Seit sechseinhalb Jahrzehnten bildet die Tupolew Tu-95 das Rückgrat der russischen Bomberfotte. Daran wird sich auch künftig wenig ändern: Am 22. August startete mit der Tu-95MSM in Taganrog die modernste Version des Turboprop-Monsters zum Erstflug.

Die Tu-95 ist für die russische Armee das, was die Boeing B-52 Stratofortress für die US-Luftwaffe ist: ein Dinosaurier des Kalten Krieges, auf den man zugleich auf absehbare Zeit in der Zukunft nicht verzichten kann. Wie ihr Gegenspieler aus den USA wird deshalb auch die Tu-95, im NATO-Jargon „Bear“ genannt, immer wieder modernisiert. So bleibt das mit rund 900 km/h Topspeed schnellste Turbopropflugzeug der Welt trotz seines biblischen Alters von nunmehr 68 Jahren für alle Fälle gerüstet – und international gefürchtet.


Erstflug dauert zweieinhalb Stunden

Am vergangenen Samstag startete auf dem Werksflugplatz des Flugzeugbauers Beriew in Taganrog, Südrussland, mit der Tu-95MSM die neueste Version des unverwüstlichen Bombers zu ihrem Jungfernflug. Zwei Stunden und 33 Minuten pilotierte die Flight Crew unter der Leitung des Tupolew-Testpiloten Andrej Woropajew die modernisierte „Bear“ bis in eine Höhe von 9000 Metern – ohne besondere Vorkommnisse, wie die staatliche russische Flugzeugbau-Holding United Aircraft Corporation (UAC) in einer Mitteilung anmerkte. Sämtliche Systeme und Geräte an Bord hätten wie geplant funktioniert, so UAC weiter.




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Die Tu-95MSM beim Erstflug in Taganrog am 22. August 2020.

Modernere Triebwerke, neue Propeller

Rein äußerlich unterscheidet sich die Tu-95MSM zunächst nicht wirklich von ihren älteren Schwestern. Auch die neueste „Bear“-Variante wird von vier Kusnezow NK-12-Wellenturbinen angetrieben, die nicht nur je 15000 PS leisten, sondern dabei zugleich einen infernalischen Klangteppich erzeugen. Laut UAC-Generaldirektor Juri Sljusar wurden die Triebwerke jedoch weiter modernisiert. Sie tragen nun die Bezeichnung NK-12MPM. Außerdem erhielt die Tu-95MSM neue Propeller. Diese sollen deutlich vibrationsärmer arbeiten und der Tu-95 in Kombination mit den moderneren Triebwerken bessere Leistungen beim Start sowie eine größere Reichweite bescheren.



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Dank neuer Propeller, modernerer Triebwerke, verbesserter elektronischer Systeme und eines Phased-Array-Radars soll die Tu-95 bis mindestens 2040 ihrer zugedachten Rolle nachkommen.

„Kampfstärke verdoppelt“

Das Gros der erneuerten Komponenten aber liegt im Inneren des Bombers. So soll die Tu-95MSM mit einem modernen Phased-Array-Radar ausgestattet sein sowie ein neues Flugsteuerungssystem, verbesserte Avionik und moderne Instrumentierung im Cockpit besitzen. Ein neues Navigationssystem zählt ebenso zur Ausstattung wie ein optimiertes Waffenmanagement sowie neue Verteidigungssysteme, mit denen die Tu-95MSM feindliches Boden- und Flugzeugradar stören kann. „Die Kampffähigkeit des Flugzeugs hat sich nach dieser Modernisierung verdoppelt“, frohlockte UAC-Chef Sljusar nach dem gelungenen Erstflug. Damit könne die Tu-95 auch in den kommenden Jahrzehnten ihrer zugedachten Rolle nachkommen: „Kampfaufgaben lösen und gleichzeitig die fernen Grenzen des Landes schützen“. Bis mindestens 2040 soll die „Bear“ im Dienst bleiben.


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