Erst durfte sie nicht, dann aber doch: Mit der D-ABVP hat die erste von sechs in Enschede abgestellten Boeing 747 der Lufthansa ihren Parkplatz verlassen und ist in die USA geflogen. Eine gute Nachricht für das Flugzeug ist das nicht. Dort wartet die Schlachtbank.

Fast 24 Jahre ist sie alt. Angegraut zwar, aber doch noch rüstig, gut in Schuss und eigentlich noch nicht am Ende. Dennoch blickt die 747-400 der Lufthansa mit dem Kennzeichen D-ABVP nun genau diesem entgegen. Und sie wird ihm nicht entkommen: Ihr ganzes Flugzeugleben lang trug sie am Heck stolz den Kranich durch die Welt. Zuletzt aber fiel sie ihrem Dienstherrn, der wie die ganze Branche in der größten Krise seiner Geschichte steckt, nur noch zur Last, wurde aussortiert, abgestellt – und schließlich verkauft. An einen Schlachter in den USA. GE Aviation Materials. Die machen kurzen Prozess: „Victor-Papa“ wird als Organspenderin enden.



Über Frankfurt und Bangor zum Friedhof

Gleich fünf 747-400 hat GE Aviation Materials von Lufthansa abgekauft. Alle sollen in den USA zerlegt und recycelt werden. Die D-ABVP ist nun die erste, die dieses Schicksal ereilt. Am Dienstag, dem 3. November, verließ sie mit Sondergenehmigung den Flughafen Twente in Enschede, wo sie seit Mai geparkt war und fast nicht wieder hätte starten dürfen. Besuchte ein letztes Mal ihre alte Heimat Frankfurt. Und verabschiedete sich schließlich gen Westen über den Großen Teich. Dort erreichte sie, nach einem Zwischenstopp beim Zoll in Bangor (Maine), schließlich am 5. November ihre „final destination“, den Mojave Air & Space Port in der gleichnamigen Wüste. Während die Crew der Maschine über Los Angeles per Linienflug nach Deutschland zurückreist, wartet die „Victor-Papa“ nun auf ihren Schlachter. Mindestens vier ihrer Schwestern werden ihr bald folgen.



Von Tegel bis Christchurch

Die D-ABVP ist damit der erste Lufthansa-Jumbo, der im Zuge der Corona-Krise früher als geplant auf dem Schrottplatz landet, weil für den Weiterbetrieb anstehende Checks storniert wurden. Dabei sorgte Corona noch im Frühjahr für ein echtes Highlight im Logbuch der Maschine: Anfang April landete die „Victor-Papa“ in Christchurch, Neuseeland, um dort festsitzende deutsche Urlauber in die Heimat zu fliegen. Am anderen Ende der Streckenskala stehen dagegen die Inlandsflüge zwischen Frankfurt und Berlin-Tegel, auf denen die Lufthansa nach der Air Berlin-Pleite im Spätherbst 2017 zeitweise die 747 einsetzte. Auch hier kam die „Victor-Papa“, die bis 2015 den Namen der Stadt Bremen trug, mehrfach zum Zuge.


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