Mundschutzpflicht und Fiebermessen könnten im Flugverkehr bald Alltag sein: Vertreter deutscher Airlines und Flughäfen haben gemeinsam ihre Pläne für eine „Wiederaufnahmephase“ nach dem Corona-Lockdown dargelegt. 20 Punkte gehören dazu. Der freie Mittelsitz nicht.

Abstandhalten ist in Corona-Zeiten oberstes Gebot. Das wird sicher noch eine ganze Weile so bleiben, auch wenn sich im Alltag allmählich erste Anzeichen der Lockerung andeuten. Anderthalb Meter Distanz zu Mitmenschen lassen sich in einem Flugzeug allerdings kaum einhalten. Überhaupt taugt eine Passagierkabine herzlich schlecht für „social distancing“ – selbst dann, wenn Fluglinien die Mittelsitze nicht zur Buchung freigeben, wie es aktuell zum Beispiel bei Lufthansa erfolgt. Eine Maßnahme, die auch Easyjet-Chef Johan Lundgren für den Neustart seiner Airline anstrebt: „Mittelsitze werden vermutlich zunächst frei bleiben“, so der CEO Mitte April.

Mittelsitz und Maskenpflicht

Im Konzeptpapier der deutschen Branchengrößen, aus dem nun die dpa und die FAZ zitieren, taucht der freie Mittelsitz dagegen gar nicht auf. Stattdessen haben Airlines und Airports in gemeinsamer Abstimmung 20 andere Punkte formuliert, die den Gesundheitsschutz von Passagieren während einer „zu definierenden Wiederaufnahmephase“ nach dem Grounding gewährleisten sollen. Wichtigster Aspekt dabei: Wenn Abstand an Bord nicht möglich ist, dann doch wenigstens eine Maskenpflicht. „Beim Boarding, im Flugzeug für die Dauer des Fluges und beim Aussteigen darauf achten, dass jeder Fluggast eine Schutzmaske trägt“, heißt es dazu in dem Konzept. Passagiere sollen deshalb verpflichtet werden, „eine Schutzmaske mitzuführen und aufzusetzen“, wenn sie mitfliegen möchten. Diese Regel soll nach dem Willen der Branchenvertreter nicht nur auf Inlands- und Europaflügen gelten, sondern auch interkontinental.

Lufthansa

Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen auf allen Flügen gelten – egal ob Kurz- oder Langstrecke.

Weniger Gedränge am Flughafen

Weitere zentrale Maßnahmen betreffen vor allem die Prozesse außerhalb des Flugzeugs. So soll es an Flughäfen etwa luftigere Warteschlangen geben, es sollen mehr Transportbusse eingesetzt werden und auch das Ein- und Aussteigen dürfte künftig wohl länger dauern. Gleiches gilt für die Gepäckabfertigung. Zudem schlägt das Papier bei Passagieren „wo möglich und zielführend“ ein Temperaturscreening mit speziellen Sonden sowie stichprobenartiges Fiebermessen vor. Blut-Schnelltests, wie sie Enirates kürzlich ins Gespräch brachte, erwähnt das Papier nicht. Stattdessen soll eine Selbstauskunft beim Check-In, dass man nicht unter einer ansteckenden Krankheit und vor allem nicht an Covid-19 leidet, zur Pflicht werden. Die freie Wahl des Sitzplatzes entfällt derweil.

„Wiederaufnahmephase“ für mindestens sechs Wochen

Angedacht sind die Maßnahmen zunächst für einen Übergangszeitraum von sechs Wochen. Ab wann dieser beginnen soll, verrät das Papier nicht. Auch merkt die FAZ an, es sei offen, ob es sich bei den 20 Punkten um eine freiwillige Verpflichtung der deutschen Luftverkehrsbranche handle oder ob es bald staatliche Vorgaben geben werde. „Gespräche mit Ministerien stehen an, eine mindestens europäische Abstimmung wird als wünschenswert angesehen“, so die Zeitung.

UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/zivil/neustart-nach-corona-muessen-wir-bald-mit-maske-fliegen/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder.