Noch ist es nicht offiziell bestätigt, doch die Anzeichen verdichten sich, dass Boeing beim 747-Programm den Stecker zieht. Das zumindest schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Verweis auf Insider-Kreise. Das Ende der Jumbo-Ära scheint damit unausweichlich.

Aller Voraussicht nach wird im Jahr 2022 bei Boeing in Everett die letzte frabrikneue 747 aus der Werkshalle rollen – mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Erstflug des wohl bekanntesten Verkehrsflugzeugs der Welt. Ein Dutzend feste Aufträge für die aktuelle Variante 747-8 hat Boeing noch in den Büchern stehen – allesamt Frachter, die für UPS bestimmt sind. Drei weitere, eigentlich für Volga Dnepr UK gedachte 747-8F werden vermutlich nicht mehr gebaut. Zumindest stuft Boeing selbst die Orders als unsicher ein. Dass in der Zwischenzeit neue Aufträge für den legendären Jumbo Jet in Seattle eintrudeln, gilt als wenig wahrscheinlich.

UPS

UPS ist wohl der letzte Kunde für die Boeing 747-8. Ein Dutzend Exemplare der Frachtversion 747-8F will der US-Paketriese noch übernehmen.

Die 747 ist heute ein Verlustgeschäft

Schon seit Langem hat Boeing versucht, die Lebensdauer des Programms durch längere Fertigungsintervalle künstlich in die Länge zu ziehen. Derzeit baut der Hersteller 0,5 Jumbo Jets pro Monat, was einen Jahresausstoß von sechs Maschinen ergibt. Dass ein derart auf Sparflamme gefahrenes Produkt wenig Profit abwirft, versteht sich von selbst. Nach einer Schätzung der Analystin Sheila Kahyaoglu hat Boeing seit 2016 pro produzierter 747 40 Millionen US-Dollar Verlust gemacht. Das nahende Ende der 747 wurde in der jüngeren Vergangenheit daher schon öfter prophezeit – zumal der wichtige Zulieferer Triumph seine 747-Rumpffabrik bereits geschlossen und lediglich die Rümpfe für die noch offenen Orders vorproduziert hat.

Ist die Entscheidung schon gefallen?

Intern scheint sich auch Boeing mit dem Ende der Jumbo-Ära abgefunden zu haben. Auch wenn das definitive Produktionsende offiziell noch nicht bekanntgeben wurde, wollen Insider aus den Finanzberichten des Flugzeugbauers herausgelesen haben, dass man in Seattle den Daumen über dem 747-Programm bereits gesenkt hat. So taucht laut Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg der zuvor stets verwendete Standardsatz, dass man eine Fortführung der Jumbo-Fertigung über 2022 hinaus weiter evaluiere, in den jüngsten Berichten nicht mehr auf. Boeing selbst versteckt sich auf Nachfrage von Bloomberg hinter Phrasen: Mit einer Rate von einem halben Flugzeug pro Monat habe das 747-8-Programm mehr als zwei Jahre Produktion vor sich, um die derzeitigen Kundenverpflichtungen zu erfüllen, so das Unternehmen. Man werde „weiterhin die richtigen Entscheidungen treffen, um die Produktionslinie gesund zu halten und die Kundenbedürfnisse zu erfüllen“. Selbst den eingefleischtesten Jumbo-Fans dürfte jedoch klar sein: Alles andere als die Entscheidung, das Programm einzustellen, wäre eine faustdicke Überraschung.

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