Zwei B-1B Lancer der US Air Force begaben sich Ende Mai auf eine Langstrecken-Trainingsmission über dem Schwarzen Meer. Dabei übten sie mit neuen Waffen und trafen erstmals mit ukrainischen Su-27 und MiG-29 zusammen – unter dem wachsamen Blick russischer Abfangjäger.

Die Bomberbesatzungen des 28th Bomb Wing, zu Hause auf der Ellsworth Air Force Base in South Dakota, sind lange Flüge gewohnt. Regelmäßig tauchen sie mit ihren Rockwell B-1B Lancer über allen möglichen Regionen der Welt auf. So absolvierte im April eine B-1B eine Trainingsmission vor der Nordküste Japans und kehrte anschließend ohne Zwischenstopp nach Hause zurück – ein Nonstopflug mit 30 Stunden Flugzeit. Im Mai tauchten die wegen ihrer schlanken Erscheinung „Bone“ genannten US-Bomber dann mehrfach über Europa auf – ebenfalls, ohne auf europäischem Boden zu landen.

Russland in Alarmbereitschaft

Ihre jüngste Langstreckenmission führte zwei B-1B am 29. Mai in die Schwarzmeerregion, und damit in ein heikles Terrain: grenzt das Übungsgebiet doch direkt an den russischen Luftraum. Russische Abfangjäger beobachteten die US-Bomber, die im Verband mit europäischen Verbündeten flogen, mit Argwohn. „Die Aktivitäten der US-Luftwaffe und der US-Marine sowie ihrer Verbündeten in der Nähe der Grenzen der Russischen Föderation haben stark zugenommen“, hieß es am 1. Juni in einer Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums. „Am 29. Mai tauchten die B-1B erstmals über der Ukraine auf.“ Die russische Luftabwehr habe die Überschallbomber rechtzeitig erkannt und kontinuierlich überwacht. Es seien insgesamt sieben Abfangjäger gestartet. „Flugabwehr-Raketensysteme waren sofort einsatzbereit“, so das russische Verteidigungsministerium weiter.

Erstes Treffen mit ukrainischen Kampfjets

Nichtsdestotrotz absolvierten die US-Bomberbesatzungen ihre Langstreckenmission wie geplant. Dabei trafen sie in der Luft mit den Flugzeugen mehrerer Verbündeter zusammen, die die B-1B auf ihrem Flug über dem Osten Europas eskortierten. Neben polnischen F-16 und MiG-29 sowie MiG-21 und F-16 der rumänischen Luftwaffe beteiligten sich auch Su-27 und MiG-29 aus der Ukraine an der Übung. Es sei das erste Mal gewesen, dass die „Bones“ der US Air Force im Verbund mit den Ukrainern flogen, teilte die US-Luftwaffe später via Twitter mit.

Neue Antischiffslenkwaffe

Das Hauptaugenmerk der Bomberpiloten lag allerdings auf einem anderen Aspekt: Die B-1B trainierten über dem Schwarzen Meer mit der neuen Langstrecken-Antischiffsrakete AGM-158C LRASM, einer „Waffe der nächsten Generation“, wie die Air Force im Nachgang der Übung stolz mitteilte. Die LRASM, die auf dem Luft-Boden-Marschflugkörper AGM-158 JASSM von Lockheed-Martin basiert, soll als Stealth-Langstreckenlenkwaffe die seit den 70er-Jahren gegen Seeziele eingesetzte Harpoon ablösen. Eine B-1B kann bis zu 24 LRASM mitführen.

Abschreckung als Ziel

Die LRASM spiele eine entscheidende Rolle für künftige Einsatzszenarien der US-Luftwaffe über See, betonte Lt. Col. Timothy Albrecht, Bomber Task Force-Flugplaner beim 603rd Air Operations Center. Das Training mit dem Lenkflugkörper über internationalen Gewässern fernab des US-Luftraums habe auch für verbündete Luftstreitkräfte abschreckenden Wert: Es bedeute, dass der gemeinsame Feind künftig nicht nur mit Bedrohung durch Schiffe, sondern auch durch landgestützte Bomber rechnen müsse. „Diese Fähigkeiten sollten den Verstand jedes potenziellen Gegners schwer belasten, und er sollte sie in seinem Entscheidungskalkül berücksichtigen“, so die US Air Force in ihrer Mitteilung.

Die Rockwell B-1B im Einsatz