Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer persönlich nahm heute bei Lufthansa Technik den neuen Airbus A350 für die Flugbereitschaft in Empfang. Allerdings nur symbolisch, denn der Jet bleibt vorerst in Hamburg. Ein Blick auf den neuen Star der VIP-Flotte.

Durch die Halle schmettert der Bläser-Evergreen „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ von Ron Goodwin, doch das Flugzeug, um das es hier heute geht, ist alles andere als eine „fliegende Kiste“: Gerade hat Bundesverteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer das jüngste Mitglied in der Flotte der Regierungsflugzeuge willkommen geheißen. Die brandneue A350 mit dem Taktischen Kennzeichen 10+03 ist die erste von drei Maschinen dieses Typs, die künftig das Rückgrat der Flugbereitschaft bilden werden. Sie freue sich „schon ein klein wenig“ auf den ersten Flug mit dem neuen Jet, gibt die Ministerin zu – und wünscht sich, dass schon allein aus diesem Grund die Corona-Pandemie bald ein Ende haben möge.




Patrick Zwerger

Weil der echte Jet noch in Hamburg bleiben muss, erhielt Annegret Kramp-Karrenbauer von LH Technik-Chef Johannes Bußmann ein Modell der A350 10+03.

Die A350 bleibt vorerst in Hamburg

Bis es soweit ist, muss sich „AKK“ allerdings noch etwas gedulden – Corona hin oder her. Denn mitnehmen darf sie die A350 am heutigen Tag noch nicht. Das Flugzeug ist zwar fertig, wie ein Mitarbeiter der Lufthansa Technik im Gespräch mit der FLUG REVUE betont, allerdings fehlt aktuell noch die militärische Zulassung. Auch Crew-Trainings und Schulungen stehen noch an. Die sollen in den kommenden Wochen über die Bühne gehen und der 10+03 damit den Weg zu einer möglichst langen Karriere im Staatsdienst bescheren. In dieser Hinsicht tritt das neue Flugzeug in beachtliche Fußstapfen, denn die alte 10+03, eine Boeing 707 mit dem Taufnahmen „August Euler“, war immerhin stolze 31 Jahre für die Bundesrepublik aktiv: von 1968 bis 1999. Das muss der hochglanzpolierte Carbon-Zweistrahler erst einmal nachmachen. „Wir werden unser Bestes geben“, versichert LH Technik-Chef Johannes Bußmann.


In anderthalb Jahren zum Regierungsflugzeug

Dass es allen Beteiligten damit ernst ist, beweist das starke Tempo, mit dem das Projekt „A350 für die Flugbereitchaft“ umgesetzt wurde. Zwischen Bestellung und Übergabe der ersten Maschine liegen nicht einmal anderthalb Jahre – und trotz Corona wurde das Flugzeug beinahe planmäßig fertig. „Der Umbau erfolgte mitten in der Hochphase der Pandemie“, betont LH Technik-Chef Bußmann. Zwar besitzt die nun übergebene A350 vorerst „nur“ eine Interimskabine, doch das sei von Anfang an so geplant gewesen, macht Ministerin Kramp-Karrenbauer klar: „Wir wollten eine betont schnelle Lösung, zielorientiert und schnell verfügbar.“ Dazu passt, dass die jetzige 10+03 aus einer stornierten Bestellung der Lufthansa stammt – sie hätte ursprünglich unter der Kennung D-AIXQ für die Kranich-Airline fliegen sollen. Die beiden noch folgenden Flugzeuge sind noch nicht gebaut. Sie werden direkt das volle Standard-Interieur erhalten.



Patrick Zwerger

Die A350 wird künftig das Flaggschiff der VIP-Flotte der Flugbereitschaft sein. Zwei weitere Exemplare des Großraumzweistrahlers sollen 2022 in Dienst gehen.

Die Kabine: Neuwagengeruch und Lounge-Atmosphäre

Allerdings kann sich auch der Übergangs-Look der 10+03 durchaus sehen lassen. Der Zutritt in die völlig jungfräulich wirkende Kabine ist nur mit weißen Überschuhen gestattet, Fotografieren ist verboten. Beim Betreten strömt typischer Neuwagengeruch in die Nase, der sich zielstrebig den Weg durch die obligatorische Schutzmaske bahnt. Helle Farben, weiß und beige, beherrschen die Szenerie. Der Loungebereich im vorderen Kabinenteil punktet mit Ledersofas und zwei abgeschirmten Suiten, der dunkle, samtig-weiche Teppichboden fühlt sich beim Darübergehen an wie Moos. Hinter der Lounge eröffnet sich der Blick auf 30 Business Class-Sitze – exakt in dem Stil, wie man sie auch auf gewöhnlichen Flugreisen mit der Lufthansa antrifft. Auch die Premium Economy im hinteren Flugzeugdrittel weckt Assoziationen an den Kranich. Sie bietet 80 Mitreisenden Platz, die Sitze stammen von ZIM aus Markdorf am Bodensee.




Patrick Zwerger

Die Bundesrepublik Deutschland ist weltweit die erste Nation, die eine A350 als Regierungsflugzeug nutzt.

A340 fliegen noch bis 2022

Welche der aktuell verbauten Komponenten nach dem finalen Umbau der Kabine dem neuen Standard weichen müssen, dazu schweigt sich die LH Technik aus. Nur über den weiteren Fahrplan des Projekts gibt es Auskunft: Die Übergabe der beiden noch fehlenden A350 erwartet man 2022, und wenn diese beiden Jets zur Verfügung stehen, werden die beiden noch für die Flugbereitschaft aktiven A340-300 aufs Altenteil geschoben. Erst in einem dritten Schritt wird dann die Kabine der 10+03 an das Niveau der beiden Schwestermaschinen angeglichen. Dann, so lässt Ministerin Kramp-Karrenbauer durchblicken, sollen die drei Großraumjets bei Bedarf auch für Hilfs- und Evakuierungsflüge bereitstehen.


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