Jahrzehntelang war die Tupolew Tu-154 das Arbeitstier unzähliger Ost-Airlines. Nun verschwindet sie endgültig aus dem Passagierbetrieb: Mit Alrosa Airlines aus dem Fernen Osten Russlands schickt auch die letzte Fluggesellschaft ihre Tu-154 aufs Abstellgleis.

Der letzte Flug ging von Mirny nach Nowosibirsk. Unzählige Male war die Tu-154M mit der Kennung RA-85757 in ihrem Flugzeugleben diese Route geflogen – im Dienste von Alrosa Airlines, der Fluggesellschaft des gleichnamigen Diamantenkonzerns, der in Mirny seine Zentrale hat. Doch als die vierköpfige Flight Crew um die Piloten Alexander Leschkewitsch und Nikolai Woroschilow am Morgen des 28. Oktober die unvergleichlich klingenden D-30-Turbofans ihres Dreistrahlers anwarf, schwang nicht nur im Cockpit jede Menge Wehmut mit. Es war der Auftakt zum finalen Flug mit ihrer geliebten „Tuschka“.



„Wir sind traurig“

Knapp 28 Jahre nach ihrem ersten Passagierflug im November 1992 flog die RA-85757 wenige Minuten später mit 141 Passagieren an Bord unweigerlich ihrem Ruhestand entgegen. Mit ihrer Landung in Nowosibirsk endete nach drei Stunden Flug zugleich eine Ära: Denn die RA-85757 war schon seit Längerem die letzte ihrer Art. Außer Alrosa flog keine Airline weltweit mehr die Tu-154 im regulären Betrieb. Für die Fernost-Fluglinie war die Ausmusterung des eleganten Dreistrahlers deshalb sehr viel mehr als ein formeller Akt: „Wir sind traurig“, hieß es aus der Unternehmenszentrale.



Anna Zvereva (CC BY-SA 2.0)

Nachfolgerin der Tu-154M bei Alrosa ist die Boeing 737-800. Auch die ersten Suchoi Superjets tragen bereits Alrosa-Farben.

Zuverlässiges Arbeitspferd

Die Tu-154 stehe für eine ganze Epoche des heimischen Flugzeugbaus, unterstreicht Alrosa in einer Stellungnahme. „Viele unserer Passagiere kennen dieses Flugzeug seit ihrer Kindheit, weil es das ganze Jahr über die rauen nördlichen Regionen mit den sonnigen Ferienorten unseres Landes verbunden hat.“ Die Tu-154M sei überdies eines der zuverlässigsten und schnellsten Flugzeuge in der Flotte gewesen. Seit Alrosa die Maschine am 24. Juni 2002 übernahm, war sie laut Fluglinie rund 27.500 Stunden in der Luft. Mehr als 160.000 Passagiere, 1.224 Tonnen Fracht und 52 Tonnen Post habe die Tupolew dabei befördert.



Erst Iran, dann Belarus, dann Alrosa

Bevor sie als RA-85757 zu Alrosa kam, hatte die Tu-154M bereits eine schillernde Karriere bei zahlreichen Fluggesellschaften im In- und Ausland hinter sich. Ausgeliefert im Herbst 1992 an Iran Air Tours, flog die „Tuschka“ in den folgenden Jahren für die russische Continental Airlines, außerdem für Gomelavia aus Belarus, Imair aus Aserbaidschan sowie für Mahan Air (Iran).




Gleb Osokin (CC BY-SA 3.0)

2019 musterte Alrosa bereits ihre letzte Tu-134 aus. Sie steht heute im Museum in Nowosibirsk.

Letzte zivile Tu-154 in Nordkorea

Wie ihr weiteres Schicksal aussehen wird, ob sie wie ihre Schwestermaschine und die bereits im Vorjahr ausgemusterte Tu-134 von Alrosa im Museum landet, verschrottet wird oder eine Militärkarriere startet, ist bislang unklar. Sicher ist nur, dass es ab sofort keine regulär buchbaren Passagierflüge mit einer Tu-154 mehr gibt. Als letzte zivil betriebene Tu-154 der Welt bleiben einzig die Tu-154B, bzw. Tu-154B-2 der Air Koryo in Nordkorea, die sich im Ausland jedoch so gut wie gar nicht zeigen und nur selten fliegen.


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