Ferienflieger Condor kann für die Zukunft planen: Mit dem Segen der Gläubiger darf Condor zum 1. Dezember den Schutzschirm verlassen. Somit ist der Weg zur Restrukturierung frei. Für die Suche nach einem neuen Investor will man sich Zeit lassen.

Hinter Condor liegt ein äußerst turbulentes Jahr: Erst drohte die Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook im September 2019 die profitable deutsche Tochter mit in die Tiefe zu reißen. Ein Darlehen der Staatsbank KfW über 380 Millionen Euro und ein Schutzschirmverfahren – eine spezielle Insolvenzform für sanierungsfähige Unternehmen – verhinderten dies. Dann hatte man nach langer Suche im Januar 2020 endlich einen neuen Investor gefunden – doch die polnische LOT-Mutter PGL sprang im April wieder ab, nachdem LOT wegen der hereinbrechenden Corona-Krise selbst in Schieflage geraten war. Wieder musste sich Condor in die Obhut des Staates begeben und finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen.



Nach dem Ende der Muttergesellschaft Thomas Cook war Condor auf sich allein gestellt und musste sich in ein Schutzschirmverfahren begeben.

Sparkurs und Rückholflüge

In all diesen Zeiten flog Condor, wann immer möglich, weiter. Auch an Rückholflügen für coronabedingt gestrandete deutsche Urlauber beteiligte sich der Ferienflieger, während er intern zugleich voll auf Sparkurs ging: Condor zog nach Neu-Isenburg in eine kostengünstigere Unternehmenszentrale um, Mitarbeiter akzeptierten Gehaltseinbußen, im Gegenzug erklärte die Airline, bis Ende 2021 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.



Zur Condor-Flotte zählen auch Boeing 767-300.


Condor

Condor schickte im Frühjahr mehrere Langstreckenjets auf Rückholmission für gestrandete Urlauber und flog in dieser Rolle bis nach Neuseeland.

Weg für den Neustart ist frei

Der lange Atem zahlte sich aus, denn endlich ist der Weg aus dem Schutzschirmverfahren frei: Die für heute einberufene Gläubigerversammlung stimmte dem Restrukturierungsplan von Condor zu. Ende November wird es soweit sein – definitiv, denn Rechtmsittel gegen den Entscheid können nicht eingelegt werden, wie der Carrier in einer Mitteilung unterstreicht. Condor-Chef Rald Teckentrup freut sich bereits auf den Neustart am 1. Dezember – „als gesundes Unternehmen“, wie er betont.



Condor

Die Pandemie bremst auch Condor aus. Derzeit fliegt die Airline nur rund ein Viertel ihres normalen Angebots, macht aber laut Ralf Teckentrup auf keiner Strecke Verlust.

„Wir fliegen Strecken, die sich lohnen“

Finanziell bleibt Condor vorerst weiter auf staatliche Hilfe angewiesen: Nach wie vor zehrt die Airline von dem 550-Millionen-Euro-Kredit, den sie im April von der KfW erhalten hatte. Das Streckennetz wird angesichts der globalen Lage ebenfalls überschaubar bleiben. Im Gespräch mit dem Handelsblatt legte Ralf Teckentrup jedoch Wert darauf, dass alle derzeit beflogenen Routen für Condor zumindest kostendeckend seien. Man fliege nur Strecken, „die sich lohnen“, so der Airline-Chef. Das soll möglichst so bleiben – und als Garant für einen erfolgreichen Neustart auf eigenen Beinen dienen. Einen neuen Investor hat Teckentrup nämlich bis auf Weiteres für seine Airline nicht in Sichtweite: „Es gibt keinen Zeitdruck“, betonte Teckentrup im September zum Handelsblatt. „Ich rechne in den nächsten zwölf Monaten nicht mit der Wiederaufnahme des Investorenprozesses.“


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