Entgegen anderslautender Berichte will Dubais Flag Carrier Emirates anscheinend doch nicht auf seine riesige A380-Flotte verzichten. Das zumindest erklärte Airline-Chef Tim Clark gegenüber der Zeitung „Financial Times“. Spätestens 2022 sollen alle Jets zurückkehren.

Tim Clark war immer ein bekennender Fürsprecher des Airbus A380. Nicht umsonst besitzt seine Airline Emirates, deren Präsident er seit 2003 ist, die mit Abstand größte A380-Flotte der Welt mit nicht weniger als 115 Exemplaren. Beinahe die Hälfte aller gebauten A380 fliegt somit für Emirates. Besser gesagt flog, denn seit dem 25. März stehen alle 115 Superjumbos der Golf-Airline am Boden. Wie viele davon je wieder in den Dienst zurückkehren, steht in den Sternen. Nicht zuletzt Tim Clark höchstselbst war es, der vor ein paar Wochen die Gerüchteküche zur Zukunft des weltgrößten Passagierflugzeugs bei Emirates anfachen half.

Emirates

Der Großteil der Emirates-Flotte ist nach wie vor geparkt. Darunter auch alle 115 A380.

Gerüchte um A380-Kahlschlag

Die Zeit der A380 sei vorbei, wurde das 70-jährige Luftfahrt-Urgestein Anfang Mai von der arabischen Zeitung „The National“ zitiert. Kurz darauf kündigte ein Sprecher von Emirates an, die Kosten der Gesamtflotte „gründlich“ zu überprüfen. Aus Insiderkreisen war parallel dazu zu hören, Emirates plane im Zuge dessen eine Reduktion der A380-Flotte von 115 auf maximal 69 Maschinen. Andere Quellen sprachen gar davon, dass nur 20 A380 den Corona-Kahlschlag in Dubai überstehen würden.

Die A380-First Class bei Emirates

Clark: „Werden keine einzige abgeben“

Diesen düsteren Prognosen tritt Tim Clark öffentlich entgegen – und legt damit Balsam auf die Seele aller A380-Fans. In einem Interview mit der Financial Times erklärt der Emirates-Chef selbstbewusst, seine Airline werde keine einzige A380 abgeben – „mit Ausnahme von, wie ich glaube, drei, die herauskommen, und neun Boeing 777, die dieses Jahr sowieso herauskommen sollten.“ Die A380 werde auch künftig bei Emirates eine zentrale Rolle spielen, und zwar in derselben Dimension wie vor der Krise. „Wenn auch nicht heute und auch nicht im nächsten Jahr, so glaube ich doch, dass die A380 im darauffolgenden Jahr einen Platz haben wird, und ich glaube, dass sie äußerst beliebt sein wird“, so Clark. Es werde natürlich eine Reihe von Flugzeugen geben, die über einen längeren Zeitraum eingelagert werden müssen. Ab 2022 rechne er aber wieder mit der vollen Stärke der Teilflotte. Auch am Grundkonzept von Emirates mit Dubai als globalem Langstreckendrehkreuz will Clark deshalb nicht rütteln: „Das ist ein Geschäftsmodell, das in den letzten 35 Jahren für uns sehr gut funktioniert hat.“