Mit der J 29 Tunnan hatte Saab am 1. September 1948 sein erstes strahlgetriebenes Kampfflugzeug in die Luft gebracht. Zur damaligen Zeit überschlugen sich die Entwicklungen, und so gaben die schwedischen Luftstreitkräfte schon im Oktober 1949 – noch bevor die „Tonne“ im Truppendienst stand – Studien für einen überschallfähigen Jäger in Auftrag. Er sollte in der Lage sein, mit Mach 1 anfliegende Bomber in Höhen bis 18 000 Metern abzufangen und dabei weiterhin von kleinen Plätzen aus fliegen sowie von Wehrpflichtigen einfach gewartet werden.


Erste Konzepte

Unter der Leitung von Erik Bratt arbeitete die Entwurfsabteilung von Saab in Linköping daraufhin erste Konzepte aus, was gar nicht so einfach war, denn internationale Vergleichsmöglichkeiten waren rar. Neben einem Entwurf mit Pfeilflügel (Projekt 1220) konzentrierte man sich bald auf eine Deltaflügelkonstruktion (Projekt 1250). Um die kurzen Start- und Landestrecken zu erreichen, bot dabei eine Doppeldelta-Auslegung das beste Potenzial. Der stark gepfeilte Innenflügel lieferte trotz großer Dicke bei Überschallgeschwindigkeit den geringsten Widerstand, während der schwächer gepfeilte Außenflügel die Flugeigenschaften im Unterschallbereich verbesserte, vor allem die Stabilität im Langsamflug.


Verkleinertes Versuchsflugzeug

Um die vielversprechenden Berechnungs- und Windkanalergebnisse abzusichern, beschloss man zunächst den Bau eines maßstäblich verkleinerten Versuchsflugzeugs (70 Prozent). Die Konstruktion dieser kleinen, als Saab 210 bezeichneten Maschine, die lediglich zur Erprobung der Flugeigenschaften des Doppeldeltaflügels im UnterschalIbereich vorgesehen war, begann im Mai 1950. Ihren Jungfernflug absolvierte sie am 21. Januar 1952 mit Bengt R. Olow im Cockpit. Die nachfolgende Erprobung übertraf alle Erwartungen. Bei 887 Flügen war die „Lilldraken“ 286 Stunden in der Luft, wobei verschiedene Änderungen zum Beispiel hinsichtlich der Lufteinläufe und der Waffenstationen durchgeführt wurden.



Saab 210 Lilldraken - Experimental aircraft


Saab

Das aerodynamische Konzept der Draken wurde mit dem kleinen Testträger Saab 210 überprüft.

Drei Prototypen

Im April 1952 erhielt Saab den Auftrag zur Fertigung von drei Prototypen des von der Flygvapnet mit J 35 bezeichneten neuen Musters. Hinzu kamen später noch drei Vorserienflugzeuge sowie ein komplett ausgerüstetes Rumpfvorderteil der zweisitzigen Trainerversion. Als Triebwerk wurde das Rolls-Royce Avon gewählt, das Svenska Flygmotor in Lizenz baute und weiterentwickelte.


Saab-35-Prototypen

Während die Saab 210 ihre Erprobung absolvierte, entstanden die Saab-35-Prototypen. Bengt R. Olow führte am 25. Oktober 1955 den Erstflug in Linköping durch. Drei Monate später, am 26. Januar 1956, erreichte die Draken erstmals Überschallgeschwindigkeit. Das RM6B-Triebwerk war dabei noch nicht mit einem Nachbrenner bestückt. Im März und September 1956 folgten die nächsten Versuchsmuster.


Serie mit PS-02-Radar

Die systematische Flugerprobung brachte bessere Ergebnisse als erwartet. Dazu gehörten nicht nur sehr kurze Start- und Landerollstrecken, sondern auch geringere Luftwiderstände im Unter- und Überschallbereich. So vergaben die schwedischen Militärs im August 1956 den ersten Serienauftrag. Ab 1956 wurden auch die drei Vorserienflugzeuge getestet, die einen von Svenska Flygmotor entwickelten Nachbrenner (EBK 65) eingebaut hatten.



Saab

Ein Blick ins frühe Draken-Cockpit mit dem großen Radardisplay in der Mitte und Vertikalskalen daneben.

Gute Wartungsmöglichkeiten

Bei der Aufteilung des Flugzeugs in Baugruppen legte man bei Saab besonderen Wert auf gute Wartungsmöglichkeiten. Der um 80 Grad gepfeilte Innenflügel bildet mit dem Rumpf eine Baugruppe. Er nimmt nicht nur das Fahrwerk und die Hauptkraftstoffbehälter, sondern auch die Bordkanonen mit ihrer Munition auf. Die um 60 Grad gepfeilten Außenflügel werden mit Bolzen angeschlossen.


Weiterentwickelter Nachbrenner

Die erste Serienversion J 35A erhielt das PS-02-Radar von Ericsson und war mit vier IR-Lenkflugkörpern RB 24 (Sidewinder) bewaffnet. Im Laufe der Fertigung wurde ein weiterentwickelter Nachbrenner (EBK 66) eingeführt, der den Schub auf 66,7 kN brachte. Allerdings war er auch länger. Dies war einerseits aerodynamisch günstiger, andererseits mussten kleine Spornräder installiert werden, um das Heck bei hohen Anstellwinkeln vor Bodenberührung zu schützen.



Saab

Als erster Verband wurde ab März 1960 das Geschwader F 13 in Norrköping mit der J 35A ausgestattet.

Geschwader F 16 in Uppsala

Am 8. März 1960 übernahm die auf dem Flugplatz Bråvalla/Norrköping stationierte Flygflottilj 13 (F 13) die ersten Maschinen. Ihre Umrüstung von der J 29 auf die neue J 35A konnte ein Jahr später abgeschlossen werden. Danach war das Geschwader F 16 in Uppsala an der Reihe. Insgesamt wurden 90 J 35A gebaut.


Doppelsitzer als Umbau

Schnell folgte die J 35B, deren erste Maschine am 29. November 1959 flog. Sie unterschied sich vor allem durch die Verwendung des von Saab entwickelten Feuerleitsystems S7 von der J 35A. Mit diesem war auch der Angriff auf schnelle Gegner im Kollisionskurs möglich. Dazu kam die Integration in das Flugabwehrsystem STRIL 60 mittels Datenlink. 1962 erhielt das Geschwader F 16 in Uppsala die ersten J 35B und ein Jahr später rüstete auch die F 18 in Tullinge/Stockholm auf die neue Draken um, gefolgt vom F 10 in Ängelholm.


Unbewaffnete Doppelsitzer

Als dritte Version der Draken entstand 1959 der unbewaffnete Doppelsitzer Sk 35C, und zwar nur in geringen Stückzahlen als Umbauten aus den ersten J 35A mit Normalheck. Am 30. Dezember 1959 flog der erste Draken-Trainer, und die F 16 Uppsala übernahm 1960/61 alle Maschinen für das Besatzungstraining.



Saab

Die J 35D hatte mehr Waffenstationen und ein stärkeres Triebwerk. Der Trainer Sk 35C.

Mach 2.0 im Horizontalflug

Nächster Entwicklungsschritt war die J 35D mit dem schubstärkeren RM6C-Triebwerk (Nachbrennermodell 67), das 76,49 kN leistete. Damit waren nun auch Höchstgeschwindigkeiten von über Mach 2.0 im Horizontalflug möglich. Vor allem lag die Steigrate nun bei 250 m/s. Wegen dieses Triebwerks mussten allerdings die Lufteinläufe geringfügig geändert werden.


Modifizierte Maschine der A-Version

Am 27. Dezember 1960 flog eine entsprechend modifizierte Maschine der A-Version als Prototyp der J 35D erstmals. Bis Anfang 1964 rüstete die Flygflottilj 13 in Norrköping von der J 35A auf die neue Draken-Version um. Als zweite Staffel erhielt die in Ängelholm stationierte F 10 noch 1964 ebenfalls die J 35D. Zu den Hauptaufgaben dieser Draken-Version, die auch bei der F 4 in Frösön/Östersund und der F 21 in Kallax/Luleå im Truppendienst stand, gehörte in erster Linie die Allwetterabfangjagd.


Falcon-Raketen

1960/61 wurde aus der J 35D ein taktischer Aufklärer mit der Bezeichnung S 35E abgeleitet. Er unterschied sich äußerlich durch eine neue Rumpfspitze, die zur Aufnahme der Kameraausrüstung entsprechend gestaltet war. Fünf französische Omera-Kameras waren unter der nach vorn schiebbaren und mit Fenstern versehenen Rumpfspitze in einem Gerüst eingebaut. Hinzu kamen im Innenflügel statt der beiden 30-mm-Kanonen noch zwei weitere Kameras. Zwei Staffeln erhielten den Draken-Aufklärer – die F 11 in Skavsta/Nyköping und die F 21 in Kallax.


Weiterentwickelte Hughes Falcon

1965 kam der Abfangjäger J 35F heraus, der neue Systeme und vor allem neue Lenkwaffen erhielt. Bei diesen mit RB 27 und RB 28 bezeichneten Raketen handelte es sich um von Saab weiterentwickelte Hughes Falcon mit halbaktivem Radarzielsuchkopf (RB.27) und Infrarotzielsuchkopf (RB.28).Äußerlich war die nur mit einer 30-mm-Kanone bewaffneten J 35F am Infrarotdetektor unterhalb des Rumpfvorderteils erkennbar. Bis 1972 wurden 230 J 35F gebaut und mit ihnen zahlreiche Geschwader ausgerüstet, beginnend mit dem F 13 in Norrköping.



Saab

Besonders für den Export wurde die Waffenpalette der Draken erweitert und die Zuladung erhöht.

Moderne Mehrzweckkampfflugzeuge

Obwohl im Februar 1967 bereits die Saab 37 Viggen geflogen war, arbeitete Saab an weiteren Draken-Varianten wie der S 35X, die mit einer höheren Zuladung und vielseitigerer Bewaffnung auf den Export zielte. Ihr Aktionsradius für einen Hi-lo-hi-Einsatz mit zwei 450-kg-Bomben und zwei abwerfbaren 1275-l-Zusatztanks lag bei 1000 km, während die Überführungsreichweite 3250km betrug. Anfang 1968 traten die Untersuchungen der dänischen Luftstreitkräfte hinsichtlich der Beschaffung eines modernen Mehrzweckkampfflugzeugs in ihre Endphase. Man entschied sich für Saab und gab insgesamt 51 Maschinen der 35XD in Auftrag – zwanzig Jagdbomber F-35, zwanzig Jagdaufklärer RF-35 und elf Kampftrainer TF-35. Die F-35 ist mit zwei 30-mm-Kanonen bewaffnet und kann bis zu 4080 kg Kampfmittel mitführen. Im Gegensatz zum schwedischen Aufklärer S 35E ist die RF-35 mit zwei Kanonen bewaffnet.


24 Draken für Österreich

Am 29. Januar 1970 startete die erste für Dänemark bestimmte F-35 in Linköping zu ihrem Erstflug. Im September 1970 begann die Auslieferung. Als erste Einheit rüstete die in Karup stationierte No. 725 Eskadrille auf die neue Maschine um, die bis 1993 im Dienst blieb.


35XS Draken


Saab

Finnland kaufte sowohl neu gebaute J 35S als auch gebrauchte J 35A wie diese Maschine.

Finnische Luftstreitkräfte

Im Juni 1970 beschlossen auch die finnischen Luftstreitkräfte die Beschaffung der Draken. Die mit J 35XS (S = Suomi) bezeichnete Version entspricht bis auf eine abgeänderte Avionik und allgemeine Ausrüstung weitgehend der J 35F. Zwölf „finnische“ Draken wurden ab 1974 bei der in Halli ansässigen Firma Valmet OY endmontiert. Zuvor hatte man sieben J 35B gemietet, später kamen noch 24 aufgearbeitete J 35F und fünf Sk 35C dazu. Die insgesamt 48 Flugzeuge umfassende Flotte flog bis August 2000.


Schwedische Luftstreitkräfte

Derweil hatten die schwedischen Luftstreitkräfte ab 1987 einen Teil ihrer J 35F auf den J 35J-Standard gebracht. Dabei wurde die Zelle verstärkt, um bis zu 4080 kg Außenlasten tragen zu können. Ein verbessertes RM 6C liefert 76,8 kN Schub. Die J 35J dienten der Flygvapnet noch bis Dezember 1998.



Bundesheer

Abschiedslackierung der Draken bei den österreichischen Luftstreitkräften im Dezember 2005.

Draken-Nutzer

Somit blieben nur noch die österreichischen Luftstreitkräfte als Draken-Nutzer. Das Land hatte am 21. Mai 1985 einen Kaufvertrag für 24 gebrauchte J 35D unterschrieben (Restlebensdauer mindestens zehn Jahre und 1000 Stunden) und dabei Gegengeschäfte im Umfang von mindestens 130 Prozent des Auftragswerts ausgehandelt. Die offizielle Übergabe der ersten Maschine erfolgte am 25. Juni 1987. Der Flugbetrieb in Graz-Thalerhof wurde im Juni 1988 aufgenommen.


245 Alarmstarts

Bis zum letzten Flug am 22. Dezember 2005 durch Oberstleutnant Kowatsch absolvierten die Draken in der Alpenrepublik 27518 Flüge mit 23600 Flugstunden ohne Unfall. 245 Alarmstarts absolvierte der „Drachen“, dessen Militärzeit 50 Jahre nach dem Erstflug endgültig abgelaufen war. Bei der zivilen National Test Pilot School (NTPS) im kalifornischen Mojave flogen sechs ehemalige dänische Maschinen aber noch bis 2009.


Saab 35 Draken Produktion

Saab 35-Prototypen: 3
J 35A und Vorserie:
65
J 35B:
73
Sk 35C:
25
J 35D:
120
S 35E:
32
J 35F:
230
F-35:
20
RF-35:
20
TF-35:
11
J 35XS:
12
Summe:
611


Technische Daten

Saab J 35B Draken


Hersteller: Saab
Typ: Jagdflugzeug
Antrieb: Svenska Flygmotor RM 6B
Leistung:
66,7 kN
Länge:
15,34 m
Höhe:
3,89 m
Spannweite:
9,42 m
Flügelfläche:
49,2 m2
max. Startmasse:
9000 kg
Höchstgeschwindigkeit:
Mach 1.8
Marschgeschwindigkeit:
Mach 0.9
Dienstgipfelhöhe:
15000 m
Steigrate:
250 m/s
Reichweite:
2750 km
Bewaffnung:
zwei 30-mm-Kanonen, vier RB 24 Luft-Luft-Lenkwaffen, Raketenbehälter


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