Loganair übernimmt Strecken und Personal der insolventen Flybe. Erst im September 2019 hatte die schottische Regionalairline die Scherben der Flybmi-Pleite zusammengekehrt. Auf den Tag X bei Flybe hat sich Loganair-Chef Jonathan Hinkles mit seinem Team „über mehrere Wochen“ vorbereitet.

Flybe hat am Donnerstag den Flugbetrieb eingestellt, nachdem die Airline erst im Januar eine Pleite mit Zusagen der britischen Regierung knapp abwenden konnte. Der Coronavirus-Effekt auf die Buchungen soll der Airline jegliche Planungsgrundlage entzogen haben. Loganair hat das Ende in Exeter kommen sehen. Ab 16. März übernimmt sie stufenweise 16 Flybe-Strecken. Die Airline verstärkt sich dafür mit zusätzlichen ATR-72 und will Piloten-, Flugbegleiter- und sogar einige neue Stellen in der Verwaltung vorzugsweise mit Flybe-Personal besetzen.

„Trauriger Tag“ für britische Luftfahrt

„Dieser Plan ist das Ergebnis mehrwöchiger, hinter den Kulissen durchgespielter Notfallszenarien, in deren Verlauf wir viele Routen und Flugzeuge geprüft haben“, sagte Loganair-Chef Jonathan Hinkles. „Der Zusammenbruch einer so etablierten Fluggesellschaft wie Flybe markiert einen sehr traurigen Tag.“ Flybe und Loganair hatten erst im Oktober 2019 ein Kooperationsabkommen für Verbindungen über die Flughäfen von Aberdeen, Edinburgh, Glasgow, Inverness und Manchester erneuert, an denen sich die Netze der Airlines trafen. Viele dieser Strecken will Loganair jetzt in Eigenregie fortführen.

Patrick Zwerger

Schottlands Regional-Carrier Loganair ist vor allem auch für den Inselverkehr zuständig und verbindet zum Beispiel Glasgow mit der Hebriden-Insel Barra.

Loganair auf Expansionskurs

Hinkles hatte erst im September 2019 den Niedergang von Flybmi zur Expansion genutzt: Loganair wird im Sommer 2020 mehrere Linien von Flybmi nachbesetzen und unter anderem erstmals Flüge nach Brüssel und Bergen anbieten. Die Airline setzt auf stabile Nachfrage der Offshore-Industrie und die Zugkraft ihrer Allianzen mit Wideroe, Emirates, Qatar Airways, British Airways, KLM, Air France und Turkish Airlines. Loganair betreibt derzeit 42 Flugzeuge, vorwiegend Embraer 145 und ATR-72. „Für den weiteren Erfolg unserer eigenen Fluggesellschaft ist entscheidend, dass wir uns nicht zu einer übermäßigen Expansion verleiten lassen und Wachstum im Rahmen unserer betrieblichen und finanziellen Möglichkeiten stattfindet“, sagte Hinkles.

Das Flybe-Ende setzt eine Pleiteserie in der britischen Airlineszene fort: Primera Air, Monarch Airlines, Flybmi und Thomas Cook wurden in den letzten drei Jahren eingestellt.

UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/zivil/nach-insolvenz-loganair-springt-fuer-flybe-ein/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder.