KLM trifft die Corona-Pandemie nicht weniger hart als andere Airlines. 100 Jahre nach Gründung stellen sich auch die „Fliegenden Holländer“ auf schwere Zeiten ein. Bis zu 2000 Stellen fallen weg – und die Ära der Boeing 747 bei KLM nimmt ebenfalls ein abruptes Ende.

Der Einreise-Bann für Europäer durch die USA war wohl der letzte Sargnagel für KLMs Jumbo-Flotte: Eigentlich hatte KLM geplant, die letzten Boeing 747-400 erst im Herbst 2021 stillzulegen. Mit Hereinbrechen der Corona-Krise aber haben sich die Verhältnisse plötzlich radikal geändert – und alle bislang geschmiedeten Pläne sind Makulatur. Bis zu 90 Prozent aller Flüge fallen laut jüngsten Verlautbarungen bei KLM in den nächsten Wochen weg, darunter auch die lukrativen USA-Strecken. Die Auslastung der KLM-Flugzeuge sinkt, die Bedingungen werden zunehmend schwieriger, weil immer mehr Länder restriktive Einreisebestimmungen erlassen. Airlines kämpfen ums nackte Überleben – und versuchen nach Kräften, zu sparen wo es geht. „Durch die jüngsten Entwicklungen in den USA sind wir in eine Krise von bisher nicht gekanntem Ausmaß geraten und es ist klar, dass KLM einschneidende Maßnahmen ergreifen muss, um dieser außerordentlichen Situation die Stirn zu bieten“, erklärt die Airline in einer Stellungnahme. In Taten ausgedrückt bedeutet dies: Kurzarbeit und Stellenabbau, aber auch den Abbau von Überkapazitäten im Flottenpark.

Patrick Zwerger

Die Cargo-Jumbos sollen bei KLM vorerst weiter im Dienst bleiben.

Letzter Flug am 26. März?

Letzterem fallen auch die verbliebenen sieben Boeing 747-400 zum Opfer. Da KLM die Anzahl der Strecken drastisch reduzieren und das Angebot der Nachfrage anpassen muss, ist für die großen, durstigen Vierstrahler kein Platz mehr – trotz gesunkener Ölpreise. KLM selbst sprach gegenüber dem niederländischen Portal Upinthesky.nl von einer Ausmusterung im April, als „Kosteneinsparungsmaßnahme in der Corona-Ära“. Anderen Quellen zufolge kommt das Ende für die Jumbo Jets sogar noch früher: Demnach soll der letzte Linienflug eines KLM-Jumbos bereits am 26. März stattfinden. Das schreibt zum Beispiel die Tageszeitung De Telegraaf, ebenfalls unter Berufung auf KLM. Die Gnadenfrist für die „Queen of the Skies“ bei KLM würde sich damit von rund anderthalb Jahren auf nur noch anderthalb Wochen verkürzen. Nach jüngsten Erklärungen aus dem Hauptquartier von Air France-KLM ist selbst das aber nicht gesichert: Vorerst legt alle 747 still, ebenso wie die A380 der Air France. Ob sie tatsächlich je wieder abheben, scheint fraglich, angesichts des drohenden Komplett-Shutdowns des Flugverkehrs in Europa. Immerhin: Die drei Fracht-Jumbos der Airline, die von Martinair Cargo betrieben werden, sollen laut Telegraaf vorerst weiter in der Flotte bleiben.

Patrick Zwerger

Mit dem verfrühten Aus der 747 bei KLM verschwinden auch die weltweit letzten 747-400M „Combi“ vom Himmel.

Ende nach Fast 50 Jahren

Mit dem vorzeitigen Aus der Boeing 747 als Passagierjet endet auch bei KLM eine Ära: Die Airline erhielt ihren ersten Jumbo Jet im Januar 1971 und betrieb den legendären Vierstrahler in mehreren Varianten: So flogen seither insgesamt 56 747 in den Versionen -200, -300 und 400 für die Niederländer. Einzig der „Ur-Jumbo“ 747-100, die verkürzte 747SP und die neueste Variante 747-8 schafften es nicht in den Bestand des Carriers. Dafür war KLM einst Launch Customer für die verbesserte 747-200B – und ist der letzte verbliebene Betreiber der Spezialversion 747-400M, mit einem Mix aus Passagier- und Frachtabteil im Hauptdeck. Fünf der sieben noch für KLM fliegenden Jumbo Jets sind Vertreter dieser „Combi“ genannten Variante. Ihr vertrauter Anblick auf dem Amsterdamer Flughafen wird nun schon sehr bald Geschichte sein.

Video: die letzte Landung einer KLM-747 in Sint Maarten

UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/zivil/ausmusterung-vorgezogen-verfruehtes-ende-fuer-klms-jumbo-jets/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder.