeings Krisenjet nach 617 Tagen Pause offiziell wieder fliegen. Hinterbliebene des Ethiopian-Absturzes vom März 2019 sehen das als verfrüht an.

Für Boeing war es die erhoffte gute Nachricht: Schon vor Tagen hatte die FAA angekündigt, sie werde aller Voraussicht nach am 18. November grünes Licht für die Rückkehr der 737 MAX in den aktiven Dienst erteilen. Nun hat die Behörde tatsächlich ihren Segen gegeben und das Startverbot für Boeings Krisenjet aufgehoben. Von der FAA aus darf die 737 MAX, ausdrücklich benannt sind die bereits zugelassenen Varianten MAX-8 und MAX-9, wieder Passagiere beförden – vorausgesetzt, die Maschinen werden zuvor mit der neuen Software-Version für das Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) bespielt. Die Fehlfunktion jenes MCAS hatte im November 2018 und im März 2019 zwei Abstürze mit insgesamt 346 Todesopfern herbeigeführt.



U.S. Grounds All Boeing 737 MAX Aircraft After Viewing New Satellite Data


Joe Raedle / Staff – via Getty Images

US-Betreiber wie American Airlines dürfen ihre 737 MAX schon bald wieder einsetzen. Für einen MAX-Betrieb in Europas Luftraum muss zunächst die EASA nachziehen.

Unverständins bei Hinterbliebenen

Während bei Boeing in Seattle kollektives Aufatmen herrscht, weil der einstige Brot-und-Butter-Jet nach rund 20 Monaten Flugpause endlich wieder im Geschäft ist, stößt die Entscheidung der FAA nicht überall auf Verständnis. Hinterbliebene der Opfer von Ethiopian-Flug 302, dessen Absturz am 10. März 2019 zum weltweiten Grounding der 737 MAX führte, halten die Freigabe für verfrüht. „Wie kann man ein Flugzeug wieder in Betrieb nehmen, wenn noch kein endgültiger Absturzbericht veröffentlicht wurde?“, zitiert das Business Journal einen Anwalt der Hinterbliebenen. Seinen Klienten könne er das kaum vermitteln. Michael Stumo, Vater eines Absturzopfers, schlägt in dieselbe Kerbe: „Sie sagen, ‚vertrauen Sie uns‘, genau wie zuvor“, sagte Stumo. Gleichzeitig würden die Angehörigen nicht erfahren, warum die FAA glaube, dass die MAX nun wieder sicher sei: „Sie treffen sich nicht mit uns, sie treffen sich nur untereinander. Und wir können diesem Flugzeug nicht vertrauen. „



FAA-Administrator Steve Dickson hat sich am 30. September 2020 persönlich ans Steuer einer modifzierten Boeing 737 MAX 7 gesetzt.


FAA

FAA-Chef Dickson auf dem Pilotensitz der 737 MAX-7, die als Testflugzeug für die Software-Anpassungen herhalten musste.

„In beispiellosem Maße transparent“

Derlei Ansichten stoßen bei der FAA nur auf bedingtes Verständis. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg betonte die Behörde, der Wiederzulassungsprozess der 737 MAX sei „in beispiellosem Maße transparent“ gewesen. In der Tat informierten sowohl die FAA als auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA und das kanadische Pendant Transport Canada regelmäßig über Art und Umfang des Testprogramms. Zudem ist die Wiederinbetriebnahme des Flugzeugs an weitere Bedingungen geknüpft. Beispielsweise schreibt die FAA neben der Installation der neuen Software auch eine verbesserte Pilotenausbildung vor. Bis die nun erfolgte Freigabe also Früchte trägt und die 737 MAX tatsächlich wieder am Luftverkehr teilnimmt, dürfte noch einige Zeit ins Land streichen. Dem Vernehmen nach will Kanada überdies veränderte Forderungen für die Freigabe stellen.


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