Während des Kalten Krieges kam es oft zu Begegnungen zwischen Flugzeugen der beteiligten Länder. Das für die USA schlimmste Zusammentreffen ereignete sich vor Nordkorea, als eine unbewaffnete EC-121 mit 31 Personen an Bord abgeschossen wurde.

Dienstag, der 15. April 1969, es ist kurz vor sieben Uhr am Morgen. Auf der Naval Air Station Atsugi in Japan bereiten sich 31 Personen auf den anstehenden Flug in der Lockheed EC-121M (Bureau Number 135749, Tailcode PR-21, Callsign „Deep Sea 129“) vor. Unter ihnen sind auch neun Kryptologie-Experten der Naval Security Group (Nachrichtendienst), die für die Ver- und Entschlüsselung von Daten zuständig sind, sowie mehrere Sprachspezialisten für Russisch und Koreanisch.


Beggar-Shadow-Programm

Der Flugbefehl der Aufklärungsmission, die im Rahmen des sogenannten Beggar-Shadow-Programms durchgeführt wird, lautet, über dem Japanischen Meer in Richtung Sowjetunion zu fliegen und Daten zu sammeln. Der verantwortliche Offizier an Bord, Korvettenkapitän James Overstreet, hat dabei die klare Anweisung, nicht näher als 90 Kilometer an die Küste Nordkoreas heranzufliegen.


Minimales Risiko

Die Aufklärungsstaffel VQ-1 ist diese Route und die zu fliegenden Manöver in den vergangenen zwei Jahren unzählige Male geflogen, daher stufen die Verantwortlichen das Risiko des Einsatzes als minimal ein. Sie werden leider im Verlauf des Tages eines Besseren belehrt.


„Deep Sea“

Um sieben Uhr hebt die „Deep Sea“ mit der vollen Kraft ihrer vier Motoren ab. Die einst so elegante Linie der Constellation ist wegen der großen Anlagen auf und unter dem Rumpf des Flugzeugs kaum noch zu erkennen, als sie in den dämmrigen Himmel über Atsugi steigt. Um 10:35 Uhr, die Maschine fliegt gerade über dem Japanischen Meer, wird sie vom Radar Nordkoreas entdeckt – eigentlich kein ungewöhnlicher Vorgang. Zwei Stunden später aber registriert das Radar der Army Security Agency den Start zweier MiG-21 der nordkoreanischen Luftwaffe auf der Basis Tongchong. Sie befinden sich kurz darauf auf direktem Kurs, um „Deep Sea 129“ abzufangen. Um 13 Uhr meldet sich die EC-121 über Funk. Es ist das letzte Mal.


Unbewaffnete und unbegleitete Viermot

Mit Überschall nähern sich die beiden Angreifer der unbewaffneten und unbegleiteten Viermot. Mit ihren 23-Millimeter-Kanonen und den Atoll-Luft-Luft-Raketen machen die Koreaner kurzen Prozess mit ihrem Opfer. Nur zwei Minuten nachdem sich die Radarsignaturen der drei Flugzeuge überschneiden, verschwindet „Deep Sea 129“ vom Radar. 44 Minuten nach dem letzten Kontakt sendet das Sicherheitsnetzwerk der USA eine Meldung an die Lockheed, um sie mit dem Hinweis auf die MiGs über einen Stufe-3-Alarm zu informieren. Es kommt jedoch keine Antwort mehr. Genaue Details über den Angriff werden nie veröffentlicht, doch es ist anzunehmen, dass eine Rakete die Viermot traf. Die nordkoreanische Presse meldet, dass nur ein einziger Treffer für den Abschuss ausreichend war.


Höchste Alarmstufe

Unmittelbar nach dem Angriff wird in Nordkorea die höchste Alarmstufe ausgelöst. Die Medien veröffentlichen ihre Version von einem imperialistischen Eindringling, der tief in ihr Heimatland eingedrungen und erfolgreich vernichtet worden sei.


Alarmrotte Convair F-106 Delta Darts

Aufseiten der USA wird nicht unmittelbar reagiert, erst zehn Minuten nach dem Verschwinden der Lockheed vom Radar wird eine Alarmrotte Convair F-106 Delta Darts alarmiert. Sie startet jedoch nicht. Es stellt sich weiterhin heraus, dass eine sogenannte FLASH-Nachricht, eine Nachricht, die innerhalb von sechs Minuten beantwortet werden muss, nicht zugestellt worden war. Die Information, dass eine Maschine vom Radar verschwand, wurde also nicht übertragen.


Höchste Dringlichkeitsstufe

Erst über eine Stunde nach dem Verlust wird eine CRITIC-Nachricht mit höchster Dringlichkeitsstufe an sechs verschiedene Empfänger gesendet. Unter den Adressaten sind auch Präsident Nixon und Henry Kissinger, der zu diesem Zeitpunkt Chef der Nationalen Sicherheit ist. Beide sind sehr überrascht über den Angriff und verstehen das Verhalten der Nordkoreaner nicht. Als Reaktion wird die Task Force 71 mit den vier Flugzeugträgern „USS Enterprise“, „USS Ranger“, „USS Ticonderoga“ und „USS Hornet“ ins Japanische Meer entsandt. Diese schnelle Eingreiftruppe soll die Flüge über dem Gebiet sichern.


Keine weiteren Aktionen

Am Ende werden jedoch von beiden Parteien keine weiteren Aktionen vorgenommen, die eventuell zum Kriegsausbruch zwischen den beiden Ländern geführt hätten. Von den 31 Opfern des Angriffs wurden lediglich zwei Leichen gefunden. Die übrigen sind bis heute verschollen. Die genauen Umstände blieben ungeklärt.


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