Angesichts der Corona-Flaute schmiedet Airbus Sparpläne, die in Bremen bereits große Wellen schlagen: Die dort bisher für alle Verkehrsflugzeuge des Konzerns stattfindende Flügelausrüstung soll zur Debatte stehen.

Wie die IG Metall Küste, Bereich Luft- und Raumfahrt, am Montag meldete, befürchte die Gewerkschaft für das kommende Jahr einen deutlichen Personalabbau. „Wenn Airbus seine Pläne durchsetzt, wird es im Frühjahr 2021 Massenentlassungen geben. Dagegen stellen wir unsere Forderungen zur Sicherung der Arbeitsplätze und Überwindung der Krise“, sagte Holger Junge, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates von Airbus. Die IG Metall rufe für Dienstag zu einem Aktionstag an den deutschen Airbus-Standorten auf.


In den Verhandlungen müsse es auch um Zukunftstarifverträge für Premium AEROTEC und den gesamten Standort Bremen gehen. Die IG Metall fordere auch den Erhalt aller Ausbildungsplätze und die Sicherung der Übernahme nach der Ausbildung.


Proteste wurden für Bremen, Hamburg, Nordenham, Stade und Varel angekündigt. Mit einem Autokorso, Kundgebungen und symbolischen Aktionen vor den Werkstoren solle der Druck in den gemeinsamen Verhandlungen von IG Metall und Konzernbetriebsrat mit der Geschäftsführung erhöht werden. Die Gewerkschaft fordere eine Beschäftigungsgarantie und eine Nutzung der Kurzarbeitsphase für die Weiterqualifizierung. „Die Geschäftsführung muss gemeinsam mit IG Metall und Betriebsräten eine Brücke in die Zukunft bauen, mit der Beschäftigung und Standorte in der Krise gesichert werden“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. „Wir brauchen intelligente Lösungen statt Massenentlassungen. Mit Kurzarbeit, Vier-Tage-Woche, Arbeitszeitverkürzungen und anderen Instrumenten können wir die Mannschaft bis nach der Krise an Bord halten.“


Bremen ist, laut Airbus, der zweitgrößte Airbus-Standort in Deutschland und zuständig für die Konstruktion, Fertigung, Integration und Erprobung der Hochauftriebssysteme für die Flügel aller Airbus-Flugzeugprogramme. Hier ist die gesamte Prozesskette für die Hochauftriebselemente angesiedelt, einschließlich Projektbüro, Technik- und Systemengineering, Flugphysik, Strukturentwicklung und ‑montage, Verifizierungstests, Flügelausrüstung und ‑auslieferung bis hin zu den Endmontagelinien.


Für das Programm A400M entwickelt und fertigt Bremen die integrierte Rumpfsektion einschließlich des Frachtladesystems. Der Standort ist außerdem Kompetenzzentrum für Weltraumtransport, bemannte Raumfahrt und Raumfahrt-Robotik. Seine hochqualifizierten Mitarbeiter arbeiten an Schlüsselprogrammen wie dem Automated Transfer Vehicle ATV, der Ariane-5-Trägerrakete und dem Multi-Purpose Crew Vehicle – einem Gemeinschaftsprojekt von NASA und ESA. Bremen ist zudem verantwortlich für den Betrieb der europäischen Komponenten der Internationalen Raumstation ISS.


Radio Bremen hatte am Wochenende gemeldet, die Flügelausrüstung für Airbus-Verkehrsflugzeuge stehe in Bremen zur Debatte. Der im Frühjahr noch für sieben Jahre volle Produktion ausgelastete Flugzeughersteller muss einen radikalen Abnahmeeinbruch verdauen. Viele Airlines können wegen der Corona-Krise die fest bestellten Flugzeuge nicht mehr bezahlen. Weltweit sind die Flugzeugbauer deshalb gezwungen, von einem Wachstumskurs schnell die Kehrtwende zu deutlich sinkenden Produktionsraten zu vollziehen. Dies betrifft auch sogenannte Leiharbeiter und die gesamte Zulieferindustrie.


Bei Airbus kommen noch die Verwerfungen mit dem Brexit, vielleicht sogar einem ungeregelten, hinzu. Gebaut werden alle Flügel für Airbus-Verkehrsflugzeuge, bis auf die in China endmontierten, bisher im Vereinigten Königreich. Von dort aus werden sie zur Ausrüstung nach Bremen gebracht und per Beluga oder Beluga XL an die jeweiligen Endmontagelinien geliefert.




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