Die Krise um die Boeing 737 MAX und der jüngst verhängte Baustopp bringen Zulieferer Spirit Aerosystems in Bedrängnis: Das Unternehmen streicht 2800 Stellen – und bemüht sich zugleich, die Abhängigkeit von Boeing in Zukunft zu verringern.

Spirit Aerosystems ist Boeings wichtigster Zulieferer im 737 MAX-Programm. Das Unternehmen mit Sitz in Wichita (Kansas) baut nach Angaben des Magazins Aviation Maintenance 70 Prozent der Strukturkomponenten für Boeings Krisenjet, darunter die kompletten Rümpfe für alle 737 MAX. In guten Zeiten war diese exponierte Stellung unter den Boeing-Zulieferern eine Goldgrube: Mehr als 50 Prozent des Jahresumsatzes machte Spirit in der Vergangenheit mit MAX-Komponenten. Nun, da Boeing erstmals seit fünf Jahrzehnten keine zivilen 737 mehr baut und ein Ende der Krise nicht absehbar ist, erweist sich diese enge Bindung an das 737 MAX-Programm als Boomerang.

100 Rümpfe auf Halde

Die vorübergehende Einstellung der MAX-Produktion, die im Dezember 2019 von Boeing verordnet wurde und seit dem 13. Januar greift, veranlasste die Geschäftsführung von Spirit Aerosystems deshalb zu einem schwerwiegenden Schritt: Das Unternehmen setzt an seinem Hauptstandort Wichita 2800 seiner Mitarbeiter auf die Straße, weil man auch bei einer Wiederaufnahme der MAX-Produktion damit rechnet, dass die Fertigungsraten zunächst unter denen von 2019 liegen werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte Boeing jedoch die Produktionsrate seines einstigen Bestsellers nach dessen Grounding von 52 auf 42 Exemplare pro Monat gesenkt. Spirit habe zudem keine Mitteilung von Boeing erhalten, wie lange die gegenwärtige Produktionspause voraussichtlich andauern wird, zitiert Aviation Maintenance die Geschäftsführung des Zulieferers. Darüber hinaus lägen derzeit über 100 vorproduzierte Rümpfe bei Spirit auf Lager.

Spirit Aerosystems

Spirit fertigt rund 70 Prozent der Boeing 737 MAX-Zelle. Dazu zählen neben dem kompletten Rumpf auch die Schubumkehr, die Triebwerksaufhängungen sowie Teile der Tragfläche.

Weniger Boeing, mehr Airbus

Für die entlassenen Mitarbeiter plant Spirit nach eigenen Angaben, gegenüber möglichen neuen Arbeitgebern aus der Luft- und Raumfahrtbranche als Vermittler aufzutreten. So wolle man zum Beispiel Jobmessen organisieren, um die Ex-Angestellten rasch wieder in Lohn und Brot zu bekommen. Parallel dazu arbeitet die Unternehmensführung des Zulieferers seit geraumer Zeit daran, sich in Zukunft weniger an Wohl und Wehe von Boeing als Hauptkunden zu ketten. So kaufte Spirit im Oktober beispielsweise von Bombardier eine Fabrik im nordirischen Belfast, in der unter anderem Tragflächen für den Airbus A220 hergestellt werden. Im Airbus-Auftrag baut Spirit überdies bereits Rumpfsektionen und Tragflächenholme für die A350.

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