Die Lufthansa-Gruppe wird in nächster Zeit nur noch mit rund 60 Flugzeugen unterwegs sein. Die restlichen 700 werden abgestellt. Dies teilte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag auf einer Video-Pressekonferenz an. Seinen Mitarbeitern macht Spohr dennoch Hoffnung.

Bei der virtuellen Pressekonferenz gab sich Carsten Spohr kämpferisch: Der Lufthansa-Konzern werde sich in der gegenwärtigen Krise als „Fels in der Brandung“ beweisen. Man sei finanziell besser aufgestellt als die meisten Mitbewerber und könne auch ein längeres Grounding vorerst ohne staatliche Hilfen überstehen: „Wir haben eine Liquidität von fünf Milliarden Euro“, so Spohr. Dennoch müsse man die weitere Entwicklung der Lage abwarten.

Frankfurt sperrt Landebahn

Aus kommerzieller Sicht, das machte Spohr am Donnerstag auch klar, ist die Aufrechterhaltung des Flugbetriebs mangels Nachfrage derzeit ziemlich sinnfrei. „Es wird Gespräche mit der Politik geben müssen, welcher Flugbetrieb aus politischen Gründen aufrechterhalten werden muss“, sagte der Lufthansa-Chef. Ab nächster Woche gilt für die Kranich-Airline zunächst ein nochmals zusammengekürzter Sonderflugplan. Der sieht Langstreckenflüge zu nur noch sieben Zielen vor – und zwar ausschließlich ab Frankfurt. Aus der Mainmetropole geht es vorerst dreimal die Woche nach Bangkok, Chicago, Johannesburg, Montreal, New York (Newark), Sao Paulo und Tokio. Im Schnitt wird es damit täglich nur noch drei Langstreckenflüge im LH-Angebot geben. Hinzu kommen etwa 40 Kurzstrecken am Tag – rund 30 ab Frankfurt, etwa zehn ab München. Die Töchter Austrian und Brussels Airlines haben den Betrieb bereits komplett eingestellt, Swiss fliegt vorerst mit sechs Flugzeugen weiter, prüft nach eigenen Angaben aber ebenfalls einen Betriebsstopp. Langstrecken bietet Swiss bis auf Weiteres nicht mehr an.

„Flugplan wie 1955“

Der Notflugplan der Mutter-Airline sehe in etwa so aus wie der Lufthansa-Flugplan von 1955, erklärte LH-Chef Spohr. „Wir kämen wieder mit zweistelligen Flugnummern aus. Das macht die ganze Dimension der Krise deutlich.“ Für die aus 763 Flugzeugen bestehende Konzernflotte bedeutet dies in der großen Mehrheit ein komplettes Grounding: 700 Maschinen sollen vorübergehend geparkt werden, nur 63 bleiben vorerst aktiv. Auf dem Frankfurter Flughafen wird dafür ab kommenden Montag die neue Landebahn Nordwest gesperrt, um Parkflächen zu schaffen. Weitere Lufthansa-Jets sollen in München, Berlin und Hamburg unterkommen. Die nicht benötigten Flugzeuge von Swiss werden in Zürich und im nahegelenen Dübendorf abgestellt, die Austrian-Flotte steht in Wien, die von Brussels Airlines in Brüssel.

Sonderflüge und Fracht

Unabnängig davon hilft die Lufthansa gegenwärtig in Absprache mit Regierungskreisen dabei mit, rund 20000 deutsche Reisende zurück nach Hause zu holen. Etwa 140 Sonderflüge sind hierfür insgesamt eingeplant. Außerdem prüfe man aktuell, inwiefern sich Großraumjets für reine Frachtflüge eignen würden, um der steigenden Nachfrage im Cargo-Bereich nachzukommen. Laut Spohr betrifft das die Airbus-Muster A330 und A350 sowie die Boeing 747-8. Bei Lufthansa Cargo bleibt indes die gesamte verfügbare Flotte in der Luft. Das vorgezogene Flotten-Aus der verbleibenden MD-11F könnte auch gestoppt werden – wobei just am heutigen Tag eine weitere Maschine, die D-ALCH, sich auf den Weg zum Flugzeugfriedhof von Victorville gemacht hat. Damit bleibt aktuell noch ein Bestand von fünf MD-11F.

Patrick Zwerger

Die MD-11F der Lufthansa Cargo sollten eigentlich beschleunigt ausgemustert werden .- jetzt erhalten sie womöglich noch eine Gnadenfrist.

Harte Zeit, Ausgang ungewiss

Konzernintern forciert die Lufthansa Group weiter ihren Sparkurs: Für 33000 Mitarbeiter wurde Kurzarbeit beantragt, weitere sollen folgen. Die Dividende für das erfolgreiche Jahr 2019 wird ausgesetzt, der Vorstand verzichtet auf 20 Prozent seines Grundgehalts. Zudem wolle man versuchen, bei Airbus und Boeing spätere Termine für anstehende Flugzeuglieferungen zu erwirken. „Allerdings machen das gerade wohl alle Airlines auf der Welt“, so Spohr. Der Lufthansa-Chef betonte zudem, „dass die Welt in dieser Branche nach Corona eine andere sein wird.“ Für sein Unternehmen bedeute dies: „Wir haben eine kleinere Lufthansa-Gruppe vor uns.“ Wann die Talsohle der Krise durchschritten sein wird, wagte Spohr nicht zu sagen: „Ich würde mich erst mal freuen, wenn wir im Sommer wüssten, wieder fliegen zu dürfen.“ Lufthansa-Finanzchef Ulrik Svensson gab sich in seinem Statement dennoch betont optimistisch: Er sei sicher, „dass die Lufthansa auch nach Corona noch fliegen und als Gewinner aus der Krise hervorgehen wird.“ Zu welchem Preis, ist aktuell nicht abzusehen.

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