Regierung, Aktionäre und Gewerkschaften zerren an El Al. Mittwoch hat sich die bange Lage dramatisch zugespitzt: El Al setzt ihren Flugbetrieb nach Medieninformationen bis auf Weiteres komplett aus – die hoch verschuldete Airline kämpft um ihren Fortbestand.

El Al groundet die Flotte: nach Informationen der Zeitung „Globes“ hat die Airline am 1. Juli alle Passagier- und Frachtflüge vorerst gestrichen – einen bereits gestarten Frachtumlauf nach Mailand und London rief El Al zurück. Der von Airlinechef Gonen Usishkin verhängte Flugstopp markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Krise, die sich bereits seit Wochen verschärft.

Wiederverstaatlichung als Ausweg?

Fest steht: El Al, die schon vor Corona mit rund drei Milliarden US-Dollar in der Kreide stand, braucht weitere 400 Millionen US-Dollar. Dringend. Mindestens. Doch die Verhandlungen stecken in einer Sackgasse fest. Laut israelischen Medien will El Al das Geld komplett als Kredit aufnehmen, für den der Staat bürgen soll. Ein Alternativplan sieht 250 Millionen US-Dollar Kreditbürgschaften und eine staatliche Eigenkapitalspritze über weitere 150 Millionen US-Dollar vor.

Damit stünde die vor 16 Jahren privatisierte El Al vor der Wiederverstaatlichung. Nach der Kapitalerhöhung würde Israel rund 60 Prozent der Aktien kontrollieren, die Anteile privater Investoren – insbesondere des aktuellen Hauptaktionärs Knafaim – würden drastisch verwässert. Zeitgleich streitet El Al mit Gewerkschaften über einen harten Sanierungsplan – die Airline will 30 Prozent kleiner aus der Krise hervorgehen, die Flotte soll um zehn bis 15 auf nur noch 45 Flugzeuge schrumpfen. Wegen der Pandemie hat El Al 5.800 ihrer 6.300 Mitarbeiter in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt.

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Piloten werfen El Al Wortbruch vor

El Al „ist in keiner guten Verfassung“, sagte der Chef der Transportgewerkschaft Avi Edri laut „Globes“. „Das Unternehmen kann nicht weiter ausbluten, und wenn es zu dem Schluss gekommen ist, dass es besser ist, den Flugbetrieb nun einzustellen, bedeutet das, dass es mit seinen Flügen weiteres Geld verliert.“ Von rund 650 Piloten arbeiteten zuletzt nur 110 weiter. Die Piloten pochen auf eine Rettung mit Staatsbeteiligung und werfen El Al vor, gegen erst kürzlich geschlossene Vereinbarungen zu verstoßen – die Airline weigere sich, 30 Piloten von der 737 in die Langstreckenflotte zu übernehmen. „Die Piloten von El Al werden sich nicht mit einer Lösung zum Nutzen der aktuellen Eigentümer abfinden, die weder dem Unternehmen, noch seinen Kunden und Mitarbeitern dient“, teilte die Pilotenvertretung in einer Stellungnahme mit.

Am Dienstagabend meldete das Management einen Verlust von 140 Millionen US-Dollar im ersten Quartal.

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