Wenn Airlines die Zahl der Sitze in ihren Flugzeugen erhöhen wollen, fällt an anderer Stelle Platz weg. Von Herstellern sind deshalb intelligente Lösungen für Galleys mit weniger Platzbedarf gefordert.

In Flugzeugen wird zwar in den seltensten Fällen noch wirklich frisch gekocht, dennoch sind Bordküchen, auch Galleys genannt, für die Bewirtung der Passagiere essenziell. Neben elektrischen Geräten, sogenannten Electrical Galley Inserts, wie Dampföfen, Kaffeemaschinen sowie Kühlmöglichkeiten müssen sie vor allem Arbeitsfläche und viel Stauraum bieten, und das auf sehr begrenztem Platz. Ein Kurzstreckenflugzeug hat im Schnitt zwei bis drei, ein Langstreckenjet sechs bis zehn Galleys mit jeweils zwischen vier und acht Trolley-Stellplätzen.

Vom belegten Brot bis zum First-Class-Menü

Eine Bordküche ist oft das Erste, was Passagiere beim Einsteigen ins Flugzeug zu Gesicht bekommen. „Galleys sind nicht nur Arbeitsbereiche, sie sind vielmehr Teil des Gesamterscheinungsbilds. Unsere Gäste sollen sich bereits beim Einsteigen willkommen fühlen“, sagt Anja Lindenstein, Pressesprecherin der Lufthansa Group. Der Konzern arbeitet in Sachen Galleys mit verschiedenen Herstellern zusammen, darunter Bucher aus der Schweiz, Zodiac Premium Galleys (früher Sell) aus Deutschland und AIM aus Großbritannien.

Deutsche Lufthansa AG, Lufthansa Group/Rolf Bewersdorf, Lufthansa Technik, Diehl Aviation, Ulrike Ebner

Moderne Galley im Airbus A350-900 von Lufthansa.

Einladend, individuell, aufgeräumt und sauber sollen Galleys aussehen, was angesichts des Zeitdrucks im Airlinegeschäft gar nicht so einfach ist. Nicht selten ist das Equipment verbeult, weil es ein Caterer bei der Lieferung besonders eilig hatte. In solchen Fällen bieten Rollos, Türen oder Vorhänge schnelle kosmetische Verbesserungen. Gelegentlich werden die Fronten auch erneuert. „Galleys gehören aber zu den Monumenten, die im Prinzip während eines Flugzeuglebens nicht ausgetauscht werden“, so Claudius Wahl, Vice President Offer Management bei Diehl Aviation.

Funktional und Flexibel

Vom Kurz- und Mittelstreckenjet bis zum Großraumflugzeug: Diehl Aviation entwickelt und baut in Hamburg Galleys unter anderem für die A320-Familie von Airbus, für A330, A340 sowie für die Boeing-Modelle 737, 757, 777 und 747. Zu den Kunden gehören nach eigenen Angaben unter anderem Air France, Finnair und Turkish Airlines. Wahl ist seit 30 Jahren bei dem deutschen Luftfahrtzulieferer für Bordküchen zuständig. In dieser Zeit haben sich viele neue Anforderungen ergeben. „Galleys müssen heute sehr flexibel sein“, sagt er.

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Mit einem ausziehbaren Modul lassen sich bestehende Küchen zur „Bar“ umrüsten.

Beispielsweise werden die Küchen in Langstreckenflugzeugen immer häufiger auch als Selbstbedienungsbereich genutzt. „So kann sich der Kunde während des Fluges die Füße vertreten und dabei noch einen zusätzlichen Snack und ein Getränk zu sich nehmen“, sagt Anja Lindenstein. Dafür müssen Flugbegleiter Galleys schnell umbauen können. Auch die früher in der Business oder First Class üblichen Barbereiche werden heute eher in die Bordküche integriert. Diehl und Lufthansa Technik arbeiten beispielsweise an einem Bar-Modul zur Nachrüstung, das durch einfaches Herausziehen als Tresen, Selbstbedienungsbereich, Empfang oder auch für das Duty-Free-Angebot genutzt werden kann.

Ein weiterer Trend: „Der Platz für Galleys wird kleiner“, sagt Wahl. Deshalb würden Bordküchen auch mit anderen Monumenten, beispielsweise Trennwänden oder Stauschränken, verbunden. Bereits heute werden Küchen in Kurzstreckenflugzeugen oft kombiniert mit der Bordtoilette. Noch sind sie baulich getrennt, Galley und Lavatory haben eine eigene Wand, einen definierten Abstand voneinander. „Eine Wand wird künftig aus Gewichtsgründen eingespart“, prophezeit Wahl. Um Küchen heute schon leicht auszulegen, werden sie bei Diehl Aviation in Sandwich-Bauweise mit Deckschichten aus Glas- oder Kohlefaser hergestellt. Eine Wand weniger bedeutet zudem einen Raumgewinn von rund sechs Zentimetern.

Mehr Sitze in der A320

Für die Kurzstrecke zeichnet sich noch eine weitere Entwicklung ab. Weil die günstigsten Tickets meist keine Verpflegung mehr enthalten, wird dort immer weniger warmes Essen serviert. Entsprechend sind auch kaum noch Öfen nötig. „Oft gibt es nur einen kleinen Ofen für die Crew und eine Kaffeemaschine“, sagt Wahl. Um Zeit bei den Umläufen zu sparen, wird das Catering meistens nur einmal täglich geliefert. Deshalb ist der Bedarf an Stauraum dafür umso größer.

Skypax

Diehl Aviation und Lufthansa Technik haben gemeinsam ein entsprechendes Konzept namens Skypax entwickelt. Es sieht einen umgestalteten hinteren Galley-Lavatory-Komplex mit zwei Toiletten für die A320-Familie vor, der eine Erhöhung der Sitzanzahl um bis zu zwei Reihen ermöglicht. Maximal acht halbhohe Trolleys und 19 Standardcontainer passen in die Skypax-Galley. Der Flugbegleitersitz befindet sich an der Trennwand zwischen der letzten Reihe und der Küche, entgegen der Flugrichtung. Eine Kamera soll im angeschnallten Zustand für den Überblick über das Geschehen in der Kabine sorgen. Ende des Jahres wird die erste Skypax-Einheit ausgeliefert. Den Namen des Erstkunden will Diehl Aviation derzeit noch nicht verraten.

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Das Skypax-Konzept für die hintere Galley ermöglicht mehr Sitze in der A320-Familie.

Für Flugbegleiter sind solche Maßnahmen zur engeren Bestuhlung freilich nicht immer angenehm, bedeuten sie meist weniger Ruhe und weniger Platz. Während sie das Essen und den Service vorbereiten, stehen nebenan Passagiere vor den Toiletten Schlange. Zudem werden Flugbegleitersitze im Galleybereich normalerweise auch als Pausenplätze genutzt, was mit Skypax nicht mehr möglich ist. „Dafür gibt es bei Skypax mehr Arbeitsfläche und Ausziehtische“, sagt Wahl. Flugbegleiter werden aber zum Informationsaustausch vor einer solchen Neuentwicklung eingeladen, um ihre Bedürfnisse abzufragen. „Für Skypax haben wir mit 70 Airlines gesprochen“, so Wahl.

Bordküche der Zukunft

Nicht unbedingt geräumiger, dafür aber intelligent und vernetzt soll die Bordküche der Zukunft werden. Die von Diehl Aviation für Großraumjets entwickelte, bisher aber noch nicht eingesetzte Smart Galley verfügt über ein elektronisches System, das automatisch erkennt, welche Geräte und Fächer eingebaut sind. Die Energiesteuerung ist so ausgelegt, dass nicht mehr Galley Inserts eingeschaltet werden können, als Strom zur Verfügung steht. Das Kühlaggregat ist kleiner, leichter und lässt sich frei steuern, auch für einzelne Fächer. Kontrolliert und eingestellt wird alles über ein Touch-Display, über das auch die Sprache geändert werden kann. Öfen und Kaffeemaschinen melden ihren Zustand, so ist auch vorausschauendes Gesundheitsmonitoring möglich.

Geschichte

Der deutsche Ingenieur Georg Robert Werner Sell, Mitarbeiter bei den Junkers Flugzeugwerken in Dessau, entwickelte die Bordküche für Flugzeuge bereits 1930. Lufthansa baute als erste Fluggesellschaft ab 1955 spezielle Galleys von Sell Haus- und Küchentechnik in ihre Lockheed Super Constellation ein, die die Versorgung aller Passagiere an Bord ermöglichte – ein damals wesentliches Unterscheidungsmerkmal zur Konkurrenz.

Lufthansa Foto

Deutsche Lufthansa AG, Lufthansa Group/Rolf Bewersdorf, Lufthansa Technik, Diehl Aviation, Ulrike Ebner

Bis in die 1960er Jahre bereiteten Köche die Verpflegung frisch an Bord zu, hier in der Boeing 707 von Lufthansa.

Abmessungen

Die Maße von Trolleys und Boxen sind durch Normen der beiden Airline-Konsortien ATLAS und KSSU standardisiert, dabei ist ATLAS mittlerweile weiter verbreitet. Zum Vergleich: Ein ATLAS-Trolley ist 103 Zentimeter hoch, 30,4 Zentimeter breit und 81 Zentimeter tief. Ein KSSU-Trolley ist gleich hoch und breit, mit 84,8 Zentimetern allerdings etwas tiefer.

UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/zivil/bordkuechen-raumwunder/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder.