Trotz Corona will Dassault seine neue Falcon 6X pünktlich ab 2022 an die Kunden ausliefern. In Bordeaux-Mérignac wird daher mit Hochdruck an der Fertigstellung der Testflugzeuge gearbeitet. Am 8. Dezember soll das Rollout stattfinden.

„Die Falcon 6X termingerecht auf den Markt zu bringen, hat für das Unternehmen höchste Priorität“, sagt Eric Trappier, Chairman und CEO von Dassault Aviation. Deshalb hat der französische Hersteller angesichts der schwierigen Umstände seit der Ausbreitung des Coronavirus seine „Verfahren mit Sorgfalt und Einfallsreichtum an die neuen Hygienerichtlinien angepasst“, um das erste Flugzeug Anfang des nächsten Jahres in die Luft zu bringen. „Auch unsere Zulieferer haben außerordentliche Anstrengungen unternommen, um uns zu unterstützen“, lobte Trappier.


„Power-on“ im Sommer

So war es laut Dassault möglich, bis Anfang Juli das „Power-on“ der ersten Maschine durchzuführen und mit den Überprüfungen der Systeme zu beginnen. Die Endmontage hatte Anfang des Jahres begonnen, nachdem die Großbauteile im Werk Mérignac eingetroffen waren. Die Tragflächen kamen dabei aus Martignas, wo sie unter Einsatz modernster Präzisionsrobotik zusammengefügt wurden. Die bis zu zehn Meter langen Beplankungspaneele mit integrierten Versteifungen steuerte das Werk in Seclin bei Lille bei. Es verfügt über speziell für Dassault entwickelte Fräsmaschinen, die eine schnelle und effiziente Herstellung ermöglichen. Diese Fräsen fertigen auch Teile wie die massiven Rippen des Flügelmittelstücks, das praktisch als Basis für die Montage des aus drei Teilen bestehenden Rumpfs dient. Diese Arbeiten finden im Werk Biarritz statt, bevor in Argonay die Ausrüstung mit allen Kabeln und Systemen durchgeführt wird.


© Dassault Aviation - V. Almansa / © Dassault Aviation - V. Almansa


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Wegen des Coronavirus wird jetzt mit kleineren Teams gearbeitet.

Fortgeschrittenes Stadium der Montage

Neben der Nummer 1 befinden sich auch die beiden folgenden Flugzeuge in einem fortgeschrittenen Stadium der Montage, wobei die Nummer 2 jüngst ihre Tragflächen erhalten hat. Jede der drei Maschinen ist umfangreich instrumentiert und somit in der Lage, für Aerodynamik-, Leistungs- und Systemtests verwendet zu werden. Flugzeug Nr. 3 wird eine komplette Innenausstattung erhalten, um die Funktionalität der Systeme, die Akustik, die Luftströmung der Klimaanlage, den Komfort und andere Faktoren zu bewerten. Innenausstattung, Klimaanlage, Elektronik und andere Ausrüstungen werden derzeit in einem Bodenprüfstand getestet. Die Tests der elektrischen, hydraulischen und der Treibstoffsysteme sind laut Dassault in Istres abgeschlossen, und die Versuche mit dem fortschrittlichen digitalen Flugsteuerungssystem haben am Hauptsitz im Pariser Vorort Saint-Cloud begonnen. Außerdem wurden Tests einer Zelle zur Materialermüdung und Schadenstoleranz eingeleitet. Diese Zelle soll später auch den Bruchtest absolvieren.


Bodentestläufe

Derweil ist die Erprobung des PW812D-Triebwerks von Pratt & Whitney ebenfalls auf Kurs. Anfang dieses Jahres wurde eine erste Flugerprobungskampagne an einer Boeing 747SP von Pratt & Whitney Canada abgeschlossen, eine zweite Serie von Flugtests erfolgte im Sommer. Bis Anfang Juli hatte das PW812D über 200 Stunden in der Luft verbracht und mehr als 1600 Stunden an Bodentestläufen absolviert. Es hat auch erste Zulassungstests erfolgreich hinter sich gebracht, darunter das Verhalten bei Vogelschlag und beim Einsaugen von Eisbrocken. Auch der Blade-off-Test wurde durchgeführt, um nachzuweisen, dass die Fanschaufeln im Notfall sicher in der von Collins Aerospace gebauten Gondel gehalten werden.



© Dassault Aviation - V. Almansa


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Dassault und seine Zulieferer arbeiten anhand eines zentralen Modells zusammen, das detaillierte Einblicke gewährt.

Virtuelle Plateau-Phase

Ein wesentlicher Faktor dafür, den sehr engen Zeitrahmen der Falcon-6X-Entwicklung einhalten zu können, ist laut Dassault der „physische und virtuelle Plateau-Entwicklungsprozess“. Nach dem Programmstart 2018 arbeiteten die Ingenieure von Dassault und von 20 Hauptlieferanten zunächst gemeinsam in Saint-Cloud. Dabei konzentrierten sie sich auf die Harmonisierung der Schnittstellen zwischen den wichtigsten Flugzeugsystemen. Seit dem Start der sogenannten „virtuellen Plateau-Phase“ ab Herbst 2018 arbeiten alle Beteiligten von ihren Heimatstandorten aus – unter gemeinsamer Nutzung eines zentralen digitalen Mockups des Flugzeugs in Echtzeit. Hochentwickelte Virtual-Reality–Werkzeuge ermöglichen es ihnen, die Platzierung von Systemen und Komponenten aus Perspektiven zu untersuchen, die bei früheren Programmen noch nicht verfügbar waren.


Kampfjet-DNA

So spielt Dassault bei der Falcon 6X einmal mehr seine technologischen Stärken aus, die auch aus der Entwicklung von High-Tech-Kampfjets resultieren. Geschwindigkeit und Qualität sind dabei notwendiger denn je, ist die 6X doch der Ersatz für das Falcon-5X-Programm, das nach unüberwindlichen Problemen mit dem Silvercrest-Triebwerk von Safran im Dezember 2017 eingestellt wurde. Die 5X sollte ab 2020 geliefert werden.




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Die Falcon 6X bietet eine sehr geräumige Kabine und kann bei Mach 0.85 Strecken wie Los Angeles – London fliegen.

Das Beste aus dem Debakel

Um das Beste aus dem Debakel zu machen, hat Dassault die Falcon 6X mit längerem Rumpf und mehr Reichweite weiter optimiert und preist sie als das „geräumigste, fortschrittlichste und vielseitigste zweistrahlige Flugzeug der Geschäftsluftfahrt“ an. Sie bietet den größten Kabinenquerschnitt der Branche (1,98 m hoch und 2,58 m breit), und dank ihrer Reichweite von 10 185 Kilometern schafft sie Strecken wie von Paris nach Tokio oder von Los Angeles nach Moskau. Ob diese Formel bei potenziellen Kunden verfängt, muss sich noch zeigen. Dassault ist aber zuversichtlich, zumal wohl viele Kunden der 5X trotz der späteren Lieferung ihren Vertrag auf das neue Modell umgeschrieben haben.


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