Treffen sich zwei Kriegsveteranen und ein Viehzüchter in Australien… Was klingt wie der Beginn eines billigen Witzes, legte vor genau 100 Jahren den Grundstein für die Fluglinie „Queensland and Northern Territory Aerial Services“ – abgekürzt: Qantas.

Im Outback-Örtchen Winton im Bundesstaat Queensland liegt die Wiege von Australiens ziviler Luftfahrt. Hier hoben Hudson Fysh, Paul McGinness und Fergus McMaster am 16. November 1920 aus der Taufe, was in den Folgejahren zur nationalen Airline des Landes emporwachsen sollte. Fysh und McGinness hatten im Ersten Weltkrieg im australischen Fliegerkorps gedient und an der Seite der Alliierten gekämpft. Gemeinsam mit dem örtlichen Viehzüchter McMaster erklärten sie mit der Gründung von „Queensland and Northern Territory Aerial Services“ nun einem neuen Gegner den Krieg: Qantas, so das Akronym der neuen Airline, sollte Australien dabei helfen, „die Tyrannei der Distanz“ auf dem Luftweg zu überwinden.


Erste Jahre als Outback-Airline

Das riesige, dünn besiedelte Land, tat sich schwer mit seinem wirtschaftlichen Aufstieg. Die Wege waren weit, viele Outback-Orte mehr oder weniger vom Rest des Landes abgeschnitten, Reisen auf dem Landweg lang und beschwerlich. Dazu hatte Australien 1920 auch noch mit den Ausläufern der Spanischen Grippe zu kämpfen, die insgesamt rund 15.000 Bürger das Leben kostete. Dass die neu gegründete Airline vor diesem Hintergrund Erfolg haben könnte, davon waren noch nicht einmal ihre Väter überzeugt: Sie verstanden ihre Investitionen eher als Spende – ohne große Erwartung, was daraus einmal werden würde.



In zwölf Tagen um die halbe Welt

Doch das Schicksal erwies sich als gnädig: Anfang 1921 nahm Qantas mit einem beim Militär aussortierten Avro 504K-Doppeldecker den Flugbetrieb auf. In der Anfangszeit flog der Carrier vor allem Post und Luftfracht zwischen Outback-Städten hin und her. Knapp zwei Jahre nach der Gründung, am 2. November 1922, konnte Qantas schließlich den ersten Passagier auf der neu eingerichteten Route zwischen Charleville und Cloncurry begrüßen. Ab 1926 baute Qantas den Doppeldecker de Havilland DH.50 in Lizenz, der Platz für vier Fluggäste bot. Erstes Ziel im Ausland war 1929 Singapur, 1935 flog Qantas schließlich zum ersten Mal interkontinental: Mit einer de Havilland DH.86 Express ging es in zwölf Tagen über eine Strecke von 20.525 Kilometern von Brisbane nach London. Die „Kangaroo-Route“ war geboren. Sie trägt im Qantas-Flugplan bis heute die Flugnummer QF1.



Boeing

Die Boeing 707 war Qantas‘ erster Jet-Airliner. Die Spezialversion 707-138 besaß eine fünfte Aufhängeposition unter dem linken Flügel. Qantas nutzte sie unter anderem zum Transport von Ersatztriebwerken.

Mit der 707 ins Jet-Zeitalter

In den 40er Jahren wurde Qantas verstaatlicht, fungierte fortan als nationale Airline Australiens. Die Airline expandierte rasch, modernisierte ihr Fluggerät und stieg im Sommer 1959 mit der Boeing 707 ins Jet-Zeitalter ein. Damit war sie die erste Fluglinie außerhalb der USA, die den Boeing-Vierstrahler einsetzte – mit der 707-138 nutzte Qantas sogar eine exklusiv entwickelte Sonderversion mit kürzerem Rumpf, größerer Reichweite und der Option, unter dem Flügel ein fünftes Triebwerk als Ersatz zu transportieren. Später lieferte Boeing auch die 747 nach „Down Under“, die in zahlreichen Varianten bis ins Jahr 2020 in der Flotte blieb und für Qantas zum Langstrecken-Flaggschiff wurde.



Wenig Grund für große Feiern

Dieses Jahr 2020, das 100. in der Geschichte von Qantas, lief bekanntlich völlig anders als ursprünglich geplant. Abermals wird die Welt von einer Pandemie geplagt, weniger tödlich zwar als einst die Spanische Grippe, aber doch mit beträchtlichen Verwerfungen, auch für Qantas. Von den 113 Flugzeugen der Airline steht fast die Hälfte am Boden, 6.000 Arbeitsstellen fielen dem Sparkurs zum Opfer. Gefeiert wird der 100. Geburtstag daher nur im kleinen Rahmen. 100 Mitarbeiter hatten die Ehre, eine speziell lackierte Boeing 787 für einen Sonderflug zu betreten. Ansonsten bietet die Gegenwart wenig Anlass, die Korken knallen zu lassen. Doch die Geschichte von Qantas zeigt: Diese Airline hat schon andere Krisen überstanden.


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