Während des Zweiten Weltkriegs kam es immer wieder zu ungewöhnlichen Begegnungen und Kampfhandlungen. Ein skurriler Kampf ereignete sich kurz vor Kriegsende am 11. April 1945 in der Nähe von Berlin.

Bereits 1966 erschien das Buch „The Last Battle“ von Cornelius Ryan, der auch „The Longest Day“ verfasste. Ryan beschreibt die Geschehnisse, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs zur finalen Schlacht um Berlin führten. Er schildert darin auch einen besonderen Luftkampf. Bei diesem begegneten sich eine amerikanische Piper L-4, die militärische Version der bekannten Cub, und ein deutscher Fieseler Storch in der Nähe der Hauptstadt.


Aufklärungsmission

Der US-Pilot Duane Francies vom 71st Armored Field Artillery Battalion flog am 11. April 1945 zusammen mit seinem Beobachter William Martin eine Aufklärungsmission für die auf die Hauptstadt vorrückenden Truppen. Es war Francies 142. Mission seit seiner Ankunft auf dem europäischen Kriegsschauplatz im Februar des Vorjahres. Zu seinen Hauptaufgaben gehörte es, nach der Invasion in der Normandie Aufklärungs- und Artilleriebeobachtungsmissionen zu fliegen. Seine Einheit nahm dabei an den entscheidenen Schlachten auf dem Weg nach Deutschland teil, darunter auch an den schlimmen Kämpfen im Hürtgenwald.


Die ersten rauchenden Fabriken Berlins

Zurück zu seinem vermutlich denkwürdigsten Einsatz am 11. April. Die beiden GIs flogen über ihren Truppen und konnten in der Ferne bereits die ersten rauchenden Fabriken Berlins erkennen. Francies wollte gut vorbereitet sein, um seinen Jungs am Boden den besten Weg aufzuzeigen. Sie waren fast fertig mit ihren Beobachtungen, als sie ein deutsches Motorrad mit Beiwagen entdeckten, welches schnell in der Nähe der eigenen gepanzerten Einheiten vorbeirauschte. Als sie gerade die Verfolgung aufnehmen wollten, sahen sie im Augenwinkel noch etwas Bemerkenswerteres.



Herzog 2002

Aus einer Piper J-3C feuerten die beiden GIs mit ihren Colt .45 auf den Fieseler Storch. Im wilden Gekurve striff der Storch einen Baum und legte eine Bruchlandung hin.

Handfeuerwaffen in Form des Colt .45

Nur wenige hundert Meter entfernt flog etwas unterhalb ein Fieseler Storch knapp über den Bäumen. Zu diesem Zeitpunkt ein Bild von Seltenheit, waren die fliegenden Einheiten der Luftwaffe doch fast schon zerstört. Francies machte seinen Co auf den Gegner aufmerksam, und die beiden entschieden sich, den Storch zu schnappen. Dieser war größer und auch schneller, doch die beiden GIs hatten einen Höhenvorteil und den Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Aber es gab noch ein weiteres Problem: Die Piper war nicht bewaffnet. Sie hatten lediglich ihre Handfeuerwaffen in Form des Colt .45 dabei. Über Funk teilte William Martin noch mit: „Wir nehmen es mit ihm auf!“, und schon stießen die beiden mit geöffneten Türen und gezückten Pistolen auf den überraschten Feind hinab.


Keine Gegenwehr

Sie eröffneten das Feuer und hofften, den Feind so über die in der Nähe wartenden US-Einheiten zu treiben, die diesen vom Boden aus erledigen konnten. Doch es kam anders. Der deutsche Pilot fing an zu kreisen, und so kurvten die beiden Aufklärungsmaschinen umeinander herum. Francies und Martin feuerten dabei ihre Magazine leer und trafen sogar, doch zu einem Abschuss kam es nicht. Von der Storch-Besatzung gab es keine Gegenwehr. Die Flugzeuge kamen sich immer näher, die Piper-Crew konnte den Fieseler-Piloten nun deutlich erkennen. Ihre Schüsse schlugenauch in die Frontscheibe ein. Beide Maschinen kamen dem Boden immer näher. Da geriet der Storch ins Trudeln, streifte mit der Fläche einen Baum und schlug auf dem Boden auf. Eine Fläche wurde dabei abgeschert.



Erik Hoelsaeter

Der Fieseler Storch war im Zweiten Weltkrieg als Verbindungsflugzeug weit verbreitet und für seine Langsamflugeigenschaften berühmt.

Versorgten die Verletzung des Feindes

Francies und sein Begleiter landeten unweit der Absturzstelle. Als sie diese erreichten, hatten die beiden Deutschen bereits das Wrack verlassen und wollten davonlaufen. Doch den Beobachter hatte eine Kugel im Fuß erwischt – er stürzte. Der Pilot wollte sich noch verstecken, doch nach einem Warnschuss ergab er sich. Francies, der sich schon öfters um Verwundete gekümmert hatte, versorgte die Verletzung des Feindes, während Martin den anderen bewachte. Später übergaben die Amerikaner die beiden an eine Artillerieeinheit und posierten noch neben dem Storch. Die Namen ihrer Gegner haben sie nie erfahren und auch nichts über deren Verbleib.


„Distinguished Flying Cross“

Dieser Kampf in der letzten Phase des Krieges war vermutlich der einzige, bei dem ein Flugzeug ein anderes mithilfe von Handfeuerwaffen zum Absturz brachte. Francies wurde erst 22 Jahre später mit dem „Distinguished Flying Cross“ ausgezeichnet.


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