Die fetten Jahre der Luftfahrt und ein Börsenumfeld, das Wachstum per se als Erfolg honorierte, haben Boeing zu einem gigantischen Unternehmen anschwellen lassen. Dass der Airbus-Rivale in gewohnter Form fortbesteht, wird jedoch zunehmend unwahrscheinlicher.

Knapp 20 Prozent der Boeing-Beschäftigten müssen das Unternehmen verlassen – fast doppelt so viele wie bisher von der Chefetage kommuniziert. Immerhin: eine Kriegskasse von 25 Milliarden US-Dollar, die Boeing dank Anleiheverkäufen aufbauen konnte, soll das Unternehmen vor dem Schlimmsten bewahren. Doch dem stehen 55 Millionen US-Dollar gegenüber, die der Flugzeugbauer im dritten Quartal laut „Seattle Times“ täglich verloren hat. Ein Ende dieses Kapitalabflusses ist nicht in Sicht. Denn ebenso wie andere Hersteller sieht sich Boeing mit der Ungewissheit konfrontiert, wann seine Kunden wieder in der Lage sein werden, in großem Stil Flugzeuge abzunehmen.


Das MAX-Dilemma

Dazu kommt ein dreifaches Dilemma um die 737 MAX: zum einen muss Boeing wegen des Groundings und der Verzögerungen Schadensersatz in Milliardenhöhe an Airlines leisten. Zum anderen nutzen findige Airline-Chefs die Situation, um dem Flugzeugbauer noch einmal saftige Rabatte bei der 737 MAX abzuringen. Und schließlich bleibt auch das zukünftige Interesse der Airlines an dem Flieger abzuwarten – nicht nur wegen ihrer eigenen wirtschaftlichen Lage, sondern auch aus der Frage heraus, wie Passagiere auf den Einsatz des durch zwei Abstürze gebrandmarkten Flugzeuges reagieren werden.



Zurück zum Wesentlichen

Das Boeing-Management hat in den Jahren unter Dennis Muilenburg den Profit und das Wachstum des Unternehmens über die Expertise und Gewissenhaftigkeit der Ingenieure gestellt – mit fatalen Folgen. Schon deswegen musste es dem neuen Chef Dave Calhoun darum gehen, den Kern dessen, was Boeing einst ausmachte, wiederzubeleben und das Unternehmen mit einer neuen Struktur und Gestalt aus der 737-MAX-Malaise zu führen.


Too big to fail?

Die Coronakrise zerrt nun zusätzlich an der Gestalt des Flugzeugbauers und wird ihn kleiner zurücklassen. Beobachter halten es sogar für möglich, dass er nicht ohne eine Beteiligung des Staates aus seinem Dilemma herauskommt. Denn sowohl als Arbeitgeber als auch als strategisches Unternehmen ist er zu wichtig, um ihn einfach fallen zu lassen. Die Europäische Union würde das mit ihrem Wettbewerber Airbus nicht tun, das luftfahrttechnisch zunehmend ambitionierte China schon gar nicht.




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