Die Corona-Pandemie droht zahlreichen Fluggesellschaften das Genick zu brechen. Manch totgeglaubter Airline aber bringt sie auch unverhofften Aufwind: Die britische Cargologicair ist seit dem 23. April zurück in der Luft – und will sich dort dauerhaft halten.

Sinkende Nachfrage, vor allem im China-Frachtverkehr: Mit diesem Argument zog sich Cargologicair, britische Tochter der russischen Volga Dnepr-Gruppe, Ende Februar aus dem aktiven Betrieb zurück. Eine zuvor beschlossene Verkleinerung der Flotte von vier auf zwei Boeing 747-400F hatte nichts genutzt. Alle Flüge wurden deshalb zum 27. Februar eingestellt, das Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) für zunächst drei Monate an die britische Luftfahrtbehörde CAA zurückgegeben. Ob sich Cargologic unter normalen Umständen nach Ablauf der Dreimonatsfrist tatsächlich noch einmal in die Luft hätte erheben können, scheint fraglich.

Markt mit völlig anderen Vorzeichen

Allerdings stellt sich eine solche Frage auch gar nicht mehr, denn mit Hereinbrechen der Corona-Krise haben sich die Rahmenbedingungen für den Luftverkehr radikal geändert. Die Cargo-Nachfrage ist förmlich explodiert, nicht zuletzt durch den Wegfall eines Großteils der Passagierflüge. Rund die Hälfte des weltweiten Luftfrachtbedarfs wurde in der Vergangenheit als „Belly Cargo“ im Bauch von Passagier-Airlinern transportiert. Diese Kapazität fällt nun weg, gleichzeitig stieg der Bedarf vor allem medizinischer Fracht aus China nach Europa sprunghaft an. Die Preise für Luftfracht aus China sind auf 14 bis 16 US-Dollar pro Kilogramm angestiegen, berichtet Flightglobal. Diese Entwicklung kommt nun Cargologicair zugute: War die Fracht-Airline aus London-Stansted im Februar noch mit ein Opfer der durch Corona ausgelösten Flaute in China, kehrt Cargologic nun gerade wegen der Pandemie an den Himmel zurück: Ab sofort soll die Airline mit ihren beiden 747-Frachtern dabei mithelfen, die Versorgung Großbritanniens mit medizinischen Hilfsgütern und Geräten sicherzustellen.

Cargo Logic Air

Die beiden Boeing 747-400F der Cargo Logic Air können jeweils bis zu 110 Tonnen Fracht transportieren.

Erster Jumbo ist reaktiviert

Cargologicair habe die Betriebsgenehmigung zurückerhalten, die Aussetzung des AOC sei aufgehoben, teilte die britische Luftfahrtbehörde am vergangenen Mittwoch mit. Dies sei geschehen, damit die Airline „Frachtflüge im Rahmen von Verträgen zur medizinischen Versorgung“ anbieten könne. Mit diesen Flügen hat Cargologic offenbar direkt begonnen: Mit der G-CLAA verließ am 23. April die erste der beiden Boeing 747-400F ihren Dauerparkplatz Leipzig in Richtung Krasnojarsk. Von dort flog sie am Folgetag weiter nach China.

Rückkehr soll dauerhaft sein

Wie die Airline selbst mitteilte, geht es bei den avisierten Flügen zunächst um den Transport persönlicher Schutzausrüstung (PSA) aus China nach Großbritannien. Auf Nachfrage könne man aber Kunden auf der ganzen Welt entsprechend unterstützen. Davon ausgehend hat Cargologic aber auch die Zeit nach Corona im Fokus, denn die Auferstehung soll keine Eintagsfliege bleiben. „Die neue Strategie kombiniert die vorhandenen Erfahrungen mit einem neuen Management- und Organisationsmodell, das es Cargologicair ermöglichen soll, als erfolgreicher Anbieter auf dem Weltmarkt zu agieren“, so ein Sprecher der Airline gegenüber Flightglobal.

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