Rund 90000 gestrandete Urlauber flogen seit Mitte März per Sonderflug mit Airlines der Lufthansa-Gruppe zurück nach Hause. Nun steht die große Rückholaktion vor ihrem erfolgreichen Abschluss: Am Montag wird der letzte Repatriierungsflug in Frankfurt erwartet.

Gegen 9 Uhr am 20. April schließt sich auf Deutschlands größtem Flughafen ein besonderes Kapitel in der Unternehmensgeschichte der Lufthansa Group: Dann soll in Frankfurt, aus Lima kommend, der vorerst letzte Sonderflug eintreffen, mit dem die Lufthansa im Auftrag der Bundesregierung deutsche Urlauber zurück in ihre Heimat bringt.

Lufthansa

Zu den Zielen der Sonderflüge zählten auch Christchurch und Auckland in Neuseeland.

Fast 450 Flüge an 106 Ziele

Die sich überschagenden Ereignisse, die durch die Corona-Pandemie ins Rollen kamen, hatten in den vergangenen Wochen eine beispiellose Rückholaktion festsitzender Urlauber ausgelöst. Und die Airlines der Lufthansa Group waren allesamt mittendrin statt nur dabei: Auf bislang 437 Flügen beförderten Lufthansa, Austrian Airlines, Swiss, Brussels Airlines, Edelweiss, Eurowings und Air Dolomiti seit dem 13. März rund 90000 Fluggäste. Zu den Fluggästen gehörte unter anderem ein Hamburger Mädchenchor, der aus Baku (Aserbaidschan) nach Hause geflogen wurde, wie die Lufthansa mitteilt. Elf weitere Sonderflüge sollen bis Montag noch dazukommen, dann ist die Mission von Seiten des Kranichkonzerns erledigt. Insgesamt 106 Flughäfen in fast allen Teilen der Welt, von Neuseeland bis Chile, haben die Carrier dabei angesteuert. Veranlasst worden waren die Rückholflüge vor allem von den Regierungen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz sowie Belgiens – aber auch Reiseveranstalter und Kreuzfahrtreedereien gaben laut Lufthansa Flüge in Auftrag.

Rekordflug: Austrian Airlines in Australien

Besondere Hürden im Vorfeld

Organisiert waren die Rückholflüge entsprechend als Charter – allerdings mit besonderer Herausforderung: Sie mussten innerhalb weniger Tage geplant, vorbereitet und ausgeführt werden. „Rund 40 Flughäfen waren keine regulären Ziele der Lufthansa Group, sodass dort Personal für die Abfertigung, Catering, Unterkunft für Cockpit- und Kabinencrew, Treibstoff und Wartung nur mit sehr kurzem Vorlauf bereitgestellt werden mussten“, hebt die Lufthansa die spezielle Problematik hervor. Zusätzliche Hürden seien durch lokale Ausgangssperren, schnell wechselnde Einschränkungen und teils bereits geschlossene Flughäfen entstanden. Zudem mussten im Vorfeld die nötigen Überflug- und Verkehrsrechte eingeholt werden. Unterstützung erfuhren die LH-Airlines dabei von Botschaften und diplomatischen Vertretungen vor Ort, aber auch vom Auswärtigen Amt.

Patrick Zwerger

Eurowings kümmert sich derzeit verstärkt um den „Import“ osteuropäischer Erntehelfer.

Fracht und Erntehelfer

Zeitgleich mit den Repatriierungen waren die Jets der Lufthansa-Carrier auch oft mit Fracht statt mit Passagieren an Bord unterwegs: 154 reine Cargo-Sonderflüge mit Hilfsgütern seien bislang durchgeführt worden, heißt es aus der Unternehmenszentrale. Im Unterschied zu den Rückholflügen dürfte dieser Geschäftszweig noch eine ganze Weile auf Hochtouren laufen. Auch die sogenannten Erntehelfer-Flüge sind nach wie vor voll im Gange. Für diese Flüge zeichnet bei der Lufthansa-Gruppe Eurowings verantwortlich. Bei bislang 27 Flügen seien bereits 2500 Erntehelfer aus Osteuropa nach Deutschland gebracht worden. Neun weitere Flüge sind nach aktuellem Stand noch geplant.