Newark – dieser Flughafen ist bisher für viele Passagiere so etwas wie das Mauerblümchen im Verbund der Airports von New York: JFK kennt man weltweit als Anlaufadresse für internationale Flüge, der Stadtflughafen LaGuardia ist die engräumige, aber beliebte Kurzstrecken-Drehscheibe der New Yorker, aber Newark? Angejahrte und enge 70er-Jahre-Terminals mit kargem Charme und die bei manchen New Yorkern geringschätzig mit „Bridge and Tunnel“ bezeichnete Anfahrt in die „Provinz“, nämlich den Nachbarstaat New Jersey, lassen viele Reisende diesen Airport übersehen.


Schlusslicht bei der Kontrolldauer

In aktuellen Passagierbefragungen über die Kundenzufriedenheit landet Newark unter den US-Flughäfen derzeit angeblich nur an 19. Stelle. Durchschnittlich gut 23 Minuten wartete man 2018 hier als Passagier an den Sicherheitsschleusen, hat die Transportschutzbehörde TSA ermittelt. In Salt Lake City war ein Fluggast zum Vergleich schon nach durchschnittlich 9,1 Minuten kontrolliert. Damit war Newark 2018 Schlusslicht in den USA bei der Kontrolldauer.


Ein Katzensprung bis nach Manhattan

Andererseits punktet der Newark Liberty Airport, so der komplette Name, mit seiner innenstadtnahen Lage – er liegt nur 14 Kilometer westlich vom Kern des „Big Apple“ –, guter Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln an die New Yorker Penn Station und viel weniger Überfüllung, als man sie oft in JFK findet. Noch dazu bietet „EWR“, so der Flughafencode von Newark, ein dichtes Netz an inneramerikanischen Anschlussflügen, namentlich von US-Branchenriese United. 401 Flüge dieses Konzerns finden täglich in Newark statt, 220 der „Mainline“ und 181 von Regionaltöchtern. 71 Ziele werden bedient und, wohlgemerkt alleine von United, 15,1 Millionen Passagiere im Jahr befördert.




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So soll Terminal One einmal wirken. Im Hintergrund sieht man die Hochhauskulisse von Manhattan.

Gesamtbilanz der Passagierzahlen

Auch in der Gesamtbilanz der Passagierzahlen aller Airlines muss sich Newark nicht verstecken: 46 Millionen Passagiere, ein Rekordwert, wurden im Gesamtjahr 2018 abgefertigt. Für 2019 lag die Zahl der Fluggäste noch nicht vor, sie wird aber über derdes Vorjahres liegen. New Yorks Flughäfen zusammen kamen im vergangenen Jahr auf über 140 Millionen Passagiere, – eine Gesamtsteigerung, so die neuesten Vorab-Angaben der Port Authority.


Briten planten das neue Terminal

Kein Wunder, dass die Flughafengesellschaft von New York und New Jersey, die jener gemeinsamen Hafenbehörde untersteht, große Pläne für ihren Standort Newark schmiedet: Mit ihrer bisher größten Investition in New Jersey putzt die Port Authority Newark derzeit für insgesamt 2,7 Milliarden Dollar heraus. Bis Ende 2021 bzw. Ende 2022 entsteht der in zwei Stufen öffnende Neubau „Terminal One“. Das Gebäude, derzeit wächst bereits dessen Stahlträgerskelett in den Himmel, ersetzt das alte Terminal A, wo Air Canada, Alaska Airlines, American und JetBlue zu Hause waren. Es zielt mit mehr Kontrollspuren, mehr Geschäften und mehr Fläche für die Vorfahrt, auch für taxiartige Internet-Fahrgemeinschaften wie Uber, auf deutlich erhöhten Passagierkomfort bei der Abfertigung. Anders als in JFK, wo viele Airlines eigene Terminalbereiche langfristig fest pachten, werden die Gates in Newark größtenteils flexibel im Wechsel belegt.


Terminal One

Statt 11,3 Millionen Passagieren, die Newarks Terminal A im Jahr 2017 abfertigte, soll dessen Nachfolger Terminal One nach dem Ausbau 2027 bis zu 13,6 Millionen Fluggäste abfertigen können. Und das, obwohl das Gebäude auf einer relativ engen Fläche untergebracht werden musste.



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Terminal One erhält einen eigenen Bahnhof der automatischen Kabinenbahn AirTrain.

AirTrain-Anschluss

Das Abfertigungsgebäude mit dem Grundriss eines auf dem Kopf stehenden Buchstabens T und mit zwei Hauptetagen ließen sich die New Yorker bei der renommierten britischen Architekturfirma Grimshaw entwerfen. Es umfasst 33 Gates mit den zugehörigen Vorfeldern und Rollwegen, eine Straßenzufahrt und ein AirTrain-Anschluss. Gesamtkosten: 1,4 Milliarden Dollar.


Die Drei Start- und Landebahnen reichen

Mit seinen drei Startbahnen mit Längen von 2050, 3050 und 3350 Meter schafft Newark rund 460 000 Flugbewegungen im Jahr. Die letzteren beiden sind Parallelbahnen, allerdings nur 290 Meter voneinander entfernt. Nach Beobachtung der Flughafengesellschaft nimmt die Zahl der Passagiere zu, während die Zahl der Flugbewegungen, dank immer größeren und immer besser ausgelasteten Fluggeräts, eher abnimmt. Dafür wächst der internationale Verkehr, der zusätzliche Ein- und Ausreisespuren bei der Abfertigung und eine Trennung vom Inlandsbetrieb erfordert.


Separates Helipad

Ein separates Helipad dient dem Hubschrauberverkehr, besonders auf der Hauptstrecke zum Wall Street Heliport im Süden Manhattans. Landseitig bringt die Kabinenbahn „AirTrain Newark“ die Passagiere zum Flughafen-Regionalbahnhof, an dem zwei wichtige Regionalbahnlinien halten und von wo aus man per Vorortzug zur New Yorker Penn Station weiterkommt.




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Mehr Licht, mehr Platz und damit mehr Flächen für Sicherheitskontrollen prägen das neue Terminal One.

Deutsche Experten für den Terminalbetrieb

Während sich die Amerikaner für den Bau von Terminal One mit den Briten verbünden, holen sie sich für den Betrieb des Terminals Unterstützung aus München ins Boot: Die Munich Airport International GmbH, eine Tochter der Flughafen München GmbH, wird nach der Eröffnung 2022 die Betriebs-, Wartungs- und Konzessionsfunktionen im Terminal überwachen. Bis dahin entwickeln die Bayern schon kurzfristig Verbesserungen der Service- und Aufenthaltsqualität im Altbauterminal. Auch das Nachbarterminal B wird mit deutscher Hilfe aufgemöbelt:


Centermanagement

Hier wird die Fraport AG aus Hessen über ihre Tochter Fraport USA das sogenannte „Centermanagement“ übernehmen. Mitte Dezember wurde der Vertragsabschluss mit fünfjähriger Laufzeit bekannt gegeben. Die Hessen werden auf 4300 Quadratmetern Fläche 30 Geschäfte und gastronomische Betriebe installieren. Fraport ist in den USA bereits am New Yorker Kennedy-Flughafen, in Baltimore/Washington, Cleveland, Nashville und Pittsburgh vertreten.


Erweiterung von Terminal One in Planung

Für die fernere Zukunft ist planerisch bereits eine Erweiterung von Terminal One um einen parallelen Pier mit weiteren zwölf Gates für Flugzeuge in Boeing-737-900-Größe berücksichtigt, an denen wahlweise aber auch sechs Großraumjets andocken könnten. Außerdem lässt sich der Nordpier noch um drei Gates für Großraumflugzeuge ergänzen.


New Yorks Verkehrsflughäfen

Newark Liberty Int. Airport (EWR)
Newark strebt neben Inlandsflügen verstärkt in den Langstreckenverkehr. Flaggschiff-Verbindung ist der Nonstop-SIA-Flug aus Südostasien mit der A350-900ULR, der nach 19 Stunden Flugzeit in Newark landet. In New Jersey befindet sich ein wichtiger eigener Markt. Hier sitzen Firmen wie Honeywell, Johnson & Johnson, der IT-Riese Cognizant und Merck.


Stewart Int. Airport (SWF)
Etwas abseits im Norden, von New York City den Hudson River aufwärts, und nahe der Staatsautobahn 87 liegt dieser von Billigairlines genutzte Flughafen. Mit Norwegian fliegt auch schon eine europäische Airline hierher.


Teterboro Airport (TEB)
Teterboro ist der wichtigste Privatjet-Flughafen von New York. Hier starten und landen die Schönen und Reichen in völliger Abgeschiedenheit. Pluspunkt: die räumliche Nähe zu Manhattan. Nachteil: die mit 2130 Metern relativ kurze und schmale Piste.


LaGuardia Airport (LGA)
Die meisten New Yorker nutzen diesen Flughafen für Inlandsflüge; er liegt nur eine kurze Taxifahrt von Manhattan entfernt. Allerdings dürfen Flüge ab LaGuardia, außer nach Denver, nur maximal 2800 Kilometer weit entfernte Ziele bedienen.


John F. Kennedy Int. Airport
Dank eines Modernisierungsprogramms hat sich der Flughafen JFK von seinem schlechten Image aus der Vergangenheit befreit. Globale Flugverbindungen, darunter nach Asien und Europa, machen das Drehkreuz zur ersten Wahl vieler Passagiere.


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