450 000 Euro Verlust hat die Lufthansa im vergangenen Quartal eingeflogen – pro Stunde! In Summe kommt der Kranich-Konzern damit auf ein Minus von 1,7 Milliarden Euro (vor Steuern). Das zwingt Lufthansa-Chef Carsten Spohr offenbar zu besonders unpopulären Maßnahmen.

Bei der Vorstellung des Halbjahresberichts in Frankfurt zog Spohr erstmals auch betriebsedingte Kündigungen in Deutschland in Betracht. Davon hatte das Lufthansa-Management bislang stets Abstand genommen und stattdessen betont, man wolle die Krise ohne betriebsbedingte Kündigungen meistern. „Vor dem Hintergrund der Marktentwicklungen im globalen Luftverkehr und basierend auf dem Verlauf der Verhandlungen zu notwendigen Krisenvereinbarungen mit den Tarifpartnern“ sei dieses Ziel jedoch „auch für Deutschland nicht mehr realistisch“, heißt es dazu im aktuellen Geschäftsbericht. Die vorgestellten Zahlen markieren zwischen April und Juni den höchsten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte. Eine Erholung der Luftfahrt auf das Niveau vor der Krise sei frühestens im Jahr 2024 zu erwarten.



Musste den höchsten Quartalsverlust der Lufthansa-Geschichte vermelden: LH-Chef Carsten Spohr.

Spohr: „Es geht zu langsam“

Die Verhandlungen mit den Gewerkschaften ziehen sich außerdem nach Meinung des Lufthansa-Vorstands viel zu lange hin. Auf der Bilanzpressekonferenz wurde Spohr angesichts der stockenden Gespräche deshalb deutlich: „Es geht mir viel zu langsam. Selbst mit der Bundesregierung waren wir schneller als mit den Gewerkschaften am Boden und im Cockpit.“ Die gesetzte Frist für eine Einigung sei bereits seit acht Wochen überschritten. Die Gewerkschaft Verdi, die die Mitarbeiter von Lufthansa Technik vertritt, konterte umgehend und warf ihrerseits der Lufthansa eine „Blockadehaltung“ vor. Das ziehe die Verhandlungen in die Länge und schaffe große Unsicherheit und Zukunftsängste, so die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle.


800 Piloten zu viel

Insgesamt will der Lufthansa-Konzern weltweit bis zum Jahr 2023 seine Kosten m 15 Prozent senken, die Flotte um mindestens 100 Flugzeuge verkleinern und 22.000 Vollzeitstellen abbauen. Davon entfallen rund 11.000 auf Deutschland. Wie viele davon betriebsbedingter Natur sein könnten, ließ Spohr offen. Allerdings herrsche allein bei der Mutter-Airline im Cockpit ein Personalüberhang von 800 Piloten. Zwar betonte der Lufthansa-Chef, dass diese selbstredend nicht alle entlassen werden sollen – allerdings brauche es dazu eine Einigung mit der Pilotenvereinigung Cockpit.



Lufthansa

Besonders für Vierstrahler wird bei Lufthansa die Luft dünn: Bleiben die A380 für immer außen vor?

Kehren die A380 nie mehr zurück?

Parallel zur Personaldiskussion plant die Lufthansa-Gruppe weitere starke Einschnitte und Einsparungen. Die Lufthansa der Zukunft soll kleiner sein – „aber auch agiler, weniger komplex und effizienter“, so Carsten Spohr. Zu diesem Zweck reduziert Lufthansa die Zahl ihrer Flugbetriebe von zwölf auf zehn, schließt Germanwings und die deutsche Tochter des Joint Ventures mit Turkish Airlines, SunExpress Deutschland. Zudem kranke das Langstreckengeschäft nach wie vor stark an fehlenden Einreiseregelungen, was eine Erholung zusätzlich ausbremse. Deshalb stehen bei Lufthansa vor allem Großraumflugzeuge älteren Typs auf der Abschussliste – also Vierstrahler. Ob die derzeit allesamt stillgelegten Airbus A380 je wieder zurückkommen, ist damit fraglicher als je zuvor. Und auch für die A340 und die Boeing 747 sind die Aussichten trüb – im letzteren Fall zumindest für die älteren 747-400. Das Debüt der Nachfolgerin könnte sich ebenfalls verzögern: Die erste Boeing 777-9 will Lufthansa laut Angaben von Carsten Spohr erst 2023 übernehmen.


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