Einst war die VFW 614 das erste Passagierflugzeug der Bundesrepublik. Heute fliegt von den 19 gebauten Exemplaren kein einziges mehr. Eine VFW 614 erhielt in Finkenwerder nun immerhin einen neuen Anstrich – und bekommt einen Ehrenplatz auf der Museumsfläche.

Bei Airbus in Hamburg-Finkenwerder rollen nicht nur massenhaft Neuflugzeuge aus der Halle. Man weiß dort auch um die lange Tradition, die in Norddeutschlands Luftfahrtindustrie steckt. Diese Tradition wird mittels einer eigenen Museumsfläche am Leben gehalten. Dort erfreuen eine Nord Noratlas, ein HFB 320 Hansa Jet und eine Transall C-160 Mitarbeiter wie Besucher und erinnern daran, dass im Norden der Bundesrepublik seit vielen Jahrzehnten Flugzeuge gebaut werden.


Erster Passagierjet der BRD

Ein ganz besonderes Flugzeug jedoch fehlte bisher noch im Museums-Ensemble von Finkenwerder: die VFW 614, der erste Passagierjet, der in Westdeutschland entwickelt und gebaut wurde. 1971 erstmals geflogen und von 1975 bis 1977 in Serie gefertigt, blieb die VFW 614 zwar kommerziell ein Flop, legte jedoch den Grundstein für die deutsche Airbus-Beteiligung und war, wie Entwicklungschef Rolf Stüssel später feststellte, ihrer Zeit „20 Jahre voraus“. Mit dieser Vita hat sich der markante Regionaljet mit den auf den Tragflächen montierten Triebwerken seinen Ehrenplatz in Hamburg redlich verdient – auch wenn er eigentlich aus Bremen kommt.


VFW 614: Regionaljet made in Germany


Eine VFW 614 mit Sidesticks

Auszubildende des Airbus-Werks Finkenwerder machten sich deshalb im vergangenen Jahr an ein ehrgeiziges Projekt: Sie wollten die VFW 614 mit der Seriennummer G15 wieder in einen tageslichttauglichen Zustand bringen, um sie hernach auf der Museumsfläche ausstellen zu können. Der Jet hatte seit 2002 sein Dasein als Exponat auf der Besucherterrasse des Bremer Flughafens gefristet. Einst war er als F-GATI für Air Alsace unterwegs gewesen. Ende der 90er-Jahre erlebte die Maschine als D-ASAX ein Revival und wurde im Dienste der Forschung mit Fly-by-wire-Steuerung inklusive Sidesticks ausgerüstet. In dieser Funktion diente die G15 auch als Versuchsträger für die Flugsteuerung der A380. 2019 wurde sie zerlegt und in Einzelteilen nach Hamburg transportiert.



Zusammengebaut und neu lackiert

Mit fachkundiger Hilfe ehemaliger VFW-Mitarbeiter und ehrenamtlicher Unterstützer setzten die Airbus-Azubis die Maschine dort wieder zusammen, befreiten die Zelle von Korrosion und veredelten ihr Projekt schießlich mit einem neuen Farbkleid im Stil der damaligen Prototypen. Schon bald wird die VFW 614 auf ihren zugedachten Platz im Museumsbereich gerollt werden. Der ist für externe Besucher zwar nur im Rahmen einer Werksbesichtigung zugänglich. Die beteiligten Azubis jedoch werden „ihr“ Flugzeug künftig sicher öfters besuchen – und mit berechtigtem Stolz an ihr Projekt zurückdenken.