Die Vereinigten Arabischen Emirate werden wohl bald bis zu 50 Lockheed Martin F-35 erhalten. Das sorgt für Gesprächsstoff um die Vormachtstellung Israels in Nahost. Die Israelis wollen die Gunst der Stunde nutzen – und buhlen bei den USA um die F-22 Raptor.

Seit Ende des Jom-Kippur-Krieges 1973 gibt es in den USA ein Gesetz. Dieses besagt, dass die USA Israel in Rüstungsfragen stets einen technologischen Vorsprung gegenüber seinen arabischen Nachbarn garantieren. Unter anderem aus diesem Grund war auch ein Verkauf des modernsten US-amerikanischen Kampfjets, der Lockheed Martin F-35, an Nationen der arabischen Welt bislang kein Thema.


Israel gibt grünes Licht

Mit der gegenseitigen Annäherung Israels und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und dem vor gut zwei Wochen beschlossenen Friedensabkommen beginnen sich die Dinge jedoch zu wandeln. Vor Kurzem hatte Israels Regierung angekündigt, sich nicht querzustellen, wenn die USA sich entscheiden, die F-35, die bei den Israelis seit Ende 2016 im Einsatz steht, auch an die VAE zu liefern. Nun informierte das Weiße Haus den US-Kongress darüber, dass es dem Verkauf von 50 F-35 an die Emirate zustimmt. Die Jets hatte Jared Kushner, Berater und Schwiegersohn von US-Präsident Trump, den Arabern bereits vor einiger Zeit in Aussicht gestellt, wenn sich ihre Beziehung zu Israel normalisiert.



Politiker: „nichts überstürzen!“

Im Kongress stieß die Ankündigung nicht nur auf Zustimmung. Eliot Engel, demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, verlieh seiner Furcht Ausdruck, ein solcher Deal könne das „militärische Gleichgewicht im Golf erheblich verändern und Israels militärischen Vorsprung beeinflussen.“ Engel mahnte dazu, nichts zu überstürzen. „Der Export dieses Flugzeugs bedarf sorgfältiger Überlegungen“, so der Politiker. Der Kongress müsse daher zunächst alle damit verbundenen Auswirkungen untersuchen.




Israel Defense Forces (A. Agronov)

F-35I „Adir“ der israelischen Luftwaffe: Erhalten die VAE eine abgespeckte F-35-Version?

„F-35 light“ für die Emirate?

Verläuft diese Untersuchung negativ, könnte der Kongress das 10,4 Milliarden US-Dollar schwere Geschäft blockieren. Aus Regierungskreisen war jedoch bereits zu vernehmen, dass die USA auch in Zukunft eine militärische Übermacht Israels gegenüber seinen Nachbarn garantieren wollen. „US-Beamte haben gesagt, dass sie diese Zusicherung unabhängig von F-35-Verkäufen geben können, ohne öffentlich zu spezifizieren, was sie Israel anbieten wollen“, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg hierzu. Möglich wäre somit, dass die VAE eine abgespeckte F-35-Variante erhalten, die den israelischen F-35I „Adir“ – beispielsweise aufgrund schwächerer Software – nicht ganz das Wasser reichen kann.

Oder F-22 für Israel?

Möglich wäre aber auch, dass im Gegenzug die Israelis ein ganz anderes Kampfjet-Kaliber aus den USA beschaffen dürfen. Eines, das seit Jahr und Tag bislang der US Air Force vorbehalten war: die Lockheed Martin F-22 Raptor. Die Israelis schielten in der Vergangenheit immer wieder auf diesen Superfighter, blitzten beim US-Senat jedoch zuverlässig ab. Nun könnte sich auch in diesem Punkt das Blatt wenden: Die saudische Zeitung Asharq Al-Awsat schreibt, unter Bezugnahme auf „hochrangige Quellen“ in Tel Aviv, die Trump-Regierung habe dem Export von F-22 nach Israel bereits zugestimmt. Ähnliches berichtet auch die australische Website Defence Connect.



Red Flag 11-3


US Air Force

Die F-22 Raptor gilt als weltbester Kampfjet. Bislang verweigerten die USA stets jeglichen Export. Ändert sich das bald?

Serienfertigung könnte wieder anlaufen

Unklar blieb derweil, wie viele Flugzeuge Israel erhalten könnte und wo diese herkommen sollen. Schließlich wird die F-22 schon seit 2011 nicht mehr gebaut und von ihren eigenen 187 Exemplaren wird die US Air Force kaum welche abgeben. Produktionsanlagen, Werkzeuge und Videos zum Bauprozess der Raptor existieren jedoch noch. Seit Jahren gibt es zudem immer wieder Diskussionen, die Serienfertigung des Fighters wieder aufzunehmen. Völlig abwegig ist der Gedanke somit nicht, zumal er im Repräsentantenhaus bereits Fürsprecher in beiden Fraktionen gefunden hat.


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