Grünes Licht von der EU-Kommission: Die Bundesregierung und das Land Hessen dürfen dem Ferienflieger Condor einmal mehr finanziell unter die Flügel greifen. Damit ist die Zukunft von Condor fürs Erste gesichert. Ein großes Problem aber bleibt.

Condor-Chef Ralf Teckentrup hat es nicht leicht. Zum zweiten Mal binnen weniger Monate musste er die Regierung um staatliche Hilfen für seine Airline bitten. Doch wieder wurde Teckentrupps Bitte erhört: Mit dem Segen der EU-Kommission erhält Condor vom Bund sowie von der hessischen Landesregierung Kredite über insgesamt 550 Millionen Euro. „Wir sind der Bundesregierung und der Hessischen Landesregierung sehr dankbar für ihre Unterstützung“, kommentierte Teckentrup am Montag erleichtert. Schließlich sei Condor zum zweiten Mal in kurzer Zeit unverschuldet in Not geraten. Mitte April hatte die LOT-Mutter Polska Grupa Lotnicza (PGL) den sicher geglaubten Deal zur Übernahme des deutschen Ferienfliegers platzen lassen – und Condor stand mitten in der Corona-Krise wieder exakt dort, wo man schon im Herbst 2019 nach der Pleite des damaligen Mutterkonzerns Thomas Cook gestanden hatte. Dabei sei Condor doch ein profitables Unternehmen, warf Teckentrup ein.

Condor Technik: Hinter den Kulissen

„Operativ gesund“

Das sieht auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier so: „Das Unternehmen war in normalen Zeiten operativ gesund und profitabel und hat eine gute Zukunftsperspektive.“ Für das Land Hessen ist Condor überdies als großer Arbeitgeber am Flughafen Frankfurt relevant. Entsprechend hoch ist auch hier das Interesse, dass Condor langfristig weiterfliegen kann. Zur Erleichterung aller Beteiligten winkte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager die abermalige staatliche Unterstützung offiziell durch: „Wir bemühen uns in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten um Lösungen, wie Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten im Einklang mit den EU-Beihilfevorschriften unterstützt werden können“, so Vestager.

550 Millionen in zwei Teilen

Das von Bund und Land Hessen garantierte Darlehen für Condor besteht aus zwei Tranchen. 294 Millionen Euro erhält die Airline als Corona-Hilfe, um durch die Pandemie entstandene Einbußen auszugleichen. Die zweite Tranche beläuft sich auf 256 Millionen Euro und soll dafür aufgewendet werden, den bisher beanspruchten Teil des 380 Milliarden Euro schweren KfW-Kredits abzuzahlen, den Condor nach der Thomas Cook-Pleite vom Staat erhalten hatte.

Boeing 767-300 der Condor mit dem nach 16 Jahren wieder eingeführten Logo am Leitwerk.

Condor

Das Durchschnittsalter der Condor-Flotte liegt bei über 19 Jahren. Die ältesten Jets sind die 16 Boeing 767. Sie haben im Schnitt fast 25 Jahre auf dem Buckel.

Aufs Neue: Käufer gesucht

Der Flugbetrieb des Ferienfliegers, der von der Regierung zuletzt verstärkt für Corona-Rückholflüge deutscher Reisender herangezogen worden war, kann damit erst einmal weitergehen. Für die rund 4900 Angestellten ist das in unsicheren Zeiten eine erlösende Nachricht. Ein zentrales Problem von Condor bleibt aber akut: Ohne einen neuen Eigentümer ist die Airline langfristig nicht lebensfähig. Wie es an dieser Front für Condor weitergeht, steht derzeit in den Sternen. Die Corona-Pandemie lässt selbst gesunde Airlines und potenzielle Käufer um ihre Existenz kämpfen. Fraglich also, welches Unternehmen sich den Zukauf einer Fluggesellschaft leisten kann und will, die zwar profitabel arbeitet, deren Flotte aber eher früher als später einer umfassenden Erneuerung bedarf. Zumal insbesondere das Langstrecken-Feriengeschäft, bislang eine Domäne von Condor, voraussichtlich Jahre brauchen wird, um sich wieder an das Vorkrisen-Niveau anzunähern.