Die britische Regierung will die Europäische Luftsicherheitsbehörde EASA verlassen und Zertifizierungsprozesse bald auf eigene Faust vornehmen. Branchenvertreter warnen vor diesem Schritt – doch Verkehrsminister Grant Shapps sieht das ganz anders.

Ein Großteil der EASA-Expertise sei britisch, sagte Shapps im Interview mit „Aviation Week“. „Eine Menge der zentralen Lichtpunkte waren Briten. Wir werden die EASA verlassen.“ Mit dieser Ansage stellt sich der Verkehrsminister klar gegen sämtliche Empfehlungen von Branchenvertretern. „Wir haben deutlich gemacht, dass der Verbleib in der EASA die beste Option dafür ist, die Wettbewerbsfähigkeit unserer 36-Milliarden Pfund schweren Luftfahrtindustrie und unseren Zugang zu globalen Exportmärkte aufrecht zu erhalten“, sagte der Chef des Branchenverbandes ADS Paul Everitt. Auch Piloten warnen vor einem britischen Alleingang: „Wir müssen den Zugang zu Luftfahrtmärkten und die Sicherheitsvorschriften der EASA erhalten“ sagte etwa der Generalsekretär der Pilotenvereinigung Balpa.

CAA soll EASA-Kompetenzen übernehmen

Appelle, die offenbar nicht bis in die Büros der Brexit-Hardliner vordringen. Die entwerfen weiter das Bild einer britschen Luftfahrtbehörde CAA, die nach dem 31. Januar 2021 sukzessive Zertifizierungsprozesse und Sicherheitsmechanismen übernehmen soll, die sie bisher den Kollegen bei der EASA überlassen konnte – mit dem großen Vorteil, dass die Ergebnisse gleich für Alle galten.

Teuer und zeitaufwendig

Dieser Vorteil fällt dann weg, stattdessen muss die britische Regierung die Anerkennung der Standards und Ergebnisse ihrer CAA in bilateralen Verträgen neu verhandeln. Ein zeitaufwendiger und teurer Prozess, bei dem Airlines, Flugzeugbauer, Zulieferer und all deren Angestellte das Nachsehen haben. Laut einem Bericht der „Financial Times“ schätzt die Luftfahrtindustrie, dass es zehn Jahre dauern und jährlich bis zu 40 Millionen Pfund kosten würde, eine britische Luftsicherheitsbehörde im Format der EASA aufzubauen.

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