Die japanische Regierung setzt bislang auf indirekte Hilfen für All Nippon Airways. Hält die Krise bis ins nächste Jahr hinein an, wird es auch für ANA eng – und Regierungsvertreter schließen eine Verstaatlichung nicht aus.

Solange private Banken liquide sind, können sie der Airline unter die Arme greifen, lautet das Credo. Doch der worst case zeichnet sich bereits am Horizont ab: „Wenn sich die Bedingungen bis zum kommenden Frühjahr nicht verbessern, werden Airlines in eine noch misslichere Lage kommen“, zitiert die Nachrichtenagentur „Reuters“ einen Regierungsbeamten. „Dann könnte eine Verstaatlichung ANAs zu einer echten Option werden.“




Alec Wilson (CC BY-SA 2.0)

ANA erwägt offenbar, ihre Langstreckenflotte stark zusammenzustutzen.

Hohe Verluste erwartet

Das will die Regierung derzeit jedoch vermeiden. Sie versucht, der Airline indirekt über ein Programm zur Förderung des Inlandstourismus, reduzierte Flughafengebühren und die sukzessive Öffnung der Grenzen zu helfen. Gerade letztere steht aber derzeit wegen steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus insbesondere in Europa wieder in Frage. Direkte Finanzhilfen erscheinen der Regierung als ultima ratio. Zugleich erwarten Beobachter einen Nettoverlust im Geschäfsjahr bis März in Höhe von 4,8 Milliarden US-Dollar.


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Wird die Langstreckenflotte halbiert?

Unterdessen plant ANA Medienberichten zufolge, ihre Langstrecke um die Hälfte zu reduzieren. Derzeit zählt die Airline eine Kapazität von 59 Flugzeugen auf der Langstrecke und hatte im Vorfeld der für 2020 angesetzten Olympischen Spiele in Japan ihre Interkontflotte ausgebaut. Die Spiele sind nun aber auf 2021 verschoben und die Nachfrage nach Langstreckenflügen mit ANA ist teilweise bis zu 96 Prozent eingebrochen. Wie „Kyodo News“ unter Berufung auf einen Insider berichtet, plant das Management, einige Boeing 777 und andere Großraumflugzeuge an Leasinggeber zurückzugeben, sie ganz oder in Teile zerlegt zu verkaufen oder zu parken.