Hier entstehen Russlands neue Militärtransporter

Seit vielen Jahren ist die Iljuschin Il-76 das Arbeitstier der russischen Luftwaffe, wenn es um Transportflüge geht. Das dürfte noch lange so bleiben, denn bei Aviastar-SP in Uljanowsk läuft der Serienbau einer grundlegend neuen Variante: der Il-76MD-90A.

Wenn man es genau nimmt, ist auch die modernste Version der Il-76 nicht mehr völlig neu. Immerhin hob der erste Prototyp der Il-76MD-90A bereits am 22. September 2012 zu seinem Jungfernflug ab. Die Entscheidung, die Produktion des bewährten Frachters in einer zeitgemäßen Ausführung wieder aufzunehmen, datiert sogar schon aus dem Jahr 2006. 39 Exemplare der runderneuerten Il-76 hat das russische Militär fest bestellt. In der Chefetage des Lufttransportkommandos geht man davon aus, dass sich der Gesamtbedarf an neuen Il-76, inklusive der Tankerversion Il-78M-90A, in den nächsten Jahren auf über 100 Maschinen belaufen könnte.




UAC/Iljuschin

Der Erstflug der Il-76MD-90A erfolgte im September 2012, doch erst im April 2019 wurde das erste „echte“ Serienflugzeug ausgeliefert.

Zäher Weg bis zum Serienbau

Doch obwohl die Bestellung für die 39 Exemplare schon im Herbst 2012 eintrudelte und die letzte Maschine aus diesem Baulos ursprünglich 2018 hätte ausgeliefert werden sollen, fliegen bis heute nur wenige Il-76MD-90 für die russische Luftwaffe. Nach Fertigstellung von zwei Vorserienflugzeugen lag die Produktion des neuen Frachters in Uljanowsk jahrelang brach. Erst im Frühjahr 2019 konnte die erste Serienmaschine an die russische Luftwaffe übergeben werden. Das Flugzeug mit dem Kennzeichen RF-78655 ging an das neu aufgestellte 235. Transportfliegerregiment, das ebenfalls in Uljanowsk beheimatet ist. Seither schreitet der Serienbau allem Anschein nach kontinuierlich voran. Die Fertigungslinie wurde in den vergangenen Jahren stark modernisiert und automatisiert. Die Kapazität liegt laut Aviastar-SP bei maximal zwölf neuen Il-76 im Jahr, die sich auf Tanker und Transporter verteilen. Dieses Limit soll baldmöglichst voll ausgeschöpft werden. Bis zum April 2020 waren immerhin acht der 39 bestellten Il-76MD-90A ausgeliefert.



Iljuschin Il-76MD-90A erste Lieferung im April 2019 in Uljanowsk


OAK

Das erste Serienflugzeug ging an das 235. Transportfliegerregiment in Uljanowsk. 39 Il-76MD-90A hat die russische Luftwaffe fest bestellt.

Was ist an der Il-76MD-90A alles neu?

Die Il-76MD-90A unterscheidet sich gegenüber der Ursprungsvariante, die 1971 erstmals flog, in vielerlei Hinsicht grundlegend. So besitzt die jüngste Generation des Frachters völlig neu konzipierte Tragflächen, die 2700 Kilogramm leichter sind. Unter den Flügeln hängen vier Awiadwigatel PS-90A-76-Turbofans, die zwölf Prozent sparsamer arbeiten als die früher verwendeten D-30KP2-Triebwerke von Solowjow, dabei aber ein Drittel mehr Schub liefern und 18 Prozent mehr Reichweite ermöglichen. Damit ist die Il-76MD-90A in der Lage, 50 Tonnen Nutzlast 5000 Kilometer weit zu transportieren. Die maximale Nutzlast der neuen Version liegt bei 60 Tonnen, gegenüber 48 Tonnen der Vorgängervariante Il-76TD. Hierfür wurde auch das Fahrwerk verstärkt.



UAC

Die Il-76MD-90A besitzt einen neu konstruierten Flügel, modernere Triebwerke, ein stärkeres Fahrwerk, neue Avionik und erweiterte Selbstschutzsysteme.

Glascockpit und moderne Systeme

Im Cockpit der Il-76MD-90A hielten acht Farbdisplays Einzug, ein neuer digitaler Autopilot namens SAU-76 macht automatische Landungen nach CAT-II-Bedingungen der ICAO möglich. Auch ein neues Navigationssystem mit modernem Wetterradar sowie ein elektrooptischer Sensor zum präzisen Abwerfen von Lasten bei jedem Wetter fanden den Weg in die neue Il-76. Die für das Antlitz des Flugzeuges typische Glasnase für den Navigator hat man trotzdem beibehalten. Darüber hinaus verfügt die Il-76MD-90A über umfangreiches Selbstchutz-Equipment mit EloKa-Antenne, Radarwarnempfänger und Lenkwaffenwarnsystem. Die Täuschkörperwerfer befnden sich links und rechts in den Hauptfahrwerkgondeln.



Iljuschin Il-76MD-90A mit Löschwasserbehälter.


OAK

Bei Bedarf lässt sich die Il-76MD-90A auch mit Löschwasserbehältern bestücken.

Vielseitig einsetzbar

Die russische Luftwaffe wird ihren neuen Transporter nicht nur für Frachtflüge, Truppenverschiebungen und zum Abwurf von Fallschirmjägern verwenden. Innerhalb kurzer Zeit lässt sich die Il-76MD-90A genauso für Kranken- und Verwundetentransporte umrüsten und kanns sogar zum Löschen von Flächenbränden herangezogen werden. Zugelassen ist die Maschine für Flughäfen mit befestigten und unbefestigten Pisten in Höhenlagen von bis zu 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Das Be- und Entladen erfolgt, wie bei der Il-76 seit jeher üblich, über die große Ladeluke im Heck. Ein Bugtor, wie etwa die größere Antonow An-124 es besitzt, gibt es bei der Il-76MD-90A nicht.


Technische Daten der Il-76MD-90A

Konstrukteur: Iljuschin, Moskau
Hersteller: Aviastar-SP, Uljanowsk
Besatzung: 5 Personen
Soldaten: 146 oder 126 Fallschirmjäger oder 114 Verletzte oder 20 Schwerverletzte
Antrieb: 4 x Aviadwigatel PS-90A-76
max. Dauerleistung: 4 x 143,13 kN
Länge: 46,60 m
Höhe: 14,76 m
Spannweite: 50,50 m
Flügelfläche: 300 m2
Rumpfdurchmesser: 4,80 m
Frachtraumlänge: 24,50 m mit Rampe
Frachtraumbreite: 3,45 m
Frachtraumhöhe: 3,40 m
Frachtraumvolumen: 321 Kubikmeter
Nutzlast: 60 000 kg
Tankkapazität: 109 500 l
max. Startmasse: 210 000 kg
Marschgeschwindigkeit: 820 – 850 km/h
Dienstgipfelhöhe: 12 000 m
Startrollstrecke: 1450 m
Landerollstrecke: 930 m mit Umkehrschub
Reichweite: 4100 km mit 50 t Nutzlast, 5400 km mit 40 t, 8500 km mit 20 t


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