Bereits seit Monaten stemmte sich Flybe mit aller Kraft gegen die Pleite – nun der britische Regional-Carrier doch die Segel streichen: Mit sofortiger Wirkung stellte Flybe gestern Nacht den gesamten Flugbetrieb ein.

Auf ihrer Webseite veröffentlichte Flybe am frühen Donnerstagmorgen eine entsprechende Erklärung. Darin bat die Airline ihre Passagiere, für anstehende Flüge nicht mehr zum jeweiligen Flughafen zu fahren. Einen expliziten Grund für das Aus nannte Flybe in der Erklärung nicht. Wie mehrere Medien allerdings unabhängig voneinander berichten, brach der finanziell ohnehin seit Längerem darbenden Regional-Airline der Buchungsrückgang im Zuge der Corona-Krise das Genick. Damit wird Flybe zum ersten Airline-Opfer der Virus-Epidemie – wird aber vermutlich nicht das einzige bleiben.

Langer Leidensweg

Die 1979 unter dem Namen Jersey European Airways gegründete Flybe flog in jüngerer Vergangenheit durch turbulente Zeiten. Schon 2019 schwebte die drohende Pleite wie ein Damoklesschwert über der Fluggesellschaft. Das vorzeitige Ende konnte damals durch eine Beteiligung von Virgin Atlantic und Stobart abgewendet werden. Flybe sollte künftig unter als Virgin Connect firmieren. Besser wurde es dadurch nicht wirklich: Noch im Januar verhandelte Flybe mit der britischen Regierung über einen Notkredit, bat alternativ um eine Beteiligung des Staates oder einen Erlass der Ticketsteuer. Mit Ausnahme eines Aufschubs von Steuerzahlungen konnte bis zuletzt aber kein durchschlagendes Ergebnis erzielt werden.

Ende einer trubulenten Reise: Flybe bleibt ab sofort am Boden. Was jetzt mit den mehr als 2000 Mitarbeitern passiert, ist noch unklar.

„Alles mögliche versucht“

Flybe-Geschäftsführer Mark Anderson erklärte am Donnerstagmorgen, man habe „alles Mögliche versucht“, um das Ruder doch noch einmal herumzureißen. Letztlich aber habe es keinen anderen Ausweg gegeben, als den Betrieb einzustellen. Man werde nun zeitnah Insolvenz anmelden, so Anderson. Britische Gewerkschafter zeigten sich über das Ende von Flybe indessen empört – sie hätten ein Eingreifen des Staates für angebracht gehalten: „Während andere europäische Länder in der Lage sind, Maßnahmen zu ergreifen, um die Fluggesellschaften am Leben zu erhalten, wenn sie Insolvenz anmelden müssen, ist Großbritannien unfähig oder nicht gewillt, dies zu tun“, zitiert die dpa Oliver Richardson von der größten Fluggewerkschaft Unite.

Großer Verlust für Regionalverkehr

Die Verhandlungen über Staatshilfen waren seinerzeit vor allem der Konkurrenzvon Flybe sauer aufgestoßen: Sowohl die British Airways-Mutter IAG als auch Ryanair und Easyjet hatten sich vehement dagegen ausgesprochen, einen Mitbewerber mit Hilfe von Steuergeldern zu retten. Für den regionalen Flugverkehr in Großbritannien bedeutet das Aus von Flybe jedoch einen massiven Verlust. So war an manchen Regional-Airports im Land Flybe der einzige nennenswerte Carrier – beispielsweise in Southampton, wo Flybe 95 Prozent aller Flüge abwickelte.

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