Auf der ganzen Welt befinden sich vierstrahlige Airliner auf dem Rückzug. Auch die A340, einst die Langstreckenkönigin bei Airbus, verschwindet zunehmend vom Himmel. Nicht so in Venezuela: Dort rekrutiert Flag Carrier Conviasa sogar neue Piloten für die A340.

Selbst unter den ohnehin rar gesähten A340-Betreibern sticht Venezuelas nationale Fluggesellschaft noch heraus: Immerhin betreibt Conviasa mit der als YV1004 registrierten Maschine die letzte kommerziell eingesetzte A340-200 der Welt. Alle anderen überlebenden Exemplare dieser Ur-Version der A340, acht sind es insgesamt, fliegen als Regierungsmaschinen im Staatsauftrag. Eine Ausnahme ist die A340-200 der saudischen Sky Prime – doch selbst diese Maschine, zum VIP-Jet umgebaut, erledigt allenfalls Charterdienste.



Erst Teheran und Moskau – dann China, Italien und Portugal

Conviasa dagegen fliegt mit ihrer A340-200 fleißig Langstrecke. In jüngster Vergangenheit war die YV1004 regelmäßig zwischen Venezuelas Hauptstadt Caracas und Teheran unterwegs. Unterwegs stoppte die Maschine jeweils zum Auftanken in Belgrad. Zwar transportierte Conviasa auf diesen Flügen bislang nur Fracht, und auch sonst war die A340-200 in letzter Zeit vor allem für Corona-Hilfs- und Rückholflüge unterwegs. Wenn es nach dem Willen von Conviasa-Chef Ramón Velázquez geht, soll sich das aber bald ändern: Schon ab Dezember, so Velázquez, wolle man regelmäßige Passagierdienste von Caracas nach Teheran und Moskau anbieten. Im weiteren Verlauf seien auch Flüge nach China, Italien und Portugal geplant.


„Neue“ A340 für Conviasa

Um diese Pläne in die Tat umzusetzen, muss Conviasa ihre Langstreckenflotte aufrüsten. Zur YV1004, die erst im Januar reaktiviert wurde, gesellt sich deshalb seit Juli die A340-300 mit dem Kennzeichen YV643T, die zuvor für Avior Airlines flog. Eine zweite A340-300 soll Ende November ebenfalls zur Flotte stoßen. Zudem verkündete Ramón Velázquez, seine Airline werde zeitnah bis zu drei A340-500 beschaffen. Wo genau Velázquez diese Flugzeuge herbekommen möchte, ist bislang unklar. Von der A340-500, bei ihrem Erscheinen im Jahr 2002 das reichweitenstärkste Verkehrsflugzeug der Welt, wurden nur wenige Exemplare gebaut. Acht davon fliegen noch für Regierungen, manche wurden verschrottet, einige parken seit Jahren eingelagert in aller Welt. Damit allerdings hat Conviasa schon Erfahrung: Die YV1004 war von 2015 bis Mitte 2019 ebenfalls in Caracas geparkt, wurde dann nach Teheran überführt und stand dort weitere sechs Monate, bis sie im Januar wieder einsatzfähig war.



A340-Piloten dringend gesucht!

Für eine Flotte von bis zu sechs A340 bräuchte es natürlich auch eine entsprechende Anzahl von Piloten. Die sucht Conviasa aktuell per Bewerbungsformular auf ihrer Webseite. Auch ein Image-Video zum Thema soll geeignete Bewerber ansprechen, die „Teil dieses Traums“ sein möchten, wie es dort heißt. Was letztlich aus den großen Plänen der Staatsairline wird, bleibt abzuwarten. Nach jahrelangem Stillstand in Venezuela, was den internationalen Luftverkehr angeht, scheint bei Conviasa immerhin frischer Wind einzukehren – wenn auch mit angestaubtem Fluggerät.


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