Während die Royal Navy ihre neuen Flugzeugträger für den Einsatz mit der F-35B Lightning II ab 2021 vorbereitet, laufen auch für die Hubschrauber des Fleet Air Arm Modernisierungsprogramme.

Erstmals nach einem Jahrzehnt will die britische Marine Ende nächsten Jahres wieder eine Carrier Strike Group auf Einsatzfahrt schicken. Die HMS „Queen Elizabeth“ und ihre Begleitschiffe (Zerstörer, Fregatten und Versorger) sollen über das Mittelmeer in den Persischen Golf und den Pazifik fahren – bestückt mit 24 Lockheed Martin F-35B (darunter eine Staffel des US Marine Corps) und Unterstützungshubschraubern.


Royal Air Force Lightning-II-Staffel

Entsprechend unternahm der in Portsmouth stationierte 65 000 Tonnen schwere Flugzeugträger von Ende April bis 2. Juli Versuchsfahrten in den Heimatgewässern, bei denen zunächst Chinook-, Merlin- und Wildcat-Hubschrauber an Deck kamen. In einer zweiten Phase übten dann F-35B der 617 Squadron der RAF. Bis zu vier der Kampfjets starteten zum Beispiel für Aufklärungsmissionen kurz hintereinander über die Bugrampe und landeten später wieder senkrecht. Derzeit existieren formal nur zwei Royal Air Force Lightning-II-Staffeln in Marham; die erste Einheit des Fleet Air Arm, 809 Naval Air Squadron, wird erst im April 2023 aufgestellt. Die Royal Navy ist aber von Anfang an mit Personal vertreten, und in den fliegenden Staffeln sowie bei der Wartung und Unterstützung ist die Stellenbesetzung gemischt.



UK’ OPERATIONAL F-35 JETS MARK FIRST LANDING ON HMS QUEEN ELIZABETH


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F-35B an Deck der „Queen Elizabeth”, die nächstes Jahr auf Einsatzfahrt gehen soll.

Joint Helicopter Command

Insgesamt 48 F-35B sollen langfristig für den Einsatz von den beiden neuen britischen Trägern vorgehalten werden. Nach dem Abschied der Harrier GR9 im Dezember 2010 dauert es also noch etwas, bis der Fleet Air Arm wieder über Kampfjets verfügt. Seither musste sich die Navy mit einer fast reinen Hubschrauberflotte begnügen, die auf den Hauptbasen Culdrose ganz im Westen der britischen Insel und in Yeovilton stationiert ist. Auch bei den Drehflüglern gehören übrigens formal nicht alle zur Navy, ein Teil der Merlins und Wildcats in Yeovilton untersteht dem Joint Helicopter Command.


Merlin-Modernisierung

Dies betrifft die Merlin-Transporthubschrauber, die ab 2014 von der RAF übernommen wurden. Die 25 Maschinen der Baureihe HC3A/HC3i werden derzeit im Rahmen des Merlin Life Sustainment Programme bei Leonardo (ehemals Westland) auf den Standard HC4/HC4A hochgerüstet. Dabei geht es um den Einbau neuer Cockpitavionik entsprechend der HM2-Version, um die Flotte zu vereinheitlichen. Außerdem wird ein System zur automatischen Faltung von Hauptrotor und Heck installiert, das den Einsatz von kleineren Schiffen vereinfacht. Die erste HC4/HC4A wurde im Mai 2018 fertiggestellt, den Abschluss der Arbeiten erwartet man bis 2023.




Leonardo

Die Crowsnest-Test bei Leonardo in Yeovil dauern noch an. Im Betrieb wird das Radar nach unten geklappt.

Crowsnest

Derweil läuft seit März 2019 die Flugerprobung einer weiteren neuen Merlin-Version: Bei Crowsnest geht es um die Entwicklung eines Frühwarnsystems, das als Kit in die HM2-Variante eingerüstet werden kann. Zehn Sets wurden 2017 bei Hauptauftragnehmer Lockheed Martin UK bestellt, zu einem Preis inklusive Entwicklung von 269 Millionen Pfund (313 Mio. Euro). Als Radar dient das Searchwater von Thales, das wie beim Vorgänger Sea King in einem an der Rumpfseite drehbar gelagerten Radom untergebracht ist. Kontrolliert wird es vom Cerberus-Mission-System, ebenfalls von Thales. Die Bediener in der Kabine verfügen nun über Touchscreens.


Schutz des Trägerverbands

Das neue luftgestützte Radarsystem – das ein wesentlicher Bestandteil für den Schutz des Trägerverbands ist – kommt nun allerdings 18 Monate später als geplant. Die anfängliche Einsatzbereitschaft wird laut National Audit Office (NAO) erst im September 2021 erwartet. „Die Verspätung ist darauf zurückzuführen, dass ein Unterauftragnehmer, Thales, seinen vertraglichen Verpflichtungen zur Entwicklung von Ausrüstung nicht nachkommt und keine ausreichenden Informationen über den Fortschritt des Projekts zur Verfügung stellt. Weder das Verteidigungsministerium noch sein Hauptauftragnehmer, Lockheed Martin, waren sich dieser Probleme bewusst“, so der NAO-Bericht, der von „Herausforderungen“ bei der Entwicklung der Missionssysteme spricht. „Neue Managementsysteme und Kontrollmaßnahmen wurden von den Auftragnehmern eingeführt und zusätzliche Ressourcen zugewiesen.“




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Die Wildcat führte im Frühjahr vor Wales die ersten Versuche mit den Martlet-Lenkwaffen durch.

Integration neuer Waffen

Ein weiteres wichtiges Programm neben Crowsnest ist die Integration neuer Waffen an der Wildcat HMA2, was ebenfalls im Zusammenhang mit dem Schutz der Flugzeugträger steht. Basis der Entwicklung sind neue Hilfsflügel, die im Vorwärtsflug etwa 360 Kilogramm an Auftrieb liefern. An den insgesamt vier Aufhängungspunkten können maximal 20 Martlets oder vier Sea-Venom-Lenkwaffen mitgeführt werden.


Neue Lenkwaffen

Die Sea Venom von MBDA ist ein 120 Kilogramm schwerer Seezielflugkörper mit Infrarotsuchkopf, der bei hoher Unterschallgeschwindigkeit Ziele auf Distanzen von über 20 Kilometern angreifen kann. Bei der Martlet-Lenkwaffe von Thales handelt es sich um eine kleine, 13 Kilogramm schwere Rakete für Ziele in einem Bereich von sechs bis neun Kilometern. Die ersten Schussversuche von einer Wildcat fanden vom 27. April bis 25. Mai vor der Küste von Wales statt.




Royal Navy

Für die Auswahlschulung werden in Yeovilton immer noch Tutor T1 verwendet.

Military Flying Training Service

Es tut sich also einiges beim Fleet Air Arm, und auch bei der Ausbildung können die britischen Marineflieger auf neue Flugzeuge zurückgreifen. Im Rahmen des privatisierten Military Flying Training Service stehen Prefect T1 (Grob G 120TP) und Juno HT1 (Airbus Helicopters H135) zur Verfügung. Beobachter werden auf vier Avenger T1 (Beechcraft King Air 350) ausgebildet.


Fleet Air Arm – Die Staffeln

RAF Barkston Heath
703 NAS: Prefect T1 (Basisausbildung, Grob G 120TP)


MOD Boscombe Down
744 NAS: Merlin HM2 Crowsnest (AEW-Teststaffel)


Cornwall Airport Newquay
Flag Officer Sea Training: AS365N2 Daupin II


RNAS Culdrose („HMS Seahawk“)
736 NAS: Hawk T1/T1A (Luftkampftraining)
750 NAS: Avenger T1 (Beobachterausbildung, Beech King Air 350)
814 NAS: Merlin HM2 (U-Boot-Jagd)
820 NAS: Merlin HM2 (U-Boot-Jagd)
824 NAS: Merlin HM2 (Schulstaffel)


RAF Shawbury
705 NAS: Juno HT1 (Hubschrauberausbildung, Airbus H135T3)


RNAS Yeovilton („HMS Heron“)
727 NAS: Tutor T1 (Grundausbildung, Grob G 115E)
815 NAS: Wildcat HMA2 (Flights operieren von kleinen Schiffen)
825 NAS: Wildcat HMA2 (Umschulung)
845 NAS: Merlin HC4 (Transport)
846 NAS: Merlin HC3i/HC4 (Transport und Umschulung)
847 NAS: Wildcat AH1 (Gefechtsfeldunterstützung)


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