Die Antonow An-22 ist in jeder Hinsicht eine monströse Erscheinung. Und eine Rarität: Nur ein einziges Exemplar steht weltweit im kommerziellen Dienst. Am Wochenende war die von Antonov Airlines betriebene An-22 wieder gefragt – für eine Eillieferung in die Türkei.

Wer sie einmal aus der Nähe erlebt hat, bekommt das Dröhnen ihrer vier Kusnezow NK-12-Turboprops nicht so schnell wieder aus dem Kopf. Doch die An-22 von Antonov Airlines macht nicht nur Krach, sie leistet auch fast fünf Jahrzehnte nach ihrem Erstflug wertvolle Dienste, wenn es um den schnellen Transport großer und schwerer Frachtstücke geht. Jeder einzelne ihrer vier Motoren leistet 15200 PS, die von jeweils zwei gegenläufigen Vierblattpropellern in Vortrieb umgewandelt werden. Auf diese Weise hievt die An-22 bis zu 80 Tonnen Nutzlast in die Luft, bei einem maximalen Startgewicht von 250 Tonnen. Ihr Laderaum bietet Platz für fast 640 Kubikmeter Fracht. Kein Wunder, dass Hersteller Antonow die An-22 einst „Antei“ nannte – nach dem Riesen Antäus aus der Griechischen Mythologie.




Patrick Zwerger

Die An-22 der Antonov Airlines ist Baujahr 1974 und wurde 2016 reaktiviert. Sie ist die einzige zivil genutzte Antei weltweit.

Eilige Lieferung in die Türkei

Ursprünglich wurde die An-22 in der Sowjetunion fürs Militär entwickelt – und die allermeisten Anteis, die heute noch fliegen, sind nach wie vor bei der russischen Luftwaffe im Einsatz. Die von Antonov Airlines im Jahr 2016 reaktivierte und in der Ukraine als UR-09307 zugelassene Maschine ist die weltweit einzige An-22, die für zivile Frachtflüge gechartert werden kann. Am vergangenen Wochenende wurde die Antei der Antonov Airlines, Baujahr 1974, wieder gebraucht – und zwar ziemlich kurzfristig: In der Türkei benötigte man dringend eine große Seilwinde zur raschen Reparatur einer Tiefsee-Pipeline. Die Firma Skyair Shop aus Istanbul fragte bei Antonov Airlines an – und nicht einmal 24 Stunden später war die An-22 auch schon unterwegs.




Antonov Airlines

In Istanbul wurde der 28,5 Tonnen schwere Spezialcontainer direkt aus dem Flugzeug auf einen Tieflader gehievt und zu seinem Bestimmungsort gefahren.

Kiew, Leipzig, Ostende, Istanbul

Von Kiew aus ging es, mit einem Zwischenstopp in Leipzig, ins belgische Ostende. Dort lud die Crew von Antonov Airlines den bereitstehenden Container, bestückt mit der fast 30 Tonnen schweren Winde, in das Flugzeug. Zum Einsatz kam dabei eine bei Antonow konstruierte Spezialausrüstung, die es der Antei erlaubt, auch schweres Frachtgut an Bord zu hieven, ohne dabei auf die Infrastruktur am Boden angewiesen zu sein. Anschließend machte sich die An-22 auf den Weg nach Istanbul, wo sie knapp viereinhalb Stunden später auf dem brandneuen Flughafen landete. Von dort aus wurde die Seilwinde per Tieflader zu ihrem Bestimmungsort gebracht, wo sie nun dazu beiträgt, die bis zu 400 Meter tief gelegene Pipeline zwischen der Türkei und Zypern instandzusetzen.


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