Die Dynamik, mit der Staaten und Institutionen auf die Corona-Pandemie reagieren, trifft den Flugverkehr ins Mark. Wegen einbrechender Nachfrage, Grenzschließungen und Reiserestriktionen haben mehrere Airlines den Betrieb vorübergehend eingestellt.

Die Corona-Krise stellt die Fluggesellschaften weltweit vor Herausforderungen, die es – zumindest in Friedenszeiten – so noch nicht gegeben hat. Vergangene Woche kündigte die US-Regierung an, ab dem 14. März keine Reisenden aus Europa mehr ins Land zu lassen. Mehrere andere Nationen folgten diesem Beispiel. Laut Angaben des Airline-Dachverbands IATA gibt es in nornalen Zeiten täglich rund 550 Flüge zwischen dem Schengen-Raum und den USA. Seit Samstag ist der größte Teil davon gestrichen – für mindestens 30 Tage. Sind erst einmal die meisten Europäer zurück in ihrer Heimat, dürfte der Verkehr auf den USA-Routen mehr oder minder ganz zum Erliegen kommen. In zahlreichen Staaten Lateinamerikas und Asiens sowie in Indien sind inzwischen ähnliche Regelungen in Kraft getreten. Die Golf-Staaten Saudi-Arabien und Kuwait haben den gesamten Flugverkehr eingestellt – am 13. März schloss der Internationale Flughafen Kuwaits auf unbestimmte Zeit seine Pforten für Passagierflüge. Seit Sonntag sind in Saudi-Arabien per Regierungsbeschluss ebenfalls alle internationalen Flüge ausgesetzt – vorerst für zwei Wochen.

Air Baltic

Air Baltic wird wegen eines von der lettischen Regierung verhängten Flugverbots bis mindestens zum 14. April alle Flugzeuge am Boden lassen. Andere europäische Airlines ergreifen ähnliche Notmaßnahmen.

Stillstand in Europa

Aber auch innerhalb Europas schotten sich die einzelnen Länder immer mehr voneinander ab und schließen ihre Grenzen, um die Ausbreitung des Coronavirus innerhalb ihrer Einflussbereiche zu verlangsamen. In Deutschland ist Baden-Württemberg das erste Bundesland, das laut Medienberichten sämtliche Flughäfen schließen will. Weitere Bundesländer könnten diesem Beispiel folgen, auch Österreich peilt derlei Schritte an. In Osteuropa sind entsprechende Maßnahmen bereits teilweise in Kraft. Damit fehlt Airlines wie Airports in Europa zunehmend die Geschäftsgrundlage. Als Konsequenz lassen unter anderem folgende europäische Fluglinien ihre Flotte bis auf Weiteres komplett oder fast vollständig am Boden:

  • LOT: Polens Flag Carrier reagiert auf den Beschluss der polnischen Regierung, das Land bis auf den Warenverkehr komplett abzuriegeln. Nachdem zunächst ein Weiterbetrieb der Inlandsrouten angedacht war, folgte am Sonntag die Ankündigung seitens LOT, den Flugverkehr ganz einzustellen.
  • Air Baltic: Ähnlich sieht es bei der lettischen Air Baltic aus: Ab Dienstag, 17. März, sollen alle Air Baltic-Flugzeuge am Boden bleiben, da die lettische Regierung ein Flugverbot verhängt hat. Dieses gilt vorerst bis zum 14. April.
  • Tuifly: Der Reisekonzern Tui hat angekündigt, den größten Teil seiner Reiseaktivitäten einzustellen. Dazu zählt neben Kreuzfahrtreisen und Hotelbetrieb auch der entsprechende Zubringerverkehr auf dem Luftweg. Das führt dazu, dass die Flugzeuge der Konzern-Airline Tuifly ebenfalls zum Nichtstun verdammt sind.

Patrick Zwerger

LOT wird vorerst nicht mehr abheben und kommt damit einer Anordnung der polnischen Regierung nach.

  • Lauda: Mit der Ankündigung eines landesweiten Flugverbots durch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz bleibt auch für die Billigairline LaudaMotion keine Wahl, als den Betrieb lahmzulegen. Die Basen Düsseldorf, Stuttgart und Palma werden bis mindestens zum 31. März geschlossen, hieß es am Wochenende. Lediglich vier Strecken blieben an den Wochenenden vorerst im Programm: Brüssel, Dublin, London und Stuttgart. Am 16. März schließlich verkündete Lauda, auch diese Routen einzustellen und bis 9. April nicht mehr abzuheben. Mutter Ryanair fliegt zwar erst einmal weiter, streicht aber das Angebot um 80 Prozent zusammen.
  • Finnair: Finnlands Flag Carrier fährt seinen Betrieb um 90 Prozent herunter und belässt vorerst nur noch die 20 wichtigsten Strecken im Angebot. Dazu zählen hauptsächlich Inlandsflüge sowie einige wenige internationale Verbindungen, etwa nach Amsterdam, Paris, Berlin, Frankfurt, München und Zürich. Finnair-Chef Topi Manner spricht angesichts der drastischen Entwicklung von der „mit Abstand größten Krise in der Geschichte der Luftfahrt.“
  • SAS: Weil „die Nachfrage nach internationalen Flugreisen im Wesentlichen nicht existent“ ist, hat SAS beschlossen, den größten Teil des Flugverkehrs ab Montag vorübergehend einzustellen. Lediglich Rückflüge von verschiedenen Destinationen soll es vorerst noch geben, außerdem will SAS sich in die Dienste der Regierung stellen, um Infrastruktur aufrechtzuerhalten und gestrandete Urlauber nach Hause zu bringen.
  • Austrian: Am Mittag des 16. März gab Österreichs Lufthansa-Tochter Austrian Airlines bekannt, alle Flüge bis zum 28. März zu annullieren. Der Flugstopp soll in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Kraft treten. AUA-Chef Alexis von Hoensbroech gibt sich kämpferisch: Seine Airline will er darauf trimmen, „sobald wie möglich startbereit zu sein, wenn die Nachfrage wieder zurückkommt.“

UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/zivil/corona-austrian-lot-airbaltic-lauda-airlines-die-am-boden-bleiben/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder.