Nur ein Teil der weltweiten Flotte an Verkehrsflugzeugen geht momentan noch seiner regulären Arbeit nach. Rund ein Drittel steht bis auf Weiteres am Boden. Das sorgt weltweit für ebenso beklemmende wie eindrucksvolle Bilder. Ein virtueller Streifzug.

Die zivile Luftfahrt befindet sich in Schockstarre – und zwar weltweit. Die Corona-Pandemie hat den Luftverkehr weitgehend zum Erliegen gebracht. Zwischen 7000 und 8000 Flugzeuge, die sonst täglich am Himmel unterwegs sind, stehen bereits am Boden – und es könnten noch mehr werden. Wann sie wieder abheben, ist momentan nicht abzusehen. Viele von ihnen dürften noch monatelang auf den Boden gefesselt bleiben. Die Bilder, die von den großen Drehkreuzen Europas und der Welt durchs Netz geistern, gleichen sich: Überall, wo sonst reger Betrieb herrscht und Flugzeuge im Minutentakt starten und landen, herrscht jetzt gespenstische Stille. Wir haben ein paar Eindrücke aus Twitter-Beiträgen zusammengetragen.

Frankfurt

Deutschlands größter Flughafen platzt aus allen Nähten – ein großer Teil der Lufthansa-Flotte ist derzeit dort abgestellt, der Rest verteilt sich auf Flughäfen im ganzen Bundesgebiet. Um mehr Parkflächen zu schaffen, schloss der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport am 23. März sogar die neue Landebahn Nordwest. Dort stehen nun Lufthansa-Jets in Reih‘ und Glied. Insgesamt legt die Lufthansa-Gruppe 700 ihrer gut 760 Flugzeuge vorübergehend still.

München

Auch in München, dem zweiten Lufthansa-Drehkreuz, dominieren geparkte Flugzeuge mit Kranich am Leitwerk die Szenerie. Mehr als 100 Maschinen sind es laut Auskunft des Flughafens derzeit. Wie andernorts auch, überlegt man sich am Franz-Josef-Strauß-Airport kreative Parkmöglichkeiten, um den verfügbaren Platz bestmöglich auszunutzen.

Wien

Österreichs Flag Carrier Austrian Airlines hat den regulären Betrieb vollständig eingestellt. Einzig Hilfs- und Rückholflüge stehen bei AUA momentan noch auf der Agenda. Die Austrian-Homebase Wien-Schwechat ist deshalb vollgestopft mit rot-weiß-rot lackierten Airlinern. Und AUA-Chef von Hoensbroech philosophiert auf Twitter: „our aircraft are currently rather grondcraft“.

Zürich und Dübendorf

Auch bei den Schweizer LH-Töchtern Swiss und Edelweiss geht momentan wenig. Das Gros der Flugzeuge beider Airlines ist zum Nichtstun verdammt – mehrheitlich am Heimathafen Zürich-Kloten, teilweise aber auch ausgelagert auf den nahegelegenen Militärflugplatz Dübendorf.

Paris

Auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle sammeln sich derweil die Flugzeuge der Air France. Der Airport-Betreiber hat zu diesem Zweck zwei Runways vorübergehend zu Parkplätzen umfunktioniert. Währenddessen hat der zweite Pariser Flughafen Orly gleich ganz für den regulären Verkehr geschlossen.

Dubai

Als erklärte Langstrecken-Airline besitzt Emirates ausschließlich fliegerisches Großgerät – darunter mit 115 Exemplaren auch die weltgrößte A380-Flotte. Zum 25. März stellte Emirates den planmäßigen Passagierbetrieb de facto ein. Auf den Dubaier Flughäfen DXB und DWC geht es seitdem entsprechend eng zu. 72 A380 stehen allein in Dubai World Central (DWC), 43 weitere in DXB. Dazu kommen mehr oder weniger alle Pax-Boeing 777 der Airline.

Atlanta

Mehr als 107 Millionen Fluggäste reisen jedes Jahr über den Hartsfield-Jackson International Airport vor den Toren von Atlanta. Damit ist der Flughafen die weltweite Nummer 1 in Sachen Passagieraufkommen. Derzeit aber tummeln sich auch in Atlanta vor allem stillgelegte Flugzeuge: Drei der fünf Runways sind zu Parkplätzen umfunktioniert, Hausherr Delta Air Lines hat zahllose Jets in Atlanta abgestellt.

Honolulu

Ähnliches Bild auf Hawaii, nur ein paar Nummern kleiner: Am Flughafen von Honolulu stehen sich die Flugzeuge von Platzhirsch Hawaiian die Reifen platt. Hawaiian hat „alle nicht notwendigen Langstreckenflüge“ vorübergehend eingestellt.

Tulsa

American Airlines betreibt auf dem Flughafen Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma sein Wartungs-Hauptquartier. Nun nutzt American den Airport vor allem als riesigen Parkplatz für einen großen Teil der Flotte: Zahllose Boeing 777 und 787 stehen dort Flügel an Flügel, darauf wartend, bald endlich wieder abheben zu dürfen. Auch die seit über einem Jahr gegroundeten 737 MAX von American Airlines sind in Tulsa geparkt.

Victorville

Die ehemalige George Air Force Base im kalifornischen Victorville ist bekannt als einer der weltgrößten Flugzeugfriedhöfe. Nun dient der Flughafen Victorville zahlreichen Airlines als Zwischenlager für Corona-bedingt stillgelegte Airliner. 30 bis 40 Jets kamen in jüngster Vergangenheit täglich hinzu, mehrere Hundert werden noch erwartet. Flughafenmitarbeiter sehen sich an die Zeit nach dem 11. September 2001 erinnert – mit dem Unterschied, dass die Zahl der eingelagerten Flugzeuge dieses Mal noch schneller zunehme.

UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/zivil/vom-drehkreuz-zum-parkplatz-wie-es-derzeit-auf-den-flughaefen-aussieht/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder.