Die Spatzen hatten es schon von den Dächern gepfiffen, nun ist es amtlich: British Airways, vor Corona die Airline mit der weltweit größten Jumbo-Flotte, mustert alle Boeing 747-400 vorzeitig aus – mit sofortiger Wirkung. Eine 50 Jahre währende Ära endet damit abrupt.

Schon seit Monaten hing ihr Schicksal am seidenen Faden: Geplagt von den Folgen der Corona-Pandemie, die sich massiv im Frühjahr massiv auf den Flugverkehr auswirkten, gab British Airways bereits vor längerer Zeit bekannt, die Fortexistenz der Jumbo-Teilflotte auf den Prüfstand zu stellen. Schon damals ließ sich ahnen, dass diese Prüfung angesichts der aktuellen Aussichten wenig Gutes für die „Queen of the Skies“ bringen würde. Als kurz darauf auch noch ans Licht kam, dass British Airways das Crew-Training für die Boeing 747 bis auf Weiteres aussetzte, musste man täglich mit dem offiziellen Aus für die größte Jumbo-Flotte der Welt rechnen.



Boeing 747


Hulton Archive

Die ersten Boeing 747, die ab 1970 in Großbritannien eintrafen, waren noch im Farbkleid der British Airways-Vorgängerin BOAC unterwegs.

„Airliner einer anderen Ära“

Dieses Aus ist nun über Nacht Realität geworden: Bereits gestern Abend zitierten die ersten Medien aus einem internen Schreiben der Airline an die Crews von British Airways. „Mit großem Bedauern schlagen wir, vorbehaltlich einer Konsultation, den sofortigen Ruhestand unserer Königin der Lüfte, der 747-400, vor“, heißt es dort. Die im Weiteren aufgeführten Gründe dafür sind wirtschaftlich verständlich, nichtsdestotrotz ein Stich ins Herz eines jeden Luftfahrtfans – und auch für die Airline-Führung „schlicht herzzerreißend“, wie das Schreiben betont. Doch die im Schnitt rund 24 Jahre alten Jumbos seien „Airliner einer anderen Ära“, so das Management. „Sie verbrauchen weit mehr Treibstoff als Flugzeuge der neuesten Generation und erfordern logischerweise auch mehr Aufmerksamkeit von unseren Ingenieuren“.




Boeing

Seit 1989 flog British Airways mit der Boeing 747-400. Insgesamt betrieb die Airline seither 57 Exemplare dieser 747-Variante.

Noch nicht definitiv – aber so gut wie

Dass das Ende für die „Queen“ in dem internen Schreiben derart vorsichtig formuliert ist, hat einen bestimmten Grund: Die Gewerkschaften, die die betreffenden Piloten und Flugbegleiter von British Airways vertreten, müssen zu der Sache noch angehört werden. Schließlich fallen mit der Ausmusterung der Flugzeuge auch viele Arbeitsplätze weg. Ob diese erhalten werden können, ist jedoch ohnehin fraglich, denn British Airways sprach zuletzt davon, aufgrund der anhaltenden Krise 12000 Stellen abzubauen. Dennoch gibt es an der Entscheidung des Managements vermutlich nichts zu rütteln: Über die Nachrichtenagenturen ließ die Airline heute Morgen in einem offiziellen Statement verlauten, es sei „unwahrscheinlich“, dass die Boeing 747 jemals wieder zu einem kommerziellen Flug für British Airways abheben wird. Auch spezielle Abschiedsflüge sind nicht geplant, wie eine Airline-Sprecherin auf Nachfrage der FLUG REVUE mitteilte.


Nach genau 50 Jahren senkt sich damit der Vorhang für die letzten britischen Jumbo Jets. Den ersten hatte British Airways-Vorgänger BOAC im Jahr 1970 in Empfang genommen.



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