Um ein Haar wäre El Al verstaatlicht worden. Stattdessen hält mit Eli Rozenberg nun ein 27-jähriger Student die Mehrheit an der Fluglinie. Rozenberg will die flügellahme El Al wieder auf Vordermann bringen – kleiner als zuvor, aber dafür mit verbessertem Service.

Eigentlich kommt Eli Rozenberg aus New York. Erst seit ein paar Jahren lebt er in Israel, studiert an einer Talmud-Hochschule, was ihn bei erfolgreichem Abschluss zum Rabbineramt befähigt. Erfahrung im Airline-Business hat er keine. Doch das wird sich nun ändern: Denn über seine Firma Kanfei Nesharim erwarb der 27-Jährige vergangene Woche 42,85 Prozent der Anteile von Israels größter Fluggesellschaft El Al. Der durch die Coronakrise schwer angeschlagene Flag Carrier erhält dadurch seinen dringend gesuchten Investor. Der Kaufpreis für die Anteile lag bei 150 Millionen Euro, wie die Zeitung Jüdische Allgemeine schreibt. Der israelische Staat sicherte sich derweil eine Minderheitsbeteiligung.




Adam Moreira (CC BY-SA 4.0)

El Al besitzt derzeit eine Flotte von 45 Flugzeugen, darunter auch 15 Boeing 787.

Besserer Service, kleinere Flotte

Außer Eli Rozenberg gab es keinen weiteren Interessenten, der ein Gebot für die flügellahme Airline abgab. Was aber hat der Student und Unternehmer mit seiner Neuerwerbung im Sinn? Und woher hat er überhaupt das Geld dafür? Zumindest auf die erste Frage lieferte Rozenberg bereits eine Antwort – auch wenn diese vorrangig aus Plattitüden bestand: Man wolle das Vertrauen der Passagiere zurückgewinnen, die Arbeitsplätze Tausender El Al-Mitarbeiter sichern, besondere Schwerpunkte auf Pünktlichkeit und bessere Verpflegung legen und damit der Fluglinie eine gesicherte Zukunft bescheren. Der Flugbetrieb von El Al, der seit Monaten komplett ruht, soll in Kürze wieder schrittweise hochfahren. Laut Flight Global sollten schon gestern erste Frachtflüge starten, Passagierflüge könnten im Oktober folgen. Mit verkleinerter Flotte und einer erlesenen Auswahl an Zielen – unter anderem New York – möchte El Al dann wieder angreifen.



Historischer Moment: Am 30. August landete erstmals ein Flugzeug der El Al in Abu Dhabi. Auf seinem Weg dorthin überflog es den saudischen Luftraum. Ebenfalls ein Novum. Ansonsten steht die El Al-Flotte jedoch seit Juli am Boden.

Zieht im Hintergrund der Vater die Fäden?

Bleibt noch die die Frage, woher die 150 Millionen Euro stammen, die Eli Rozenberg für El Al in die Waagschale warf. Hier bringen diverse Medien Rozenbergs Vater Kenneth ins Spiel. Kenneth „Kenny“ Rozenberg ist New Yorker Unternehmer, orthodoxer Jude und Inhaber des Gesundheitsunternehmens Centers Health Care. Die Jüdische Allgemeine berichtet – unter Bezug auf die israelische Wirtschaftszeitung Calcalist -, Kenny Rozenberg sei in den USA von seinem Rabbiner „aufgefordert“ worden, El Al zu kaufen. Ihm fehlte dafür jedoch eine wichtige Voraussetzung: die israelische Staatsbürgerschaft. Sohn Eli dagegen besitzt diese Staatsbürgerschaft – und könnte, so die Vermutung, als Strohmann für seinen Vater den El Al-Deal eingefädelt haben. Doch egal, ob in der Praxis künftig Rozenberg senior oder Rozenberg junior bei El Al das Sagen hat: Die neuen Eigner stehen in jedem Fall vor großen Herausforderungen. Immerhin sitzt El Al laut Süddeutscher Zeitung auf einem Schuldenberg von rund 1,7 Milliarden Euro.


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