Sun Express will in den kommenden Wochen Tausende Erntehelfer aus Osteuropa nach Deutschland fliegen. Man befinde sich im ständigen Kontakt mit den zuständigen Behörden, teilte der Ferienflieger mit. Die ersten Flüge sollen schon übermorgen abheben.

Seit 30 Jahren fliegt Sun Express Urlauber aus Deutschland in warme Gefilde rund ums Mittelmeer. Normalerweise. Die Kundschaft, die Sun Express in den kommenden Tagen an Bord ihrer Jets begrüßen wird, hat mit Urlaub allerdings nichts am Hut: 40000 Erntehelfer aus Osteuropa sollen in den kommenden Monaten auf deutschen Feldern Spargel stechen und Früchte pflücken. Und da die Grenzen auf dem Landweg wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nicht passierbar sind, müssen die arbeitswilligen Helfer aus dem Osten in diesem Jahr per Flugzeug nach Deutschland reisen. Die Bundesregierung gab dazu ihren Segen – und die ersten Flüge stehen kurz bevor: Sun Express wird noch vor Ostern die ersten Erntehelfer einfliegen. Schon am Gründonnerstag sollen die ersten sechs Boeing 737 vom rumänischen Cluj-Napoca nach Karlsruhe und Düsseldorf fliegen. Nach den Feiertagen möchte Sun Express die „Erntehelfer-Luftbrücke“ weiter ausbauen – zusammen mit einer weiteren Airline: Auch Lufthansa-Billigflieger Eurowings wird sich in den kommenden Wochen an besagter Luftbrücke beteiligen. Die Koordination erfolgt in enger Abstimmung mit dem Kölner Unternehmen Pro Sky AG, das die Verbindungen in Auftrag gegeben hat.

„Quatsch nich‘, mach!“

Für Sun Express kommt der ungewöhnliche Auftrag wie gerufen. Als ausgesprochener Ferienflieger gibt es für die türkisch-deutsche Airline nämlich derzeit nicht wirklich viel zu tun. Freie Kapazitäten hat man deshalb genügend – die Flotte von Sun Express besteht laut Unternehmensangaben aus 84 Flugzeugen. Da die Arbeit auf den Feldern außerdem nicht wartet, sind die betroffenen Landwirte auf rasche und unkomplizierte Hilfe angewiesen. Eine Botschaft, die auch bei Peter Glade, dem Kaufmännischen Leiter von Sun Express, entsprechend angekommen ist: „In der momentanen Situation ist schnelles Handeln gefragt, oder wie es bei uns zu Hause hieß: Quatsch nich‘, mach!“ Zwischen Entscheidung und Umsetzung der Luftbrückenpläne seien deshalb nur wenige Stunden verstrichen: „Mit unserer flexiblen Struktur und einem dynamischen Team sind wir in der Lage, rasch mit anzupacken und einen maßgeblichen Beitrag zu leisten, um der Agrarwirtschaft tatkräftig unter die Arme zu greifen“, so Glade.

Patrick Zwerger

Sun Express besitzt nach eigenen Angaben derzeit eine Flotte von 84 Flugzeugen – in der überwiegenden Mehrheit Boeing 737-800-.

Strenge Regeln für eingeflogene Helfer

Wegen der Corona-Pandemie hatte die Bundesregierung sich zunächst geweigert, in diesem Frühjahr Erntehelfer aus dem Ausland einreisen zu lassen. Auf Druck von Landwirtschaftsvertretern wurde aus dem kategorischen „Nein“ aber schließlich ein „Ja, aber“ für jeweils 20000 Saisonkräfte im April und im Mai. Das „aber“ bezieht sich dabei vor allem auf die Art der Einreise – es ist ausschließlich der Transport auf dem Luftweg erlaubt. An den Zielflughäfen sollen die Arbeiter direkt von den jeweiligen Betrieben abgeholt werden. Eine Einzelanreise ist nicht möglich. Ein Gesundheitscheck bei Ankunft ist obligatorisch, außerdem dürfen die Arbeiter ihre Betriebe in den ersten 14 Tagen nicht verlassen und müssen getrennt von anderen Beschäftigten untergebracht werden.

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