Weil die Auftragslage für die Boeing 747-8F bröckelt und das baldige Produktionsende des Jumbo Jets unausweichlich scheint, sucht Boeing nach einem neuen Frachter-Flaggschiff. Laut Insidern könnte der Hersteller deshalb bald die 777-8F bringen – früher als geplant.

Dei Zeit für die Boeing 747 scheint endgültig abzulaufen. Bereits seit Langem wird der legendäre Jumbo Jet nur noch in der Frachtversion 747-8F gebaut, mit einer Rate von 0,5 Flugzeugen im Monat hat Boeing die Produktion des Vierstrahlers längst auf Sparflamme heruntergefahren. Bei den wenigen noch ausstehenden Bestellungen wäre trotz alledem in spätestens zweieinhalb Jahren Sense. Wichtige Zulieferer haben bereits die Segel gestrichen – und nun schmilzt der Auftragsbestand für die 747 noch weiter zusammen: Boeing hat eine für UPS gedachte 747 aus dem Auftragsbuch entfernt, weil der Paketriese eine ursprünglich für Volga-Dnepr UK gedachte Maschine üernehmen wird. Die russisch-britische Frachtairline war ihrerseits schon vor der Corona-Krise von der Bestellung zurückgetreten. Sie wollte dies zwar später widerrufen und Boeing den Wiederverkauf des Fugzeugs an UPS untersagen, unterlag damit im Juni aber vor Gericht. Damit steht der Backlog für den Fracht-Jumbo bei nur noch 13 Exemplaren.

Boeing

Die Passagierversion der 777-8 (hinten) liegt derzeit auf Eis. Die Frachtvariante soll geringfügig länger werden, aber unterhalb der 777-9 angesiedelt sein.

Wann kommt die 777-8F?

Boeing hat im Cargo-Bereich mit der 767F und vor allem der 777F noch zwei weitere, wenn auch kleinere, Eisen im Feuer. Dennoch macht man sich in Seattle offenbar konkrete Gedanken, nach dem Aus der 747 möglichst nahtlos ein passendes Nachfolgemodell anzubieten. Wie das Portal Leeham News berichtet, erwägt Boeing deshalb, den Start einer Frachtvariante des neuen Riesen-Twins 777-X deutlich vorzuziehen. Demnach habe der Hersteller seinen potenziellen Kunden in Aussicht gestellt, schon 2023 oder 2024 eine 777-8F anbieten zu können. Das wäre nach Informationen von Leeham News zwei Jahre früher, als ursprünglich angedacht.

Nur eine 777-X pro Monat

Laut Leeham plant Boeing, die 777-8F mit einem geringfügig längeren Rumpf auszustatten als die – derzeit auf Eis liegende – Passagierversion 777-8. Damit würde sich der dann weltgrößte zweistrahlige Frachter zwischen die „kleine“ 777-8 und die längere 777-9 schieben, von der bereits zwei Prototypen in der Flugerprobung stehen. Weitere Details zur 777-8F sind noch nicht bekannt, allerdings wäre die Auflage einer Frachtvariante des künftigen Boeing-Flaggschiffs in der Tat ein logischer Schritt, weil der Markt für Airliner dieser Größenordnung auf absehbare Zeit überschaubar bleiben dürfte. Der Verkauf der 777-X lief schon vor Beginn der Corona-Krise eher schleppend. Die Produktionsrate für die 777-9 soll sich deshalb vorerst bei einem Flugzeug pro Monat einpendeln. Das Voranbringen einer Frachtversion sei ein gangbarer Weg, die Verkaufsaussichten für die 777-X insgesamt zu verbessern, mutmaßt auch Leeham News. Zumal Kontrahent Airbus in der entsprechenden Gewichtsklasse nicht mit einem adäquaten Gegenstück aufwarten kann.

UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/wegen-747-ende-zieht-boeing-die-frachtversion-der-777-x-vor/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder.