Emirates besitzt mit 115 Exemplaren die größte A380-Flotte der Welt. Dazu betreibt der Carrier aus Dubai 153 Boeing 777 – auch das ein Spitzenwert. Der Großteil aller Emirates-Jets steht seit geraumer Zeit am Boden. Eine große Herausforderung für das Technik-Team.

Während der Flugbetrieb von Emirates wegen Corona mehrheitlich ruht, das Gros aller stattfindenden Flüge nur Fracht transportiert und alle 115 A380 am Boden bleiben, herrscht bei Emirates Engineering Hochbetrieb. Die Wartungsfirma der Golf-Airline arbeitet rund um die Uhr, um die größte reine Widebody-Flotte der Welt für ihre Rückkehr an den Himmel fit zu halten: „Wir haben einen anderen Takt angeschlagen“, kommentiert Ahmed Safa, Senior Vice President Engineering bei Emirates.

Wartung in Corona-Zeiten

Es sei „eine beneidenswerte Herausforderung“, der sich das Wartungsteam zu stellen habe, um die rund 200 geparkten Großraumjets standesgemäß zu pflegen. Aber je größer die Flugzeuge, desto größer auch der Aufwand: Denn die Maschinen können nicht einfach in der Wüste geparkt und dort ihrem Schicksal überlassen werden, um sie nach Monaten des Stillstands irgendwann wieder abheben zu lassen. Auch während des Groundings müssen Wartungsvorgaben und Richtlinien der Hersteller erfüllt werden. „Wir betreiben ein unfassendes Park- und Reaktivierungsprogramm für unsere Flugzeuge“, betont Ahmed Safa. „Dabei haben wir unsere eigenen Standards und Abläufe der Situation angepasst.“ Dazu gehören auch Schutzmaßnahmen für die Wartungsteams, die einer Ansteckung mit dem Coronavirus vorbeugen sollen. Das verleihe dem ganzen Unterfangen „eine interessante Wendung“, so Safa weiter. Schließlich arbeiteten an den Großraumjets stets vier bis sechs Mitarbeiter gleichzeitig – in Zwölf-Stunden-Schichten, unter strenger Wahrung körperlicher Distanz.

Emirates

Rund 200 der 270 Emirates-Flugzeuge sind derzeit auf den beiden Dubaier Flufghäfen abgestellt und müssen aufwendig gepflegt werden.

Abgedeckt und eingehüllt

Von den 270 Flugzeugen der Gesamtflotte hatte Emirates zunächst 218 Jets geparkt – 117 am Flughafen Dubai World Central und 101 am Dubai International Airport. Allein für dieses Massen-Grounding sind laut Airline-Angaben rund 15500 Arbeitsstunden angefallen. Derzeit hält Emirates 75 Flugzeuge aktiv, die neben Passagieren vor allem Fracht durch die Welt fliegen. Alle Maschinen, die länger als 48 Stunden außer Betrieb sind, werden dagegen abgedeckt: Die Wartungs-Crews schließen sämtliche Öffnungen, durch die Sand, Schmutz, Wasser, Vögel oder Insekten in das Flugzeug gelangen könnten. Dazu gehören Triebwerke und Datensonden wie die Pitotrohre, Temperaturfühler oder Anstellwinkelsensoren. Auch die Hilfsgasturbinen (APU) der Jets werden entsprechend eingehüllt.

Impressionen: Emirates First Class

Schmieren, putzen, konservieren

Kabineneinrichtung, Sitze und Bordunterhaltungssysteme werden ebenfalls vor äußeren Einflüssen geschützt, Trinkwassersysteme und Kerosintanks konserviert. Sprit und Wasser bleiben im Flugzeug, damit die Dichtungen nicht trockenliegen und spröde werden. Der Prozess umfasst auch das Schmieren, Reinigen und Konservieren von Fahrwerks- und Flugsteuerungssystemen. Das Team schaltet alle Cockpitschalter aus, trennt die Batterien und installiert Bedienhebelschlösser sowie Jalousien.

Fit halten für den Tag X

Nach Abschluss aller Arbeiten stehen außerdem regelmäßige Überprüfungen sämtlicher geparkter Flugzeuge an. Diese folgen den Vorgaben der Hersteller – und zwar alle sieben, 15 oder 30 Tage. „Das können einfache Rundgänge sein, um sicherzustellen, dass alle Abdeckungen angebracht sind und keine sichtbaren Schäden oder Lecks vorliegen“, heißt es seitens Emirates. Aber auch komplexere Aufgaben zählen dazu: Regelmäßig müssen testweise wichtige Systeme wie die APU, Zapfluftversorgung oder Flugsteuerung hochgefahren werden. Alle zwei Wochen gibt es einen Standlauf der Triebwerke. Auch Bewegung brauchen die gegroundeten Jets: Damit die Reifen sich nicht plattstehen, werden sie wöchentlich leicht hin- und hergerollt. Denn wenn es irgendwann wieder losgeht, sollen die Emirates-Widebodies ihren Dauerparkplatz möglichst schnell verlassen können. „Wir brauchen vier bis fünf engagierte Mitarbeiter und mindestens 18 bis 24 Stunden, um eines unserer Flugzeuge wieder in Betrieb zu nehmen“, macht Ahmed Safa klar – und schiebt hinterher: „Unsere Kunden und Mitarbeiter können es kaum erwarten, unsere A380 und 777 wieder am Himmel zu sehen.“

Fahrwerkswechsel beim Airbus A380